Genthin l Die Firma CCS, die im Chemiepark Genthin Shampoo- und Reinigungsmittelflaschen abfüllt, hat die vorläufige Insolvenz angemeldet. Und dennoch ist die Situation nicht gänzlich hoffnungslos.

Auftragslage ist gut

„Es gibt eine mehr als ausreichende Auftragslage“, sagt Rechtsanwalt und Insolvenz-verwalter Benjamin Keramati von der Kanzlei Turner in Hamburg, die die Insolvenz betreut. So laufe der Geschäftbetrieb weiter, auch Löhne und Zahlungen an Lieferanten seien bis einschließlich April gesichert.

Eine Gefährdung für die anderen Unternehmen in dem Gebäude durch mögliche Lieferstopps von Strom, Wasser und Gas wie bei der Insolvenz der Hansa Group 2014, gebe es diesmal nicht. „Wir wissen um die besondere Situation, dass in diesem einen Gebäude sämtliche Leitungen zusammenlaufen, derzeit sind aber alle Lieferanten bereit, weiter mit uns zusammenzuarbeiten.“ Wodurch die erneute Schieflage entstanden ist, lasse sich derzeit noch nicht sagen, betonte der Insolvenzverwalter.

Auswirkungen noch unklar

Auch in der Stadt Genthin muss man sich nun erneut mit der Situation im Chemiepark beschäftigen. Dass der Geschäftsbetrieb weiterlaufe, Löhne und Gehälter weiter gezahlt würden, sei zunächst ein gutes Signal, sagte Bürgermeister Matthias Günther (parteilos). Welche Auswirkungen die erneute Insolvenz für die Stadt hat, lasse sich noch nicht sagen. „Jetzt müssen erst einmal Analyse und Schlussfolgerungen des Insolvenzverwalters abgewartet werden, dann werden wir sehen, was er empfiehlt. Erst dann können auch wir eventuelle Auswirkungen einschätzen.“

Gewerkschafter und Betriebsratsvorsitzender Olaf Thiele erlebt in diesen Tagen die dritte Insolvenz am Standort des ehemaligen Henkel- und späteren Waschmittelstandortes. „Ich hoffe, dass es wieder einmal gut ausgeht, auch wenn Existenzängste im Hinterkopf da sind. Verantwortungsbewusstes Handeln ist jetzt gefragt.

Seit 2017 ansässig

Immerhin geht es um knapp 70 Mitarbeiter. Es ist gut, dass die Aufträge da sind“, sagte Thiele im Gespräch mit der Volksstimme. Das Unternehmen ist seit Frühjahr 2017 im Chemiepark Genthin ansässig. Es hatte seinerzeit keine Fördermittel in Anspruch genommen und griff auch nicht auf die Vermittlung durch das Wirtschaftsministerium zurück. Die Aufträge kamen und kommen von namhaften Discountern.

Das Rezept kommt vom Auftraggeber, die Inhalte werden zusammengestellt und abgefüllt. Hergestellt werden so Haushaltsreiniger, Shampoo, Bad- und Autoreiniger sowie Waschmittel. Mit der Neuansiedlung des Unternehmens sollte der Chemiepark in ruhigeres Fahrwasser gebracht werden.

Hohe Mitarbeiterzahl

Als Henkel vor zehn Jahren seinen Standort in Genthin aufgab, betrieb die Hansa Group das Waschmittelwerk als Putzmittelhersteller weiter. Doch die Hansa Group schlitterte 2014 in die Insolvenz. Im November 2014 kauften die Unternehmerbrüder Alambeigi mit der Gemini Holding das Werk. Im Mai 2015 meldete dann auch diese Firma Insolvenz an.

Stadt, Unternehmen, Wirtschaftsministerium sowie die Landesregierung hatten gemeinsam daran gearbeitet, den Industriepark neu aufzustellen. Ende vergangenen Jahres hatten sich im Chemiepark, das das ehemalige Henkel-Gelände umfasst, elf Unternehmen angesiedelt, die größtenteils erheblich in den Standort investierten. Mit mehr als 400 Fachkräften wurden die Beschäftigtenzahlen von Henkel erreicht. CCS hatte im Laufe des Jahres 2018 ihre Mitarbeiterzahl von zu Beginn rund 40 auf mehr als 60 zum Jahresende steigerte.