Neue Diesterweg-Grundschule geplant, altersgerechtes Wohnen im "Altbau"

5,4 Millionen Euro für Schulneubau in der Siedlung

Von Jörg Endries

Nach mehreren gescheiterten Versuchen, die desolate Diesterweg-Grundschule in der Sargstedter Siedlung aufwendig sanieren zu lassen, wird derzeit im Rathaus Halberstadt am ehrgeizigen Plan eines Schulneubaues gearbeitet. Bereits im Frühjahr 2013 könnte der Startschuss für das Vorhaben fallen.

Halberstadt l Die Diesterweg-Grundschule soll abgerissen werden. Ein Gerücht, das sich derzeit hartnäckig in der Kreisstadt hält. Etwa die letzte Konsequenz nach den gescheiterten Versuchen, den desolaten Gebäudekomplex aufwendig sanieren zu lassen?

Ganz im Gegenteil, wie Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke), HaWoGe-Geschäftsführerin Beate Grebe und Jens Klaus, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, gestern auf Nachfrage der Halberstädter Volksstimme betonen. Die Stadt wagt jetzt in Zusammenarbeit mit dem Wohnungsunternehmen den ganz großen Schritt, will endlich Nägel mit Köpfen machen. Im Rathaus hat man sich nach zahlreichen gescheiterten Plänen zur Sanierung des über 60 Jahre alten Schulkomplexes von diesem Vorhaben verabschiedet. Geblieben ist der Anspruch, den Schulstandort Sargstedter Siedlung nachhaltig zu sichern. Zumal der Stadtteil mit über 5000 Bewohnern weiter wächst und nicht schrumpft.

"Ein Abriss wurde nie diskutiert. Wir wissen, wie stark sich die Siedler mit ihrer Schule identifizieren."

HaWoGe-Geschäftsführerin Beate Grebe

Sanierung war gestern, Neubau ist morgen. In direkter Nachbarschaft der alten Schule soll auf der anderen Straßenseite auf einem etwa 9200 Quadratmeter großen städtischen Grundstück eine moderne Grundschule errichtet werden, in der auch die Kindertagesstätte "Bummi" mit einziehen soll, bestätigte Oberbürgermeister Andreas Henke. Nach ersten Schätzungen eine Investition in Höhe von etwa 5,4 Millionen Euro für den Neubau, für die Schulausstattung wären noch einmal etwa 200 000 Euro fällig. Stimmt der Stadtrat dem Projekt zu, könnte bereits im Frühjahr 2013 der erste Spatenstich für die neue Diesterweg-Grundschule vollzogen werden. Die Bauzeit wird auf 12 bis 15 Monate veranschlagt.

Angesichts der leeren Kassen der Stadt Halberstadt bleibt die Frage: Wer soll das bezahlen?

Mit dem Haushaltskonsolidierungskonzept, das bereits zu 50 Prozent umgesetzt ist, sei man auf einem guten Sparkurs, der der Stadt bereits ab 2014 wieder einen leichten Überschuss beschert, zeigt sich Andreas Henke optimistisch. Die Kommunalaufsicht stehe dem Investvorhaben ebenfalls aufgeschlossen gegenüber und die derzeit günstigen Kapitalmarktzinsen seien auch nicht unwichtig. Daher will man dem Stadtrat vorschlagen, dass die Kreisstadt die Finanzierung übernimmt. Außerdem will man Fördermittelanträge stellen. "Anders als bei den gescheiterten Sanierungsvorhaben, wollen wir den Neubau der Schule nicht von einer Bestätigung der Fördermittel abhängig machen", so Andreas Henke.

Obwohl der Schulneubau wesentlich teurer kommt als eine Sanierung, habe man sich bewusst dafür entschieden, unterstreichen Andreas Henke und Jens Klaus. "Selbst bei einer aufwendigen Sanierung könnten wir nicht den Standard eines Neubaus erreichen. Außerdem sichern wir mit dieser optimalen Lösung den Schulstandort in der Sargstedter Siedlung nachhaltig auf Jahrzehnte", sagt der Oberbürgermeister. Zumal die Schülerzahlen in diesem jungen Stadtteil bis 2034 sicher seien. Derzeit besuchen etwa 120 Mädchen und Jungen die Bildungseinrichtung.

Doch was geschieht mit der alten unter Denkmalschutz stehenden Diesterweg-Grundschule?

"Ein Abriss wurde nie diskutiert. Wir wissen wie stark sich die Siedler mit ihrer Schule identifizieren", betont Beate Grebe. Die HaWoGe übernimmt nach Fertigstellung der neuen Schule den Altbau und die leergezogene Kindertagesstätte. Nicht um den Leerstand zu verwalten, sondern zur Umsetzung eines eigenen Projektes "Neues Wohnen". Bedeutet, dass nach Sanierung und Umbau dort altersgerechtes Wohnungen entstehen. "Damit setzen wir ein ganzzeitliches Stadtteilkonzept für Jung und Alt um, das sich sehen lassen kann", so Beate Grebe. Die Geschäftsführerin weist aber auch darauf hin, dass diese Pläne nicht vor 2015 umzusetzen sind. Vorher investiert die HaWoGe ins Stadtzentrum, genauer gesagt in den Abriss der alten Plattenbauten in der Kühlinger Straße.