Stadt Osterwieck l Der förmliche Wechsel wird zeitgleich mit den Silvesterraketen erfolgen, der tatsächliche Übergang in Etappen. Bis Ende März wird die Geschäftsstelle in Osterwieck noch besetzt bleiben. Denn hier sollen noch die Ilsetaler Jahresrechnungen 2015 der Kunden abschließend bearbeitet werden. Auch danach ist es vorgesehen, zumindest für einige Zeit dienstagnachmittags noch eine Sprechstunde in der Ilsestadt anzubieten, berichtete Vorstand Holger Ballhausen, seit 1995 Ilsetaler Verwaltungschef. Er selbst wird bereits am 4. Januar an seinem neuen Schreibtisch in der Blankenburger Vorharz-Verwaltung sitzen – als Geschäftsführer des Großverbandes, in dem 61 000 Einwohner leben. Zehnmal mehr als im Ilsetal.

Das Osterwiecker Personal wird komplett übernommen. Neben dem Chef sind das zwei Verwaltungsmitarbeiterinnen, drei Techniker und ein Minijobber. Das Osterwiecker Klärwerk wird weiterhin tagsüber besetzt sein. Die Techniker werden sich aber für mögliche Bereitschaftsdienste auch in andere Anlagen des Verbandsgebiets einarbeiten – und umgekehrt auswärtige Techniker in die hiesigen.

Gebühren bleiben gleich

Für die Bürger selbst wird sich relativ wenig ändern. Die Gebührenabschläge pro Jahr werden von vier auf acht und ab 2017 auf neun erhöht. Es gibt neue Kundennummern. „Bei einer Havarie könnte es etwas länger dauern, bis ein Techniker da ist“, schätzt Ballhausen für den Fall der Fälle angesichts der längeren Anfahrt ein. Das war es auch schon fast an Änderungen. Der Bereitschaftsdienst bei Störungen und Havarien ist weiterhin unter Telefon (03941) 5 73 45 77 zu erreichen. Vor allem aber bleiben die Gebührensätze gleich.

Die Ilsetaler Orte Osterwieck, Berßel, Bühne, Lüttgenrode, Schauen und Wülperode bleiben ein separates Kalkulationsgebiet zumindest für die Abwassergebühr. 2016 also sind Trink- und Abwassergebühren unverändert, für 2017 werden beide neu kalkuliert, aber nur für das eine Jahr. Von 2018 an soll das Ilsetaler Gebiet mit in den Turnus der Vorharzer Dreijahreskalkulation kommen. Dann steht die Frage, ob es beim Trinkwasser einen einheitlichen Preis geben wird, wie früher im Nachbarverband Huy-Fallstein.

Als der Ilsetal-Verband am 5. Dezember 1991 in Lüttgenrode gegründet worden war, hatte er sechs Mitglieder. Mit der Gründung der Einheitsgemeinde Stadt Osterwieck vor sechs Jahren gab es nur noch ein Mitglied, daher musste der Verband in eine Anstalt öffentlichen Rechts umorganisiert werden.

Acht Mitglieder

Der große Vorharzer Verband hat acht Mitglieder, wozu die Stadt Osterwieck mit ihren acht früheren Huy-Fallsteiner Orten bereits zählt.

Die neue Verbandsversammlung wird nun um drei Osterwiecker Sitze auf 34 vergrößert. Bisher saßen aus der Stadt Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko/Berßel), Rüdiger Seetge (Aktive Bürger/Hessen) und Ralf Voigt (Förderverein Stadt Dardesheim) in dem Gremium, jetzt kommen Dirk Heinemann (SPD/Wülperode), Frank Meuche (Interessengemeinschaft Osterwieck) und Jürgen Seubert (Wählergemeinschaft Berßel) hinzu. Gemeinsam haben sie jedoch nur eine Stimme.

Der TAZV Vorharz ist auch erst vor einem Jahr aus Huy-Fallstein und Blankenburg entstanden. Holger Ballhausen steht ab Januar vor der nicht leichten Aufgabe, drei Gebilde zusammenzuführen. Dabei wolle er auch mit Nachbarver- und -entsorgern kooperieren, sagte er.

Aufgaben für mehrere Jahre

Dass er das Osterwiecker Gebiet nicht aus den Augen verlieren wird, steht außer Frage. Wenn die Hornburger Straße oder die Wallstraße weiter ausgebaut werden, wird sich auch der neue Großverband einklinken. Im Blick hat Ballhausen weiterhin die Wasserverluste im Leitungsnetz. Vor einem Vierteljahrhundert lagen diese bei 50 Prozent, jetzt bei 18 Prozent. Sie könnten durch eine neue Überleitung von Osterwieck nach Rimbeck sowie neue Leitungen in den Osterwiecker Bereichen Breitscheidallee und Bahnhofstraße weiter verringert werden. Dort liegen noch längere alte Leitungen in den Straßen. Aufgaben für mehrere Jahre.

Als Ilsetaler Investitionsabschluss ist gerade im Dezember eine Wasserleitung nach Schauen fertiggestellt worden, wodurch der sensible Hochbehälter außer Betrieb genommen werden konnte.

Durch die Fusion mit dem TAZV Vorharz haben die Ilsetaler nachträglich Fördermittel für die einstige Wülperöder Erschließung ausgezahlt bekommen. Dadurch konnten die Bank-Verbindlichkeiten reduziert werden. „Das ist gut für die Gebühr“, sagte Ballhausen. Mit etwa neun Millionen Euro dieser Schulden geht Ilsetal in den Vorharz.

Und die Ilsetaler bringen ihr Grundstück, auf dem sich die Geschäftsstelle, aber auch der städtische Osterwiecker Bauhof befinden, mit in den neuen Verband ein. Ziel ist es laut Ballhausen, das Anwesen zu verkaufen.