Genthin l Nein, Miese hätte er nicht gemacht, keinesfalls. Schausteller und Jahrmarktorganisator Freddy Schmidt bestätigt der Volksstimme auf Anfrage, dass er recht zufrieden sei mit der Resonanz auf das von ihm anstelle des Kartoffelfestes organisiertes Kinderland im Volkspark. „Das erste Wochenende war recht verhalten“, erinnert er sich. Es habe ja auch geregnet. Am zweiten Wochenende seien die Genthiner Familien dann gekommen und hätten den Jahrmarktspaß in seinem „Kinderland“ genossen. Wenn sie auch nicht gleich mit Öffnung um 14 Uhr herbeigeströmt seien. „Die Genthiner sind halt so“, gibt Schmidt schmunzelnd seine Erfahrungen preis, „sie kommen meist erst später“.

Aufgegangen sei sein Konzept in Genthin auch deshalb, weil alle Fahrgeschäfte und Buden, die er im Volkspark als kleinen Ersatz für das Kartoffelfest aufgestellt habe, ihm beziehungsweise seiner Familie gehören. „Da fließen die Einnahmen am Ende in einen Topf. Kein Fahrgeschäft steht in Konkurrenz zu einem anderen.“ Überhaupt sei es in dieser schwierigen Corona-Pandemie-Zeit goldwert, dass alle Fahrgeschäfte und Buden, wie er es von seinen Schaustellervorfahren gelernt hat, ihm beziehungsweise seiner Familie gehören. „Nichts ist geleast, kein Kredit muss abbezahlt werden“. Er weiß von Kollegen, die nun langsam in Bedrängnis kommen, weil die Banken die Stundung eines Kredites nicht ewig weiter gewähren wollen.

Sorge vor Absage von Weihnachtsmärkten

Freddy Schmidts Kalender für die nächste Zeit und auch für das kommende Jahr ist voll von festen Zusagen und Verträgen. Nur wisse ja keiner, welche Beschränkungen mit dem weiteren Verlauf der Corona-Pandemie noch auf alle zukommen könnten. Schausteller hätten dabei noch das Glück, dass bei ihnen ohnehin immer alles draußen an der frischen Luft stattfindet – egal, welche Temperaturen herrschen. Trotzdem könne es natürlich passieren, so der erfahrene Jahrmarkt-Veranstalter, dass immer mehr Städte und Gemeinden ihre geplanten Weihnachtsmärkte absagen. Und das wäre für alle Schausteller eine mehr als bittere Pille.

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Für den Genthiner Weihnachtsmarkt ist Schmidt in diesem Jahr „nur“ als Berater und Organisator tätig. Das heißt, er hilft der Stadt mit seinen Kontakten dabei, die gewünschten Fahrgeschäfte und Stände mit heranzuorgansieren. Schmidts insgesamt zehn Fahrgeschäft und sechs Süßigkeiten- und Spielbuden werden in diesem Jahr in Brandenburg und in Neubrandenburg auf den Weihnachtsmärkten präsent sein.

2. berufliches Standbein ist Rettung

Wie überlebensrettend Eigentum für einen Unternehmer in dieser schwierigen Zeit sein kann, zeigt auch das Beispiel von Birgit Buchmann. Sie ist Inhaberin der Genthiner Diskothek „Gleis 1“. Der Veranstalterin gehört auch das Gebäude. „Betreiber, die ihre Räumlichkeiten gemietet haben“, sagt sie der Volksstimme am Telefon, „stehen jetzt so langsam mit dem Rücken an der Wand.“ Denn die jüngste Entscheidung der Landesregierung, die geplante Wieder-Öffnung von Clubs und Diskotheken zum 1. November aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation zu widerrufen, lässt alle Hoffnungen auf endlich wieder hereinkommende Einnahmen sterben. Von den staatlichen Überbrückungshilfen seien Club-Betreiber und Veranstaltungsagenturen ja auch ausgeschlossen. Buchmann selbst findet es angesichts der steigenden Infektionszahlen „nur vernünftig“, dass die Clubs weiter geschlossen bleiben. Denn spätestens, wenn der Alkohol seine Wirkungen zeige, sei es mit dem Wahren der nötigen Abstände vorbei. Keiner könne das dann mehr kontrollieren, geschweige denn im Griff behalten. Weshalb auch die geplante Halloween-Party am 31. Oktober bei ihr nun nicht stattfinden könne.

Dass Birgit Buchmann trotzdem nicht unter Existenzängsten leide, liege daran, dass sie noch weitere geschäftliche Standbeine habe. Sie betreibt auch noch einen Partyservice und das Bootshaus. Und: sie hat keine Festangestellten. Sie arbeitet für ihre Diskothek im Wochenend-Betrieb schon immer nur mit Pauschalkräften. Gefeiert werden soll hingegen ein Oktoberfest im Gewerbegebiet Nikolaus-Otto-Straße am 24. Oktober. Der Kartenvorverkauf läuft, allerdings nur für einheimische Besucher. „Wir halten an unserer Veranstaltung fest“, bestätigt der Genthiner Organisator DJ Rob in. Fügt aber hinzu: „Wir sind dabei, Ticketkäufer aus Risikogebieten zu informieren und deren Tickets zu stornieren, um das Publikum regional zu halten.“ Damit verhindert der Genthiner etwas, was Sozialministerin Petra Grimm-Benne „Disko-Tourismus“ genannt hat. Denn fast wäre Sachsen-Anhalt das einzige Bundesland mit offenen Diskotheken gewesen. Diese öffnen nun bundesweit nicht, aber auch vergleichbare Veranstaltungen wie das Genthiner Oktoberfest sind rar gesät.

Karnevalisten planen Freiluftevent

Rar machen sich auch die Karnevalisten in vielen Orten. Die Mitglieder des Genthiner Carneval Clubs (GCC) wollen es dennoch versuchen. „Wir haben alle Genehmigungen beisammen und wollen am 14. November eine Freiluftveranstaltung zur Saisoneröffnung anbieten“, sagt GCC-Präsident Sebastian Strebe. Eine Innenraumveranstaltung gäbe es November indes nicht. „Deshalb machen wir stattdessen mehr Programm im Freien.“ Neu wird sein, dass zahlreiche Sitzplätze auf dem Marktplatz aufgebaut werden, die für eine Entzerrung der Abstände zwischen den Besuchern sorgen sollen. „Wir hoffen, dass sich die Lage bis Mitte November noch entspannt“, so Strebe. Ansonsten halte man sich natürlich an neue Vorschriften.