Genthin l Anhaltendes nasses Wetter anstatt Minusgrade und Schnee. Der Regenschirm wird mittlerweile zum gefragten Gebrauchsgegenstand. Ist damit die lang erwartete Wohltat für Wald und Natur nach der Dürre der Sommermonate eingetreten? Mitnichten, sagt Peter Sültmann, Forstamtsleiter des Betreuungsforstamtes Elb-Havel-Winkel. Die „gefühlten Niederschlagsmengen“ würden noch lange nicht den anhaltenden Wassermangel, unter dem die Wälder nach wie vor leiden, decken. Von einer Entwarnung könne aus seiner fachlichen Sicht nicht im Entferntesten die Rede sein.

In den beiden zurückliegenden Jahren fiel insgesamt zu wenig Regen. 2018 gingen 371,3 Liter auf einen Quadratmeter nieder, im zurückliegenden Jahr stieg die Niederschlagsmenge auf 390 Liter an. Zu wenig, wie ein Vergleich mit dem Niederschlags-Jahresmittel zeigt, das in den Jahren von 1961 bis 2010 ermittelt wurde. Die Niederschlagsmengen 2018 erreichten 68 Prozent des langfristigen Wertes, mit 72 Prozent ging das vergangene Jahr in die Statistik ein.

Nieselregen von Bogen aufgesogen

Der Eindruck, dass mit dem Regen der vergangenen Wochen das Niederschlagsdefizit geschmälert werden konnte, sei einfach unzutreffend. „Der subjektive Eindruck täuscht“, sagt Peter Sültmann. Der zeitweise etwas länger anhaltende Nieselregen sei schnell von der Bodenvegetation „aufgesogen“ worden.

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Verschiedene Standortbohrungen, die in dieser Woche in den Wäldern im Territorium des Betreuungsforstamtes Elb-Havel-Winkel vorgenommen wurden, ergaben, dass die Niederschläge lediglich in bis zu einer Tiefe von 60 Zentimetern eingedrungen sind. „Ein solcher Tiefenbereich ist zwar für die jüngeren Waldbäume nutzbar, aber nicht für alte Bäume“, sagt der Forstamtsleiter.Die unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen der vergangenen zwei Jahre und die sehr hohe Sonnenstrahldauer und -intensität in den Sommermonaten, die bis zu 150 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittel erreichte, hätten, so Peter Sültmann, insbesondere den Altbeständen zugesetzt, sie würden diese für Dürreschäden und Schädlingsbefall anfällig machen.

30 Prozent der Altkiefern erkrankt

Betroffen seien besonders die älteren Kiefern und Eichen, aber auch alle Fichten- und Lärchenbestände. Wenigstens 30 Prozent der Altkiefern, das sind 90-jährige Kiefern und ältere, seien erkrankt, schätzt der Forstamtsleiter.

Kranke Kiefern sind selbst für Laien deutlich erkennbar an ihren braunen Kronen, hervorgerufen durch Diplodia pinea, einem wärmeliebenden Pilz. Ihm nutzt die Stresssituation der Kiefer, sodass er in kurzer Zeit die gesamte Krone von außen nach innen zum Absterben bringen kann.

Befallenes Holz muss fix entsorgt werden

Dies wiederum macht es beispielsweise dem Blauen Kiefernprachtkäfer und anderen Borkenkäfern möglich, sich nahezu widerstandslos in und unter der Baumrinde zu vermehren.

Nach dem Landeswaldgesetz seien hier die Waldeigentümer in der Pflicht, das befallene Holz schnellstmöglich zu fällen und die Rinde zu entsorgen, um einer weiteren Schadausbreitung und Holzentwertung entgegenzuwirken, sagt Peter Sültmann. Das Betreuungsforstamt biete dazu beratende Unterstützung an.

Grundwasserspiegel um 1 Meter gefallen

Fachleute gehen für die Region Genthin davon aus, dass durch Trockenheit der vergangenen Jahre der Grundwasserspiegel mittlerweile um einen Meter gefallen ist.