Genthin l Jeden Tag gibt es deutschlandweit Meldungen zu steigenden Corona-Infektionen. Ob und in welchem Maße es in der kalten Jahreszeit weitere Auflagen geben wird, kann zurzeit niemand voraussagen. „Natürlich verfolge ich das alles mit Bauchschmerzen“, sagt gat-Chef Jürgen Wagner. Trotzdem probt das Ensemble seit September für das Weihnachtsmärchen, das am 28. November im Stadtkulturhaus seine Premiere feiern soll. „Wir haben uns entschieden, das Stück durchzuziehen. Falls uns Corona doch noch einen Strich durch die Rechnung macht, haben wir Pech gehabt. Es darf in diesem Jahr keinen Aussetzer geben“, zeigt sich der Ensemble-Chef kompromisslos.

Das Genthiner Amateurtheater setzt alles auf eine Karte und startete vor gut vier Wochen zunächst im Lindenhof die Proben. Jetzt wird in das Stadtkulturhaus umgezogen. Wenn die geplante Märchenkomödie „Die kleine Hexe, die nicht böse sein konnte“ von Maria Clara Machado doch noch platzt, wäre das ein trauriges Novum in der 50-jährigen Vereinsgeschichte.

Trotz aller Bedenken sei die Stimmung gut im Ensemble, versichert Wagner. Es sei jedoch ein wenig schmerzlich, in dieser Saison mit einer verhältnismäßig kleinen Besetzung von elf Darstellern, darunter vor allem der gat-Nachwuchs, das Weihnachtsmärchen aufzuführen.

Die konkrete Auswahl des Märchens der Spielzeit 2020/21 war bereits den Corona-Auflagen geschuldet auf diese „Minimalbesetzung“ gefallen. Ursprünglich sollte die Märchenkomödie sogar in einer Doppelbesetzung einstudiert werden. Davon musste sich das gat inzwischen aber verabschieden. „Das war nicht praktikabel“, sagt Wagner, der wieder die Regie führt.

Auch als Regisseur sieht er sich in dieser Saison ganz besonderen Herausforderungen ausgesetzt. Irgendwie muss es ihm und seinen Darstellern gelingen, ein gefälliges und unterhaltsames Stück auf die Bühne zu bringen - ohne die sonst so lebhaften Massenszenen und ohne größere Nähe der Darsteller zueinander. Es bleibt wohl eine kleine Hexerei.

Dabei laufen die organisatorischen Vorbereitungen des diesjährigen Weihnachtsmächens wie gewohnt ganz sachlich nüchtern und ohne jegliche Zauberei. Dazu gehört auch, dass sich das Amateurtheater in dieser Saison auf deutlich weniger Besucher einstellen muss. „Den 1500. Besucher werden wir zur Vorstellung am Dreikönigstag sehr wahrscheinlich nicht begrüßen“, macht sich Wagner nichts vor. Trotzdem sei das Ensemble natürlich sehr froh darüber, dass seine Partner und Veranstalter, unter anderem auch in Burg, Möckern und Kirchmöser, an den traditionellen Aufführungen festhalten. Offen bleibt allerdings noch der Auftritt in Tucheim. Nach wie vor ist hier noch nicht geklärt, wie die Corona-Auflagen mit der Größe der Spielstätte in Einklang zu bekommen sind.

Für das Genthiner Stadtkulturhaus, in dem wieder drei Aufführungen geplant sind, kann das gat diesbezüglich sorgenfrei der Spielsaison entgegensehen. Es gibt ein Corona-Hygienekonzept, das Mindestabstände sicherstellen könne. Freilich mit der Konsequenz, das nur etwa die Hälfte der zur Verfügung stehenden Plätze genutzt werden kann. „Folgerichtig“, sagt Wagner, „müssen wir auch davon ausgehen, dass wir nur die Hälfte der der sonst üblichen Einnahmen erzielen werden. Wir hoffen sehr, dass wir in dieser Saison keine Miese machen werden. Wenn es irgendwie geht, streben wir ein Ergebnis von Plus-Minus-Null an.“

Diese Rechnung ginge natürlich nur auf, wenn die Zuschauer dem Amateurtheater treu blieben und nicht aus Angst vor einer Corona-Infektion auf den Theaterbesuch verzichten, weiß Wagner auch.

Personifizierte Karten für die drei Vorstellungen in Genthin werden in diesem Jahr ausschließlich im Vorverkauf in der Genthiner Touristinformation zu erwerben sein. Eine Tageskasse wird es nicht geben.

Auch das ist der Corona-Pandemie geschuldet.