Genthin l Während das Genthiner Krankenhaus inzwischen fast dem Erdboden gleich gemacht wurde, haben die sachsen-anhaltischen Grünen in Sachen Portalklinik nachgelegt. Auf dem Kleinen Parteitag des Landesverbandes Ende März haben sie Portalkliniken als Teil eines Zukunftsmodells einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung auf ihre Agenda gehoben. Ein solcher Antrag des Landesdelegiertenrates passierte einstimmig den Kleinen Parteitag.

Die Grünen plädieren dafür, vor dem Hintergrund einer sich verändernden Krankenhauslandschaft in Sachsen-Anhalt neue Wege zu gehen und „in Verhandlung mit den Kostenträgern und wo nötig als Modellprojekte neue Versorgungsformen zu erproben und zu installieren“.

Als eine solche Versorgungsform betrachten die Grünen Portalkliniken. Sie könnten, heißt es unter anderem in dem verabschiedeten Beschluss, die Erst- und Notversorgung in der Fläche sichern.

Kooperationen müssen dafür ausgebaut wer

Portalkliniken, wird in dem mehrseitigen Beschluss ausgeführt, könnten ihr Potential allerdings nur dann ausspielen, wenn die Kooperation zwischen den Krankenhäusern ausgebaut und die Digitalisierung vorangetrieben werde.

Der Kleine Parteitag hat damit im Wesentlichen die von Grünen-Landeschefin Cornelia Lüddemann bei ihrem Besuch in Genthin diskutierten Fragen zur zukünfigen medizinischen Versorgung speziell im ländlichen Raum aufgenommen. In der Absicht, dass das Genthiner Problem im Land ankommt, hatte Lutz Nitz die Politikerin zu einem Besuch eingeladen. Lüddemann ging in Genthin soweit, im Falle einer Grünen-Regierungsbeteiligung über das Jahr 2021 hinaus, die Einrichung einer Portalklinik in Genthin auch zum Gegenstand von Koalitionsverhandlungen machen zu wollen. Die Genthiner sollten den Beschluss des Kleinen Parteitages zum Anlass nehmen, sich wieder verstärkt dem Thema Portalklinik zuzuwenden, sagte Stadtrat Nitz. Er wünsche sich ein ähnliches Engagement wie die Havelberger, die nicht müde werden, für den Erhalt ihres Krankenhauses zu kämpfen.

Neue Situation mit neuem Eigentümer

Von Corona überdeckt, ist das Vorhaben, eine Portalklinik in Genthin zu installieren, inzwischen etwas ins Abseits getriftet. Dabei hat sich, bisher von der Öffentlichkeit kaum beachtet mit dem neuen Eigentümer des Ärztehaues eine neue Situation ergeben. Er hat signalisiert, das Vorhaben der Johanniter, eine 24-Stunden-Notfallversorgung in Genthin zu gewährleisten, zu unterstützen. Die Johanniter stehen nach wie vor dazu, in Genthin eine Portalklinik errichten zu wollen. Das versicherte Dr. Thomas Krössin, Stendaler Klinikdirektor und Geschäftsführer der Johanniter GmbH. Sie sehen allerdings das Land in der Pflicht, für eine Portalklinik in Genthin die Rahmenbedingungen zu schaffen.

Knackpunkt des Vorhabens bleibt allerdings die Rücknahme des Denkmalschutzes für den historischen Teil des Krankenhauses.

Die Johanniter sprechen dabei von einer „wesentliche Voraussetzung für ein Engagement in Genthin“.

Über Aufhebung des Denkmalschutzes nachdenken

Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) signalisierte inzwischen Bereitschaft, über die Aufhebung des Denkmalschutzes im Falle einer Investition der Johanniter neu nachzudenken. Auch die Grünen, die sich für den Denkmalschutz stark gemacht hatten, zeigen sich bereit, über die Aufhebung des Denkmalschutzes, mit der Oberen Denkmalschutzbehörde ins Gespräch kommen zu wollen.