Wirtschaft

Veranstalter im Jerichower Land zwischen Hoffen und Bangen

Die wohl größte Studie, die es in der Veranstaltungswirtschaft jemals gegeben hat, endet heute. Veranstalter in der Region sehen neben Vorteilen dieser Umfrage durchaus auch Schwierigkeiten mit solchen Datenerhebungen.

Von Mike Fleske 30.05.2021, 14:57 • Aktualisiert: 30.05.2021, 15:26
Yvonne Wilke und Marcel Ballerstein vom GVS Genthiner Veranstaltungsservice in Genthin im vergangenen Jahr während der Aktion von „Alarmstufe Rot“. Die Veranstalter haben bei der Umfrage "Zähl dazu" mitgemacht.
Yvonne Wilke und Marcel Ballerstein vom GVS Genthiner Veranstaltungsservice in Genthin im vergangenen Jahr während der Aktion von „Alarmstufe Rot“. Die Veranstalter haben bei der Umfrage "Zähl dazu" mitgemacht. Archivfoto: Mike Fleske

Genthin/Burg

„Zähl dazu“, lautet der Titel einer Umfrage innerhalb der Veranstaltungswirtschaft, die heute endet. Initiiert hat diese die Interessengemeinschaft der Veranstaltungswirtschaft, die mit wissenschaftlicher Unterstützung der TU Chemnitz, die Zahlen erhebt, aufbereitet und im Anschluss veröffentlichen wird.

Ziel der Befragung ist es, die Situation der Veranstaltungsbranche inklusiver aller Arbeitsbereiche und Beschäftigen zu erfassen. Diese Ergebnisse geben einen Überblick über die vielfältigen Bereiche der Branche und ihrer wirtschaftlichen Größenordnung. Sie sollen auch eine Basis für künftige Verhandlungen der Branche mit der Politik sein.

Teilnehmer aus Genthin sehen einfache Umsetzung

In der Region ist diese Befragung durchaus mit Interesse verfolgt worden. Yvonne Wilke vom Genthiner Veranstaltungsservice (GVS) ist früh darauf aufmerksam geworden und sagt: „Wir haben tatsächlich an dieser Umfrage teilgenommen. Die Fragen waren wirklich einfach zu verstehen, so dass auch jeder mitmachen kann.“

Allerdings hält sie diese Umfrage, genau wie die Aktion „Alarmstufe Rot“, bei der im vergangenen Jahr Gebäude beleuchtet worden waren, um auf die Not der Veranstalter hinzuweisen, für einen Tropfen auf dem heißen Stein. „Aber Zusammenhalt ist wichtig“, findet Yvonne Wilke. Politiker und Verantwortliche müssten nun erkennen, wie hart die Branche betroffen sei. Dennoch habe sich lange nichts geändert. Vorsichtig Hoffnung schöpfen die GVS-Leute aus geringen Infektions- und Inzidenzwerten.

Aktuell werden immer mehr Möglichkeiten für Veranstaltungen zugelassen, die genutzt werden sollen. Die Genthiner planen etwa am 11. und 12. Juni erste Konzerte am Wolzensee in Rathenow. Dort tritt zunächst die in der Region bekannte Band „Mehrweg“ und am nächsten Tag Dieter „Maschine“ Birr und Uwe Hassbecker auf.

Burger Veranstalter mit abwägender Zustimmung

Auch Veranstalter Emanuel Conrady vom Rotfuchs in Burg ist in der Planung für ein erstes Konzert. Am 18. Juli soll Musiker Thees Uhlmann nebst seiner Band am Burger Weinberg auftreten. Über die Befragung sagt er: „Ich habe mir die Umfrage angeschaut, vieles ist sinnvoll, manche Fragen führen aus meiner Perspektive ins Leere.“ Prinzipiell sei für ihn eine empirische Datenerhebung als Argumentationshilfe aber immer sinnvoll.

„Die Branche hat sehr gelitten, wird aber in meinen Augen sehr schnell wieder durchstarten“, hat er Hoffnung, schränkt aber ein, dass viele gerade freiberufliche Kulturschaffende auf der Strecke geblieben seien. „Als Gastrounternehmen habe ich vielfältige Fördermöglichkeiten erhalten, etliche Künstler konnten nur Sozialhilfe beantragen.“

Auch in Brandenburg hat man sich mit der Umfrage beschäftigt. Max Grosse Wiesmann vom Veranstalter Raumquartier findet die Erhebung grundsätzlich interessant, sieht aber ein grundlegendes Problem an anderer Stelle: „Die Politik hat die Kultur häufig nicht im Blick.“

Brandenburger sind ins Internet ausgewichen

Für viele Bereiche seien richtigerweise Öffnungsstrategien entwickelt worden, aber in den Beratungsrunden der Regierung mit den Ministerpräsidenten habe man niemanden aus dem Kulturbereich dabeigehabt, wodurch diese Perspektive häufig in den politischen Entscheidungen fehlte. Möglicherweise könne die aktuelle Datenerhebung hier tatsächlich eine neue Grundlage bieten.

Das Raumquartier bietet normalerweise die Ausrichtung von Feiern und Meetings an. In den vergangenen Monaten haben sich die Betreiber als Streamquartier einen Namen in der technischen Umsetzung von Internetübertragungen etwa mit Konzerten und Infoveranstaltungen gemacht.

Am Montag, 31. Mai um 14 Uhr gibt es mit dem „Berufe Stream“, der gemeinsam mit der Initiative Havel-Valley umgesetzt wird, die nächste Aktion. Das Angebot ist für Zuschauer kostenfrei und ohne Anmeldung möglich alle Interessierten können den Stream hier abrufen.