Genthin/Burg l Eigentlich hatte sich das Bündnis „Den Mangel beenden! Unseren Kindern Zukunft geben!“ am Sonnabend in Burg für die Unterschriften-aktion mit Radlegende Täve Schur Prominenz ins Boot geholt. Doch dann sind dem inzwischen Hochbetagten dringende private Angelegenheiten dazwischen gekommen und er musste absagen.

Für Änderung des Schulgesetzes

Aber Ulrich Härtel vom Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Nadine Werkmeister von der Elterninitiative „Bildung in Not“ und Torsten Krull vom Stadtelternrat mussten auch ohne die prominente Unterstützung nicht weit ausholen, um die Burger von ihrem Anliegen - mit einem Volksbegehren eine Änderung des Schulgesetzes in Sachsen-Anhalt herbeizuführen - zu überzeugen.

Auch Bärbel Hecht nicht, die als erste Punkt zehn Uhr zum Kugelschreiber griff. „Wenn ich hier etwas von Bedarfskürzung lese, dann weiß ich sofort, das ist falsch. Wir brauchen mehr, nicht weniger Lehrer in unseren Schulen!“

Bilder

Bis zu acht Prozent Stunden-Ausfall

Welche Tatsachen dem Anliegen des Bündnisses zugrunde liegen, zeigen allein folgende Zahlen. Im Schuljahr 2018/2019 sind nach Angaben von Michael Schulz, stellvertretender Pressesprecher im Bildungsministerium Sachsen-Anhalts, in der Genthiner Grundschule von 28 367 Schulstunden 708 (2,5 Prozent) ausgefallen. In der Sekundarschule mussten demnach von 17 001 angesetzten Unterrichtsstunden 1105 (6,5 Prozent) als Totalausfall verbucht werden. Am Gymnasium fielen von 32.471 Stunden 1484 (4,6 Prozent) aus. An der Förderschule wurden 784 Stunden von insgesamt 9823 nicht gegeben. Mit acht Prozent ist in Genthin prozentual im Vergleich zu den anderen Schulformen am meisten Unterricht ausgefallen.

Damit liegen die Genthiner Schulen - außer die Grundschule - noch über den Zahlen, die der Landkreis Jerichower Land an Unterrichtsausfall im vergangenen Schuljahr verzeichnete: 2,8 Prozent an den Grundschulen, 5 Prozent an den Sekundarschulen, 5,3 Prozent an den Gymnasien und 6,8 Prozent an den Förderschulen.

Weil Unterrichtsausfall und Lehrermangel Sachsen-Anhalts Bildungslandschaft nicht erst seit dem vergangenen Schuljahr begleiten, hatten sich Eltern-, Schüler- und Pädagogen-Verbände, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie Politikerinnen und Politiker aus Sachsen-Anhalt zu diesem Bündnis zusammengeschlossen und das Volksbegehren auf den Weg gebracht. Das hat zum Ziel, dass im Schulgesetz verankert wird, wie viele Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeiter und Schulsozialarbeiter eine Schule braucht. Denn ohne diese Festlegung im Gesetz, so Ingo Doßmann, Vorsitzender des GEW-Kreisverbandes Jerichower Land, werde in der Bildungspolitik weiter nur ziellos und kurzfristig auf Mangelzustände reagiert.

Sozialarbeit dauerhaft verankern

„Was wir jetzt erleben, ist“, so der Genthiner in einem Gespräch mit der Volksstimme, „dass sich die Unis streiten, welche Lehrämter und Fächer ausgebildet werden, dass das Bildungsministerium Stundentafeln der Sekundar- und Gemeinschaftsschulen kürzt und an den Berufsschulen Berufsfelder nur noch teilweise unterrichtet werden.“ Ganz zu schweigen von einer dauerhaften Verankerung der Schulsozialarbeit.

Als das Bündnis am 8. Januar 2020 loslegen konnte mit der Unterschriftensammlung, ahnte noch keiner, wie sehr das Coronavirus der Aktion einen Strich durch die Rechnung machen würde. 180 000 Unterschriften, so Doßmann, hätten in sechs Monaten gesammelt werden müssen, damit der Gesetzesvorschlag vom Landtag behandelt wird. Unterschriften, die jeder einzelne analog auf einen Erfassungsbogen in Papierform setzen muss, damit sie als gültig gewertet werden können. Dafür wollten die Mitglieder des Bündnisses öffentliche Veranstaltungen wie Märkte und Feste nutzen. Das fiel mit den Corona-Beschränkungen flach.

Lediglich vier Wochen Verlängerung wurden dem Bündnis nach Beginn der Lockerungen eingeräumt. Bis zum 15. Juli wird nun dazu aufgerufen, für ein zu änderndes Schulgesetz zu unterschreiben.

Unterschriftenbögen und weitere Infos gibt es hier.