Genthin l Zertrümmerte Glasscheiben, vernagelte Zugänge, Schmierereien an den Hauswänden, abgestellte Wohnmobile hinter geöffneten Zäunen und trotzdem Menschenleere. Dazu ein Postkasten mit der Aufschrift „Zirkus Busch“ unmittelbar an der Zufahrt des Objektes an der Berliner Chaussee. Er lässt darauf schließen, dass sich hier trotzdem etwas bewegt.

Der ehemalige Toom-Baumarkt gibt ein verwahrlostes Bild ab. Wer auch immer der Eigentümer der Immobilie ist, muss in finanzielle Schwierigkeiten geraten sein, denn der ausgediente Markt wird im Juli im Amtsgericht Burg versteigert.

Telefonnummer ungültig

Noch wird auf einem großen Banner, das an der Frontseite des Marktes gut sichtbar für die Nutzer der B 1 ist, für die Vermietung der Flächen geworben. Die angegebene Kontakt-Telefonnummer mit einem Anschluss in Münster/Westfalen erweist sich bei mehreren Anruf-Versuchen als ungültig. Auch die offensichtlichen Nutzer der Immobilie, Mitarbeiter des Zirkus Danny Busch, kamen der Volksstimme-Bitte am Dienstag um telefonische Rückmeldung nicht nach.

Das Kurzexposé, das im Internet einsehbar ist, weist für das Objekt, das Toom 2011 verlassen hat, einen unentgeltlichen Nutzungsvertrag aus. Toom hatte das Objekt aufgegeben, weil es zu unmodern geworden war. Das Unternehmen sprach davon, die Immobilie verkaufen zu wollen.

Mindestgebot 51.000 Euro

Für ein Mindestangebot von 51.000 Euro kommt der ehemalige Markt mit 3000 Quadratmeter Hallenfläche und etwa 14.000 Quadratmeter Büro- und Sozialflächen nun unter den Hammer. Im Versteigerungspaket einbegriffen ist des Weiteren eine gewerbliche Baufläche von rund 4580 Quadratmetern.

Mit der angekündigten Zwangsversteigerung des Objektes kommt überraschend ein längst verdrängter kommunaler Streitpunkt wieder ans Tageslicht: der Bau eines neuen Stadtkulturhauses.

In den Standortuntersuchungen für den Neubau des Stadtkulturhauses, vorgenommen vom Fachbereich Bau der Stadtverwaltung, wurde auch der ehemalige Toom-Baumarkt einer Betrachtung unterzogen. Er lag zudem in der Gunst der Genthiner bei einer Befragung der Volksstimme, die im Zusammenhang mit der Kommunalwahl vorgenommen wurde, weit vorn. Das ganze Vorhaben liegt allerdings auf Eis.

Keiner redet mehr Stadtkulturhaus

Nach endlosen Haushaltsdiskussionen redet mittlerweile niemand mehr über den Neubau eines Stadtkulturhauses, er steht weder auf der Agenda der Stadt noch des Stadtrates, obwohl es immer noch gültige Beschlüsse gibt.

In der Standortuntersuchung war die Verwaltung zu dem allgemeinen Schluss gekommen, dass für den Umbau der Immobilie ein hoher Sanierungsaufwand betrieben werden müsste und eine Einbeziehung in das Stadtumbauprogramm nicht möglich sei. Überhaupt bestünden geringe Förderchance, befand das zuständige Fachamt. Ein genauer Kostenrahmen konnte seinerzeit im Hinblick auf ausstehende Grundstücksverhandlungen nicht ermittelt werden.

Die Verwaltung untersuchte vor gut anderthalb Jahren insgesamt 18 Standorte für den Bau eines Stadtkulturhauses, wovon letztlich sechs, darunter auch der ehemalige Toom-Baumarkt, in die engere Wahl gelangten.

Derzeit geht die Stadt davon aus, ab 2022 die Bewirtschaftung des Stadtkulturhauses von der QSG zu übernehmen. Aber auch dafür liegen noch keine Konzepte vor.

Die Versteigerung des ehemaligen Toom-Baumarktes soll im Burger Amtsgericht am 30. Juli über die Bühne gehen.