Genthin l Eigentlich war der Erwerb eines Hundewelpen für Marco R.* aus dem niedersächsischen Osnabrück ein reibungsloser Vorgang. In der Familie hatte man sich entschieden, einen Familienhund anzuschaffen. Auf der Internetplattform eBay-Kleinanzeigen war schnell ein passendes Tier bei einer Genthiner Anbieterin gefunden. Auch gestaltete sich der Kontakt mit der Verkäuferin unproblematisch.

„Die Verkäuferin war umsichtig, freundlich, die Tiere in einem guten Zustand“, erinnert sich der Käufer im Gespräch mit der Volksstimme. Die Familie entschied sich für einen Welpen der Rasse „Weimardoodle“, der zu einem marktüblichen vierstelligen Betrag abgegeben wurde. Doch groß war für die Familie die Überraschung, als der Hund nach dem Waschen massiv Haare verlor und sich auch gar nicht wie ein Weimardoodle verhielt.

Denn offenbar handele es sich um einen Hovawart. „Für uns war es eine bewusste Entscheidung, einen Weimardoodle aufzunehmen, da dieser wenig haart und in der Erziehung pflegeleicht ist“, erklärt R. Ein Hovawart verliere wesentlich mehr Haare, was bei vorhandenen Allergien in seiner Familie nicht sinnvoll sei.

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Anbieterin erstaunt über Anzeige

Außerdem würden die Tiere dieser Rasse größer und anspruchsvoller. R. stellte Anzeige bei der Genthiner Polizei wegen Betruges und leitete zivilrechtliche Schritte ein. Als die Verkäuferin ein neuerliches Angebot einstellte, wendete sich R. auch an die Volksstimme. Die Verkäuferin äußerte sich, über die Kleinanzeigenplattform kontaktiert, erstaunt über die Situation.

Sie wisse noch nichts über eine Anzeige und erklärte, die Unstimmigkeiten der Rassezuordnung auf Anfrage so: „Jeder, der sich mit der Thematik und Rasse beschäftigt, weiß, dass sogar ein reinrassiger Hund bis zu über 20 Prozent aus den Züchtungen und der Herkunft der Ahnen, aus anderen Hunderassen, bestehen kann. Also sogar jeder Rassehund entstand mal aus einer vielfältigen Mischung verschiedenster Hunderassen, selbsterklärend erst recht ein Mischling.“

Diese hätten unter ihren Vorfahren viele Unterarten, seien aus vielfältigen Hunderassen gezüchtet und man müsse sich mit der Thematik sehr genau beschäftigen. Von uns werden die Kleinen gehütet, gehegt und gepflegt, Tag und Nacht, aufopfernd, was derart seinesgleichen sucht“, verteidigt sie sich. Die Anbieterin hat ihr Angebot auf der Internetplattform mittlerweile gelöscht. Allerdings bestätigt der Burger Polizeisprecher Christian Sewina, dass die online eingestellte Anzeige beim Magdeburger Landeskriminalamt eingegangen sei, dort gehen alle digitalen Anzeigen ein.

Worauf es beim Kauf ankommt

Nunmehr sei das Polizeirevier Jerichower Land zuständig, derzeit laufen die Ermittlungen. Für Interessenten, die einen Hund anschaffen möchten, hat Sewina den Hinweis, dass man einen guten Anbieter unter anderem daran erkenne, dass er sich Zeit für den Käufer nehme, im Vorfeld Gespräche über das häusliche Umfeld führe, in das der Hund gegeben werden solle. Der Käufer solle umgekehrt die Möglichkeit haben, sich Welpen und Muttertier im häuslichen Umfeld des Verkäufers anzuschauen.

All das habe er so gemacht, sagt Marco R., dennoch habe es nach dem Kauf Probleme gegeben. Er spricht der Verkäuferin aber auch nicht ab, sich gut um die Tiere zu kümmern. Dennoch fühle er sich betrogen. Der Hundewelpe sei indes munter und es gehe ihm sehr gut.

Andrè Knopek vom Genthiner Tierschutzverein sagt, dass seine Einrichtung in Fällen, wie den hier geschilderten nicht involviert sei. Betreffend der Online-Tierangebote äußert er sich zurückhaltend. „Der Tierschutzverein Genthin vermittelt keine Tiere über Ebay-Kleinanzeigen“, stellt er fest und fügt hinzu: „Wir vermitteln unsere Tiere, aber vermarkten sie nicht und halten solche Plattformen für die Vermittlung nicht geeignet.“ Damit liege sein Verein auf der Linie seines Dachverbandes, dem Deutschen Tierschutzbund.

Verein vermittelt anders

„Unsere Vermittlung oder die Hilfe bei der Vermittlung beinhaltet drei ‚goldene‘ Regeln.“ So müsse das neue zu Hause zuallererst für das Tier passen und seinen Ansprüchen gerecht werden. Zweitens solle der neue Besitzer bekommen, was er sich wünscht, was am besten zu ihm passe. Zudem sollen die Tiere bis zur Vermittlung bestmöglich tierärztlich behandelt werden und keine Handicaps, Charakter oder bekannte Krankheiten verschwiegen werden. „Erst dann kommen die Interessen des Vereins, zum Beispiel die Vermittlung gegen eine Schutzgebühr.“ Diese sei kein Kaufpreis, sondern ein symbolischer Betrag.

„Wir würden uns wünschen, dass sich Menschen, die sich ein Tier zulegen möchten, im Klaren sind, dass es sich um ein Lebewesen handelt, ein Familienmitglied. Es hat Ansprüche, verursacht Kosten, nicht nur Futter und Spielzeug, auch Versicherung, Tierarzt und vieles mehr.“ Knopek rät: „Hier lieber einmal mehr Familienrat halten, nochmal über eine Anschaffung schlafen und erst nach reiflicher Überlegung einem Tier ein Zuhause geben.“

* Name ist der Redaktion bekannt