Osterwieck l Ein Jahr lang hat ein Ingenieurbüro aus Thüringen die Werte und Daten der Klärwerke Osterwieck und Göddeckenrode aufgenommen, ausgewertet und Schlussfolgerungen gezogen. Klaus-Arno Herzberg stellte die Ergebnisse dieses sogenannten Klimaschutzteilprojekts vor, dessen Umsetzung letztendlich nicht nur der Umwelt, sondern auch den Abwassergebühren zuträglich wäre. Denn im Ergebnis stehen vor allem große Einsparungen bei den Stromkosten. Aber nicht nur das.

„Alles was neu ist, braucht seine Zeit“, sagte Herzberg und spielte damit auf weitere Möglichkeiten an. Zum Beispiel das aus dem Klärbecken entweichende Methangas aufzufangen und daraus Strom zu erzeugen. Methangas sei immerhin 21 Mal klimaschädlicher als Kohlendioxid, fügte Herzberg hinzu.

Ebenfalls Klärschlamm könne man verstromen. Oder auch den Phosphor herausfiltern und verkaufen. In Osterwieck fällt davon fast ein Zentner pro Tag an. „Aber man muss die Verhältnismäßigkeit zur Investition wahren.“ Dennoch würde sich der Aufwand für die Verstromung von Klärgas nach drei bis fünf Jahren rechnen.

Große Stromfresser

Kläranlagen seien die größten Stromverbraucher, erklärte Herzberg, noch vor Schulen Krankenhäusern oder Verwaltungen. Im Ilsetaler Anstaltsgebiet verschlingt den meisten Strom das Klärwerk Osterwieck.

Auf 12 800 Einwohner ausgelegt, ist es um die 90 Prozent ausgelastet. 93 Prozent der Grundstücke im Anstaltsgebiet sind dorthin angeschlossen, nur drei Prozent in Göddeckenrode. Die verbleibenden vier Prozent der Grundstücke haben Kleinkläranlagen bzw. Sammelgruben. Überwiegend betrifft das Suderode.

Strom wird im Klärwerk vor allem für die Belüftung der Abwasserbecken benötigt. Herzberg nannte aber auch die insgesamt 28 Pumpwerke in den Ortschaften, die mit Strom betrieben werden. Unterm Strich kommt ein Jahresstromverbrauch von rund 650 000 Kilowattstunden zusammen, was letztendlich den Gebührenzahler eine sechsstellige Summe kostet.

Hohes Sparpotenzial

Klaus-Arno Herzberg ermittelte im Ergebnis seiner Untersuchungen ein hohes Energieeinsparpotenzial für beide Klärwerke. Die Göddeckenröder Anlage verbrauche pro Einwohner sogar doppelt soviel Strom wie die Osterwiecker. Dabei könne man selbst in Osterwieck bis zur Hälfte der Stromkosten sparen, so sein Fazit. Wobei man auf diesen Idealwert erst stufenweise kommen würde.

Herzberg listete eine Reihe technischer Sofort- und kurzfristiger Maßnahmen auf, die in den Klärwerken umsetzbar wären. Und er führte mögliche größere Investitionen auf.

Langfristig sei es möglich, die Abwasseranlagen energieautark zu betreiben, wenn all die im Abwasser enthaltene Energie genutzt würde.

Auf der Grundlage dieses Klimaschutzteilkonzeptes könnte es auch Fördermittel geben. Wobei schon diese Studie zu 50 Prozent gefördert worden war. Ilsetal-Vorstand Holger Ballhausen unterstrich, dass nun durch den Wechsel der Orte zum Trink- und Abwasserzweckverband Vorharz auch wieder Fördermittel ins Ilsetaler Gebiet fließen könnten. „Das wird dann Sache des großen Verbandes sein“, sagte Verwaltungsratsvorsitzende Ingeborg Wagenführ.

Das Konzept ist auf der Internetseite der Stadt Osterwieck www.stadt-osterwieck.de unter der Rubrik Leben – Trink- & Abwasser – WA Ilsetal veröffentlicht.