Halberstadt l Die Flüchtlingssituation im Harzkreis hat sich in den vergangenen Wochen entspannt. Zum einen kommen gegenwärtig deutlich weniger Asylsuchende in Sachsen-Anhalt und damit im Zentralen Erstaufnahmelager in Halberstadt (Zast) sowie den Außenstellen an. Zum anderen sind pünktlich vor den Feiertagen weitere Kapazitäten in winterfesten Quartieren fertiggestellt worden. Am gestrigen Freitag übergab Finanzstaatssekretär Jörg Felgner (SPD) weitere 865 Plätze für Flüchtlinge an Zast-Leiter Eckhard Stein.

Die Plätze befinden sich in insgesamt 306 Containern sowie elf festen Wohnhäusern, die in den vergangenen Monaten aufgebaut wurden. Damit werden die bisherigen Plätze in Zelten abgelöst. Letztere waren im Spätsommer aufgebaut worden, als der Strom der Flüchtlinge binnen kurzer Zeit extrem angestiegen war.

Container für 2,5 Millionen Euro

Das Land hat die Container für zwölf Monate angemietet. Die Fertigteil-Bauten wurden auf dem Zast-Erweiterungsgelände aufgebaut und in Wohngruppen mit je 34 Containern samt Sanitärbereichen angeordnet. Pro Wohngruppe sollen etwa 50 Menschen untergebracht werden. Alles in allem investiert das Land nach Felgners Worten ins Anmieten und Aufstellen der Container, deren Anschluss an Ver- und Entsorgungsmedien sowie den Rückbau auf ein Jahr hochgerechnet rund 2,5 Millionen Euro.

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Die Container machen nur einen Teil der Erweiterungen aus, die am Freitag im Beisein von Bauleuten übergeben wurden. Parallel dazu zogen verschiedene Baufirmen elf Unterkunftsgebäude in Holzbau- und Plattenbauweise hoch. Diese Häuser – im Herbst am Reißbrett entwickelt – besitzen jeweils zehn Wohnungen für vier Personen, bieten unterm Strich also 440 Flüchtlingen Platz. Hinzu kommen drei Sanitäts- und zwei Funktionsgebäude, die voraussichtlich im Januar übergeben werden sollen. Alles in allem werden für diesen Komplex rund 6,9 Millionen Euro veranschlagt. Diese Summe schließe die Tiefbauarbeiten im Zuge des Anschlusses von Ver- und Entsorgungsleitungen sowie Aufwendungen für einen Löschteich und den Bau einer Trafo- und einer Fernwärme-Station ein.

Zelte bleiben Notreserve

Mit der Übergabe von Container- und Wohnhausplätzen würden die bislang genutzten Zelt-Camps auf dem Zast-Gelände endgültig überflüssig, hieß es. Während ein Zelt-Lager bereits im Herbst zurückgebaut wurde, blieben die aktuell noch vorhandenen Zelte stehen, erklärte Zast-Leiter Stein. „Die Großzelte sowie das Camp mit Bundeswehrzelten bleiben als Puffer vorhanden.“

Mit den jetzt übergebenen Plätzen steige die Gesamtkapazität der Zast auf 2300 Plätze in festen Räumen, so Stein. Gegenwärtig sind nach seinen Worten in der Zast Halberstadt lediglich 1000 Menschen untergebracht. Das werde sich in den nächsten Tagen jedoch ändern, weil über Weihnachten und den Jahreswechsel keine Flüchtlinge mehr auf die Landkreise aufgeteilt werden. Im Schnitt kämen rund 100 bis 150 Menschen täglich in der Zast an, in erster Linie Syrer und Afghanen. Auf den Plätzen folgen Irak, Iran sowie Indien und afrikanische Länder.

Ab Januar Flüchtlinge dauerhaft im Harz

„Es ist damit zu rechnen, dass die nun vorhandenen Plätze über den Jahreswechsel belegt werden“, so Stein. Zudem rechnet er damit, dass dann auch die Zast-Außenstelle im früheren Praktiker-Baumarkt in Halberstadt erstmals belegt wird. In der nächsten Woche soll dort die Brandschutzanlage aktiviert werden, danach sei hier die Unterbringung von rund 340 Menschen möglich.

Ab Januar 2016 können Flüchtlinge auch dauerhaft im Harz untergebracht werden. Das novellierte Aufnahmegesetz sei am 10. Dezember vom Landtag verabschiedet worden und trete ab 1. Januar in Kraft, so Nancy Eggeling vom Innenministerium. Damit erhält auch der Harzkreis Zuweisungen. Die Verteilung wird voraussichtlich ab 7. Januar 2016 erfolgen.Seite 2