Genthin l Vertreter der CDU-Kreisfraktion um den Vorsitzenden Markus Kurze (MdL) besuchten kürzlich die Rettungswachen in Genthin und Drewitz. Die neu eingerichtete Wache an der B 107 ist neben dem Rettungstransportwagen-Standort zugleich der Standort für den Notarzt.

Kombi-Arzt-Model

Hier wurde von der Kreistagsfraktion die weiteren Möglichkeiten der medizinischen Versorgung besprochen. So brachte etwa der stellvertretende Landrat Thomas Barz (CDU) ein Kombi-Arzt-Modell ins Gespräch, bei dem Ärzte des Rettungdienstes auch Sprechstunden anbieten. Ein weiterer Vorschlag war zudem, dass eine chirugische Facharztpraxis verlängerte Öffnungszeiten anbietet und gezielt von Patienten angesteuert werden kann. Dies ist unter anderem auch ein Wunsch von in Genthin angesiedelten Unternehmern aus Stahl- und Chemiebranche, die immer wieder deutlich machen, wie wichtig eine solche Versorgung vor Ort sei. Etwa bei Platzwunden, Schnitten oder Quetschungen könnte eine solche Praxis die Erstversorgung übernehmen. Früher sei man mit dem Mitarbeiter ins Krankenhaus gefahren, heute müsse der Rettungswagen gerufen werden.

Einheitliche Nummer zu unbekannt

Ein weiteres Problem, das in der Kreistagsfraktion zur Sprache kam, war der Umstand, dass die bundesweit einheitlichen Rufnummer 116 117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst in der Bevölkerung zu unbekannt sei und selten genutzt werde.

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„Die Rufnummer 112 kennt jeder und sie hat auch ihre Berechtigung, die Notrufnummer für den Bereitschaftsdienst muss man noch wesentlich stärker ins Bewusstsein bringen“, sagt DRK Regionalverbands-Vorstand Andy Martius. Anrufer landen bei den Leitstellen der Kassenärztlichen Vereinigung. Medizinisch ausgebildetes Personal hilft den Anrufern weiter und nennt die nächstliegende Anlaufpraxis. Für Martius war der Besuch der Kreis-CDU nur der Auftakt, mehrerer Informationsgespräche mit weiteren Fraktionen sollen folgen.

Grüne: Genthin als Pilotprojekt

Den früheren Krankenhausstandort und das bestehende Ärztehaus in Genthin besuchten Mitglieder der Landesfachgruppe „Soziales, Gesundheit und Arbeitsmarktpolitik“ der Grünen. Susann Siborra-Seidlitz (Landesvorsitzende) und Matthias Borowiak (Sprecher der Gruppe) informierten sich beim Grünen-Stadtrat Lutz Nitz und Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) über den derzeitigen Gesprächsstand zur geforderten Notfallversorgung in Genthin.

In diesem Gespräch ging es auch um die von den Johannitern ins Gespräch gebrachte Portalklinik mit fünf bis zehn Betten. Man sei dabei, mit allen Beteiligten aus Politik und Gesundheit, also dem Landessozialministerium, der Kassenärztlichen Vereinigung und den Johannitern als mögliche Betreiber im Gespräch zu bleiben und eine Lösung für Genthin zu erwirken, erläuterte Lutz Nitz, selbst Mitglied in einer städtischen Fachgruppe.

Mehr als 3000 Unterschriften

In diesem Rahmen habe man bereits mit Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) gesprochen und ihr mehr als 3000 Unterschriften der Bevölkerung übergeben, mit denen eine Notfallversorgung gefordert wurde. Die Besuchergruppe zeigte sich an den Bemühungen der Genthiner interessiert und versprach Unterstützung: Die Probleme der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum gäbe es in ganz Sachsen-Anhalt. Genthin habe durch die Schließung des Krankenhauses allerdings ein Alleinstellungsmerkmal. „Wir werden vor dem Parteitag einen Antrag einbringen, mit dem wir Genthin als Pilotprojekt vorschlagen werden“, machte Susann Siborra-Seidlitz deutlich.

Besucher eines Bürgergespräches mit Sozialministerin Grimm-Benne (SPD) in Jerichow brachten das AWO-Fachkrankenhaus Jerichow als Krankenhaus der Erstversorgung für die Region ins Gespräch.

Nahe an Genthin

Dort gäbe es eine technische Ausstattung und man sei nahe an Genthin gelegen. Dieses Ansinnen verwarf der dortige Chefarzt Thomas Wieser: „Das Fachkrankenhaus ist spezialisiert auf Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Neurologie und kann nicht weitere Patienten für andere Untersuchungen aufnehmen.“ Das sei weder zu leisten, noch vorgesehen.