Genthin l Bevor es überhaupt losging, bekamen die Besucher des Weihnachtskonzertes Post vom Bismarck-Gymnasium. Denn wie ein Brief ist das Programm abgedruckt. Nicht ohne Grund: „Tauchen Sie ein in die Welt der Weihnachtsbriefe“, lud Moderatorin Maja Fleischer das Publikum ein. Und so gab es am Weihnachtsbaum vorgelesene Niederschriften prominenter Menschen. Da kündigte Schriftstellerin Dorothy L. Sayers ihren Besuch bei den Eltern an - mit einem Mann und einem Motorrad, Theodor Storm sehnte den Winter herbei - „wenn doch nur der Schnee kommen wollte“. Die Mutter von Johann Wolfgang von Goethe lehnte es in ihrem Brief ab, ihrem Enkel ein bestimmtes Spielzeug zu schenken: „Eine Miniaturguillotine kaufe ich um keinen Preis.“ Denn Weihnachten ist das Fest des Friedens. Diese Aussage zog sich mit dem Thema aus dem Film „Merry Christmas“ durch das Konzert. „Holy Night, I dream of hope“ war immer wieder zu Hören. Unter anderem mit Solistin Sophie Ziegler, die für einen der zahlreichen Gänsehautmomente des Abends sorgte.

Chor zeigt sein Können

Dazu gehörten auch die Erinnerungen von Frontsoldaten an den Weihnachtsfrieden vom Heiligabend 1914, den junge Sänger vortrugen. Damals sangen Soldaten aus England, Frankreich und Deutschland gemeinsam Weihnachtlieder und kämpften eine Nacht lang nicht. Von der Sehnsucht, an den Feiertagen zu Haus zu sein, sang Henrike Ritz im Lied „Weihnachten daheim“, das stimmungsvoll vom Chor begleitet wurde. Überhaupt zeigten sich die zahlreichen jungen Sänger bestens bei Stimme und wunderbar aufeinander eingestellt. Ein Beleg für das große Können aller Beteiligten. Verließen doch im Sommer mit dem Abitur 16 Chorsänger das Ensemble. Mittlerweile sind die Reihen stimmgewaltig aufgefüllt.

Zu hören beim knifflig zu singenden „Carol of the bells“ mit seinen Temposteigerungen. Und auch der Nachwuchs steht bereits in den Startlöchern, was die Mitglieder des Kinderchores mit zwei Liedern bewiesen. Übrigens haben auch die Lehrer aufgerüstet und zeigten ihr Können im Lied „Sanctus“. Daneben waren bekannte Weihnachtslieder, wie „Alle Jahre wieder“ oder „Es ist für uns eine Zeit angekommen“. Damit es nicht zu gefühlig wurde, hatten die Gymnasiasten auch einen humorvollen Auftritt zur Musik des beliebten Weihnachtsfilms „Drei Nüsse für Aschenbrödel“. Mit Sternchen auf dem Kopf schmachteten sie sich sehr zum Amüsement des Publikums gegenseitig an „Halt mich, lieb mich, Küss mich“. Die jungen Männer verrieten unter der Hand: „Wir haben das freiwillig mitgemacht und hatten viel Spaß daran.“ Und Chorleiterin Anke Held fügte hinzu: „Ein witziger Auftritt der Sänger gehört zum Konzert traditionell dazu.“ Kurios auch der „Glühweinkanon“, vor einigen Jahren war das Lied bestehend aus den Wörtern „Glühwein“, „Gänsekeule“ und „Marzipankartoffeln“ schon einmal Teil des Weihnachtskonzertes, seinerzeit allerdings mit einem kleinen Ensemble. Mit dem ganzen Chor entfaltete das Lied seine ganze skurrile Kraft.

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Poetry-Slamerin als Neuheit

 Ein echter Weihnachtshit ist das Lied „Stop the Cavalary“, die Antikriegshymne landete vor rund 40 Jahren sogar in den Charts, doch so wie beim Bismarck-Chor hat man es wohl selten gehört. Denn krächzend kamen zahlreiche Tröten zum Einsatz. Diese sind ebenfalls obligatorisch im Weihnachtskonzert. Genau wie das Orgelspiel von Joachim Sack. Das „Präludium C-Dur“ von Dietrich Buxdehude gab es diesmal. Am Klavier saß, auch wie immer, der frühere Schulleiter Gotthard Wienmeister. Aber dann gab es auch etwas ganz Neues. Poetry-Slamerin Viola Neumann trug einen selbst verfassten Text vor, in dem es um das Weihnachtsgefühl von Menschen geht, die an vielen Orten in der Welt zu Hause sind. Egal, wo sie sich befinden, fühlen sie Geborgenheit und Heimweh. So habe man das Herz bei Familien und Freunden an vielen Orten, die Weihnachten feiern. Trotz Wehmut, ein schöner Gedanke. Da gingen Chor und Zuhörern das gemeinsame „O du fröhliche“ leicht über die Lippen. „Wer jetzt noch nicht in Weihnachtsstimmung war, ist es jetzt“, meinte der stellvertretende Schulleiter Sebastian Ziem. Aber das letzte Wort hatte wie immer Gotthard Wienmeister und das war an die Chorleiterin gerichtet: „Danke Anke.“