Genthin l Den Kiefern, Lärchen und Fichten geht es in den Wäldern um Genthin nicht gerade gut. Hitze, Stürme und Trockenheit in 2018 haben ihnen zugesetzt. Forstschädlinge wie der Blaue Kiefernprachtkäfer, aber auch die Forleule, profitieren von dem warmen und niederschlagsarmen Sommer und könnten nun große wirtschaftliche Schäden anrichten. Dem versucht das Betreuungsforstamt Elb-Havel-Winkel, so gut es geht entgegenzuwirken.

Waldbesitzer in Sorge

Forstamtsleiter Peter Sültmann zeigt die Dramatik des Schädlingsbefalls auf, mit der sich das Betreuungsforstamt und die Waldbesitzer konfrontiert sehen.

Im vergangenen Jahr habe es nach den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes 371 Liter pro Quadratmeter und damit nur 68 Prozent der durchschnittlichen Niederschläge der Vorjahre gegeben. Nadelbäume reagierten, erklärt Sültmann, darauf mit einer verminderten Harzproduktion, was wiederum dem Blauen Kiefernprachtkäfer und anderen Borkenkäfern ideale Voraussetzungen bietet, sich nahezu widerstandslos in und unter der Baumrinde zu vermehren. Ihr zerstörerisches Werk endet mit dem Absterben des Baumes.

Kiefernbestände gefährdet

Bedrohliche Alarmzeichen, dass sich der Blaue Kiefernprachtkäfer seit dem Sommer in den Waldbeständen komfortabel eingerichtet hat, gibt es nicht wenige. In Kiefernbeständen sind durch die Revierleiter bis jetzt immerhin mehr als 80 Befallsherde mit zirka 1300 Festmetern Schadholz erfasst. Diese Zahlen dürften besonders für die Waldbesitzer mehr als beunruhigend sein. Denn die haben nach dem Landeswaldgesetz dafür Sorge zu tragen, dass sich der Schädling nicht weiter ausbreitet.

Mittlerweile hat das Betreuungsforstamt 73 Waldeigentümer, deren Flächen auf überwiegend sandigen Standorten zwischen Jerichow, Genthin, Parchen und Hohenseeden liegen, für das Thema sensibilisiert und zum Teil schriftlich beziehungsweise persönlich über den Schädlingsbefall informiert.

Befallene Bäume roden

Ab Mitte April wird das Betreuungsforstamt Elb-Havel-Winkel deshalb für die Waldbesitzer im Raum Genthin Vorführungen anbieten, bei denen erfahrene Forstleute aufzeigen, wie der Befall durch den Blauen Kiefernprachtkäfers zu erkennen ist und welche Sofortmaßnahmen dann einzuleiten sind. Die werden darauf hinauslaufen, dass befallene Bäume gerodet und samt Borke, in denen das Insekt die Eier ablegt und sich dann weiter entwickelt, aus dem Wald entfernt werden müssen.

Damit kommen auf den Waldbesitzer Kosten zu, redet Peter Sültmann nicht lange drum herum. Erschwerend käme aus der Sicht des Forstamtsleiters hinzu, dass die Holznachfrage nach den Stürmen der vergangenen Monaten auf dem Markt mittlerweile verhalten sei.

Auch benachbarte Wälder gefährdet

Werde jedoch der richtige Zeitpunkt für eine Waldsanierung verpasst, könnten auch benachbarte Kiefernwälder von Borkenkäfern befallen werden.

Eine Option für den Waldeigentümer, das von den Schädlingen befallene Holz doch zu verwerten, sofern es sich um kleinere Mengen handelt, sieht Peter Sültmann, es als Brennholz Selbstwerbern anzubieten. Das Betreuungsforstamt würde den Waldeigentümern bei vertraglichen Vereinbarungen zwischen ihm und dem Selbstwerber beratend zur Seite stehen.

Forleule bei Ferchland

Die Kiefer wird neben dem Blauen Kiefernprachtkäfer im Bereich Ferchland auch von der Forleule, einem nadelfressenden Schmetterling, in Bedrängnis gebracht.

Nicht unerwartet wurden im Ergebnis der Winterbodensuche Puppen aufgefunden und ein Überschreiten der Warnschwelle bei diesem Schädling festgestellt.

Seit 1. März sind deshalb an verschiedenen Stellen rund um Ferchland sowie im gesamten Forstamtsbereich Fallensysteme aufgehängt worden, bei denen anhand der Anzahl der gefangenen Falter Rückschlüsse auf das zu erwartende Schädlingsaufkommen gezogen werden können. „Wir werden die Fangzahlen sehr genau im Auge haben“, kündigte Peter Sültmann an.