Genthin/Brandenburg l Partystimmung ohne Gäste: für das DJ-Team Partycrashers aus Brandenburg an der Havel eine ganz neue Erfahrung. Auf der Streaming-Plattform Twitch laden die beiden via Internet ein, mit ihnen zu feiern.

Hoher Aufwand

Am 15. August gibt es eine weitere „Disco Pogo“-Party live aus dem Genthiner Stadtkulturhaus in die heimischen Wohnzimmer. Dabei wird ein relativ hoher Aufwand betrieben. „Es ist nicht so, dass wir am Tag selbst schnell mal zwei Stunden aufbauen“, erklärt Christoph Michel (39) vom Zelt- und Eventservice Berlin-Brandenburg. Einen Tag vorher wird das Set auf- und am Tag danach wieder abgebaut.

Dafür, dass die DJs dabei nichts verdienen, geht eine Menge Zeit ins Land. „Wir wollen zeigen, dass wir noch da sind, auch wenn Tanzveranstaltungen im üblichen Sinne verboten sind“, sagt Fabian Wutschick (35) über die Motivation, sich in einem leeren Saal ins Zeug zu legen.

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Musikwünsche werden erfüllt

Plakatwerbung wird für die Streaming-Events nicht geschaltet. Genutzt werden die sozialen Medien, um über die digitale Party zu informieren. Meist wird es per Termin in den einschlägigen Gruppen wie „Havelstadt Brandenburg“ oder „Genthin und Umgebung“ auf Facebook publik gemacht.

Dadurch, dass die Teilnehmer der Online-Party sich in einem überschaubaren Rahmen bewegen, können die Hobby-DJs mit ihnen interagieren, Musikwünsche erfüllen und auf Kommentare antworten.

Kein Vergleich zu sonstigen Partys

Die rund 200 Zugriffe auf das Streaming-Angebot, von denen nicht klar ist, ob es verschiedene Personen sind oder durch einen Server mehrfach zugegriffen wurde, sind kein Vergleich zur standardmäßigen Party. „Rund 800 Leute haben wir bei einer gut besuchten Veranstaltung im Saal und dann wird bis halb fünf gefeiert“, erzählt Michel von Auftritten vor Corona.

Während des Lockdowns halten die DJs über Facebook Kontakt zu ihren Fans, motivieren sie mit Musik und der Hoffnung, dass „dieser Spuk bald ein Ende hat“. Seit Mitte Mai haben sie ihren eigenen Twitch-Kanal und laden regelmäßig zum Livestream ein.

Party-Verbot trifft nicht mit ganzer Härte

Da die „Partycrashers“ nicht ausschließlich als DJs arbeiten, sondern hauptberuflich noch im Bereich Zelt- und Eventservice, trifft das Party-Verbot die beiden Unternehmer nicht mit gänzlicher Härte. „Wir sitzen es eher aus und hoffen, dass es bald wieder losgeht. Ewig kann die Regierung bei der aktuell niedrigen Fallzahl das Verbot nicht aufrechterhalten“, hofft Michel. Und einen weiteren Lockdown übersteht auch die Wirtschaft nicht, ist er sich sicher.

Unter normalen Bedingungen sorgen die beiden bei zehn bis zwölf Terminen im Jahr für Partystimmung. Darunter Oktober- und Strandfeste, der „Disco Pogo“ mit Musik der 90er und 2000er-Jahre, aber auch Winterveranstaltungen im Einzugsbereich zwischen Brandenburg an der Havel und Genthin.

Markt hat sich verändert

Seit fast 20 Jahren kennen sich die beiden. In ihrer Jugend gab es noch gut eine Handvoll Discotheken in der Havelstadt. Darunter auch das Castell, das Fun in Wust oder auch später das Manhattan am Hauptbahnhof. Keines davon ist noch existent.

Der Markt hat sich verändert. „Heute gehen junge Menschen lieber ein paar Tage am Stück auf ein Festival“, erklärt es sich Michel. Da geht in drei Tagen schon mal das Budget für einen Kurzurlaub drauf. Eine Party muss schon etwas besonderes bieten, um für junge Menschen interessant zu sein.

Auch die Veranstaltungsorte sind rar geworden. Mit vielen Örtlichkeiten sind Klischees verbunden oder die Gäste haben schlechte Erfahrungen gemacht. „Da kriegt man die Leute auch mit dem besten Partyangebot nicht rein“, weiß Michel.

Hoffnung auf Jahresende

Ein Lichtblick für die „Partycrashers“ ist, dass inzwischen zum Beispiel in Berlin wieder einige Großveranstaltungen unter Auflagen stattfinden dürfen. So hoffen beide, dass spätestens in der Adventszeit wieder „etwas geht“.

Bis dahin ist zumindest der Termin für die Streaming-Party aus dem Stadtkulturhaus fest gesetzt. Sollte diese Art der Partys sich fortsetzen müssen, haben die beiden auch schon Ideen, wie sie dennoch Umsatz machen können und auch andere Unternehmen, die wirtschaftlich besonders von der Coronakrise betroffen sind, in einer Zusammenarbeit unterstützen können. Mehr wollen sie darüber aber noch nicht verraten.

Das Streaming über Twitch wird live erfolgen. Im Anschluss wird der Stream gelöscht, weil es Probleme mit der genutzten Musik geben könnte. So bewegt sich die Internet-Party eher in einer rechtlichen Grauzone.