Bienenzucht

Süßer Nektar entsteht im Kloster Jerichow

Warum Bienenvölker in einer Abtei kein ungewöhnlicher Anblick sind

Jerichow (tsk). Es war bei einem Herbst-Markt im Kloster Jerichow, erinnert sich Dietmar Schmidt, da wurde er von dem damaligen Verwaltungsleiter angesprochen, „ob er nicht ein paar seiner Bienenvölker in den Klostergarten stellen könne“. So könne dort echter Kloster-Honig erzeugt und angeboten werden, so die Absicht dahinter. Schmidt prüfte die Bedingungen und stellte selbst welche: Mindestens zehn Völker müsse er aufstellen dürfen. „Das war dann bei der Größe des Geländes überhaupt kein Problem“, betont Schmidt und man wurde sich schnell einig.

Diese Mindestzahl an Völkern hat weder biologische noch technische Gründe, sie beruht allein auf der Wirtschaftlichkeit. Schmidt betreibt in Glienicke bei Lübars eine Imkerei und lebt davon. „Also muss sich für mich die Fahrt nach Jerichow rechnen“, sagt er, darauf verweisend, dass es mit dem Abfüllen des Honigs nicht getan ist. Viel gilt es zu beachten, wenn der Ertrag ergiebig, die Bienen gesund und die Beuten gepflegt sein sollen.

Viel Ruhe und Verständnis für die Natur

Das habe er als Imker gelernt, berichtet Schmidt. Schon mit zehn Jahren interessierte er sich für die Immen, so die altdeutsche Bezeichnung der Bienen. Mit dem Beginn des Studiums hörte es auf und Schmidt stieg erst im reiferen Alter wieder in die Honigbeschaffung ein. „2010 lernte ich noch einmal bei einem Imker mit 1000 Völkern das offizielle Einmaleins und machte mich dann ein Jahr später selbstständig.“ Bereut habe er den Schritt nie, wie er sagt, das Imkern oder auch Zeideln genannt, habe viel mit Ruhe und dem Verständnis für Natur und Biene zu tun.

Das komme Schmidt in solch hektischen Zeiten, wie er sie bis dahin erlebt habe, sehr entgegen. Mittlerweile nennt er 150 Völker sein Eigen und hat damit alle Hände voll zu tun.

Dass einige seiner Bienenvölker nun auch in der Klosteranlage Jerichow den Nektar suchen, gefällt ihm gut. Denn irgendwie kehren die Bienen damit zu ihrem Ursprungsort zurück.

Die für Deutschlands Haupterwerbsimker vorherrschende Bienenart ist die Buckfast-Biene und die wurde in einem Kloster, der Benediktiner-Abtei Buckfast in England, gezüchtet.

Pionier der modernen Bienenzucht

Als Vater gilt der deutsche Adam Kehrle (1898-1996) der als einer der Pioniere in der modernen Bienenzucht den Weg für neue anpassungsfähigere Bienenarten bereitete. Im Alter von zwölf Jahren trat Karl Kehrle auf Betreiben seiner Mutter in die englische Benediktiner-Abtei Buckfast ein und wählte als Ordensnamen Adam.

Da die Bauarbeiten, die zu jener Zeit im Kloster stattfanden, für ihn zu anstrengend waren, wurde er 1915 der Klosterimkerei zugewiesen, deren Leitung er 1919 übernahm. Er beschloss aufgrund der seinerzeit in England grassierenden Acarapiose, eine durch Milben verursachte Erkrankung der erwachsenen Bienen, bei der in der Klosterimkerei nur wenige Bienenvölker überlebten, in der Zucht neue Wege zu gehen. Die hierfür erforderlichen Grundlagen zur Anwendung der Vererbungslehre auf die Züchtung von Bienen fand er in Ludwig Armbrusters Bienenzüchtungskunde von 1919.

In Kenntnis der hohen Inzuchtanfälligkeit der Honigbiene wandte er sich von der allgemein bekannten Reinzucht als alleiniger Zuchtmethode ab. Basierend auf die gewonnenen Erkenntnisse züchtete er so in Kreuzungszucht, Kombinationszucht und Reinzucht eine erbfeste Honigbienenrasse, die in Bezug auf Krankheitsresistenz, Charaktereigenschaften und Honigleistung seine Anforderungen erfüllte.

Hierzu bereiste er seit den 1920er-Jahren systematisch und konsequent große Teile der Welt, beginnend in Europa bis nach Asien und Afrika, um nach geeigneten Bienenrassen zu suchen, die er in seiner Imkerei testete, um einige in seine Population einzukreuzen. Die daraus entstehende Rasse nannte er zu Ehren seines Heimatklosters Buckfast-Biene.

Bruder Adam sagte von sich selbst, dass nur ein Mönch solch wissenschaftliche Forschungen zu betreiben vermag, da nur dieser Aufgaben ausdauernd in großen Zeitspannen verfolgen könne.