Tucheim/Ringelsdorf l Bereits zur Adventszeit im Jahr 2019 fielen Stefanie Jaksch und ihr Verein mit einer nicht alltäglichen Art auf, an zusätzliches Geld zu kommen: Damals wurden Wunschzettel von Menschen mit wenig Geld im Hundesalon „Landfein“ an einem hölzernen Tannenbaum aufgehängt, welche dann von anderen Menschen erfüllt werden konnten.

„In diesem Jahr verzeichnen wir aufgrund von Corona vermehrt Anfragen von Menschen, die sich bestimmte Dinge für ihr Tier nicht mehr leisten können, sei es wegen Lohnkürzungen oder anderen Geldeinbußen“, erklärt Stefanie Jaksch am Telefon. „Deswegen kommt uns unser neues kleineres Projekt, welches aber schon der Pandemie anlief, nun entgegen.“

Gemeint ist die Zusammenarbeit mit der Internetseite „Gooding.de“. Dort kann nach Aussagen des Betreibers, der Firma Gooding GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main, bei verschiedenen Online-Shops eingekauft werden. Gleichzeitig fördert der Käufer damit einen guten Zweck seiner Wahl.

Doch wie finanziert sich die Webseite und wie seriös ist sie? Laut Gooding finanziert sich das Unternehmen von den Werbeeinnahmen und der sogenannten Teilen-Funktion. Die Prämie, welche Gooding von Käufen auf Webseiten dritter Partner verdient, ist eine Verkaufsprovision und kann zu 100 Prozent für den jeweiligen guten Zweck gespendet werden oder aber zu einem Teil an Gooding selbst.

„Wir benötigen 30 Prozent der Prämie, um Gooding bereitzustellen und weiterzuentwickeln. Daher stellen wir bei jedem neuen Gooding-Nutzer den sogenannten Prämien-Teilen Betrag auf 30 Prozent. Da wir an die Gooding-Gemeinschaft glauben, stellen wir es aber jedem Nutzer frei, diesen Beitrag vor dem Einkauf zu ändern“, heißt es von Seiten der Firma.

Zusammengefasst: Wenn Spender über Gooding auf Partner-Webseiten wie beispielsweise die der Deutschen Bahn etwas kaufen, können sie die voreingestellten 30 Prozent der Prämie Gooding zur Verfügung stellen, müssen dies aber nicht. Desto mehr kommt am Ende bei dem wohltätigen Zweck wie dem Verein „Notnasen“ an.

Das kritisiert auch Simone Meisel, Referentin für Recht von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt: „Man muss schon etwas suchen, um dies auf der Webseite auch zu finden. Zudem ist nicht genau klar, wie hoch diese Prämie am Ende ist und wie viel der Verbraucher mit seinem Kauf an die Notnasen gespendet hat.“

Weiter heißt es zwar, dass die persönlichen Daten nicht weitergegeben werden, aber auch dies ist immer ein kritischer Punkt aus Verbrauchersicht, so Meisel. „Ich verstehe, dass Vereine nach alternativen Möglichkeiten suchen, um an Spenden für ihre wohltätigen Zwecke zu gelangen, aber aus Verbrauchersicht ist die direkte Geld- oder Sachspende für den Verein am besten.“

Tatsächlich fällt die Spende am Ende vergleichsweise gering aus. Wenn beispielsweise bei Otto eingekauft wird (vorausgesetzt ist ein Mindestbestellwert von 30 Euro), werden maximal 2,50 Euro gespendet. Mit der 30 Prozent Teilen-Prämie blieben da 1,75 Euro für den Verein. Auch bei der Deutschen Bahn gibt es scharfe Ausschlusskriterien. Für einen Sparpreis-Kauf gibt es maximal einen Euro und für eine Flexpreis-Bestellung ab 40 Euro maximal 2 Euro.

Für Stefanie Jaksch bedeutet Gooding schlichtweg eine Zusatzeinnahmequelle für Spenden und es ist ein weiterer Schritt in die Öffentlichkeit, auch zur Entstigmatisierung. „Immerhin 50 Euro sind im letzten Quartal dazugekommen“, so die Tierfreundin. Weiter wünscht sich die Vereinsgründerin mehr Mut zum Gang zu ihrem Verein. „Wir erleben es häufig, dass Menschen in finanzieller Not sich schämen, zu uns zu kommen. Oft ist es dann fast zu spät. Ich wünsche mir, dass diese Personen sich trauen, unsere Hilfe anzunehmen. Aus diesem Grund haben wir schließlich den Verein gegründet: Um zu helfen!“