Genthin l Mit der dringenden Bitte um Unterstützung haben sich ehrenamtliche Helfer des Integrationstreffs an die Stadt Genthin gewandt. Vertreter der Helfer waren aktuell im Rathaus bei Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) zu Gast. Hintergrund der Dringlichkeitssitzung war der Umstand, dass die Netzwerkstelle „Ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe“, betrieben von Rolandmühle in Burg, ihre Arbeit Ende 2019 eingestellt hat. Dort war die finanzielle Förderung ausgelaufen. Bis Jahresende war Heike Stork mit einer 20-Stunden-Stelle über die Rolandmühle angestellt und als Ansprechpartnerin in der Einsteinstraße vor Ort.

Die Arbeit ging trotzdem weiter: Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft stellt nach wie vor die Räumlichkeiten in der Einsteinstraße kostenfrei zur Verfügung, daher können 15 Ehrenamtliche die Arbeit im Integrationstreff betreuen. Diesen gibt es bereits seit den 90er Jahren, was am Anfang als Betreuungsangebot für die Spätaussiedler entwickelt worden war, war auf dem Höhepunkt des Flüchtlingszuzuges vor fünf Jahren ein Dreh- und Angelpunkt für die Koordinierung der Hilfe für Migranten.

Keine Sprechzeiten mehr

Die Lage hat sich zwar deutlich entspannt und doch ist die Arbeit nach wie vor nötig, wenngleich derzeit unter erschwerten Bedingungen: „Wir sind als Anlaufstelle noch da, aber es gibt beispielsweise keine Büroöffnungszeiten mehr“, sagt Heike Stork, die nunmehr als Ehrenamtliche den Integrationstreff unterstützt. Was für die Ehrenamtlichen besonders schwierig ist, sei der fehlende Versicherungsschutz und dass man auf sich allein gestellt sei, da Ansprechpartner in einer verantwortlichen Institution fehlten.

„So können wir nicht weiterarbeiten“, sagen die Ehrenamtlichen und werden deutlich: „Wenn es so weitergeht, stellen wir unsere Arbeit Ende März ein.“

Ehrenamtliche Sprachkurse werden angeboten

Dabei ist das Thema Integration mit dem geringeren Zuzug von Flüchtlingen nicht erledigt. Nach wie vor werden im Integrationstreff ehrenamtliche Sprachkurse insbesondere für Frauen etwa aus Syrien gegeben. Aber nicht nur: Mittlerweile gebe es auch Flüchtlinge aus anderen Ländern und es gehe in den Kursen nicht nur um den Spracherwerb. „Was wir machen, ist eine Hilfestellung im Alltag“, erläutert Heike Stork. Wie gehe man um mit Schreiben vom Amt, mit Briefen von Strom – und Telefonanbietern, welche Gepflogenheiten gibt es im deutschen Alltag? Für die Vermittlung all dieser Dinge gebe es nach wie vor einen Bedarf, die Kurse seien gut belegt.

Insgesamt auf rund 50 bis 60 Besucher im Monat schätzen die ehrenamtlichen das Aufkommen im Integrationstreff. Darunter sind auch viele Einheimische, die sich entweder in der Flüchtlingshilfe engagieren möchten, die Fragen zu Flüchtlingen haben, manchmal seien es nur nachbarschaftliche Dinge, die geregelt werden sollen. „Wir versuchen, Berührungsängste zu überwinden und zu vermitteln, wo wir es können“, sagt Heike Stork. Dass der Bedarf für den Integrationstreff nach wie vor besteht, ist auch beim Landkreis angekommen. „Wir unterstützen das Ansinnen der Helfer, wieder einen Träger zu finden“, sagt die Integrationsbeauftragte des Landkreises, Julia Held.

Schnittstelle zwischen Ehren- und Hauptamt

„Wir brauchen eine Schnittstelle zwischen Ehren- und Hauptamt“, fordert sie. „Migranten lesen keine Zeitung, Informationen zu Veranstaltungen oder Beratungsangeboten bekommen sie vom Integrationstreff.“ Simone Kraaß vom Kreissportbund machte die immense Bedeutung des Integrationstreffs deutlich: „Ich bin im Bereich Integration und Inklusion tätig und habe den Treff immer als Schnittstelle nutzen können.“

So seien Angebote im Sportbereich über die Einsteinstraße an Migranten weitergegeben oder Anfragen von Flüchtlingen etwa zur Mitwirkung in Sportvereinen koordiniert worden. Bürgermeister Günther kündigte eine öffentliche Information im Bildungs- Kultur und Vergabeausschuss an, der am 18. Februar zusammenkommt. Dann sollen die Ehrenamtlichen ihre Arbeit vorstellen und die Situation erörtert werden.