Dardesheim l „Bitte alle nochmal an die Gestik denken“, sagt Paul Beutel nach der wiederum mehr als zweistündigen Probe im Saal des Landgasthauses „Zum Adler“. Der Hessener Diakon ist der Regisseur, hat ein Theaterstück auf Dardesheim umgeschrieben. Was schon der Titel verrät: „Bombenstimmung unterm Windrad“.

Voriges Jahr gab es ein ähnliches Theaterprojekt bereits in Deersheim, gespielt von Deersheimern ebenfalls zum Ortsjubiläum. Auch von Paul Beutel geleitet, der in seiner früheren Tätigkeit in Berlin mit Jugendlichen auch Theaterarbeit geleistet hatte. Jetzt stehen 14 Dardesheimer auf der Bühne.

Gestik ist wichtig bei diesem Stück, denn es handelt sich um eine Slapstick-Komödie. Mit garantiert vielen Lachern aus dem Tun und Handeln der Darsteller heraus. Die haben das freilich nicht in die Wiege gelegt bekommen, sondern seit vergangenem September erarbeitet. Seitdem wird geprobt. Erst im Rathaus, dann in der Schweißerschule und nun im Adler-Saal. Die Kulisse steht schon auf der Bühne, sogar die über 250 Publikumsstühle sind bereits aufgereiht.

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Eine ganz andere Nummer

Veit Rabe ist eigentlich regelmäßig auf dieser Bühne. Als Musiker im Stadtorchester. Früher dessen Vereinsvorsitzender, ergriff er ab und zu auch das Wort. „Im Orchester ist man ja durch die Gruppe geschützt“, sagt er. Das Theaterstück ist für ihn auch daher eine ganze andere Nummer. „Den Text zu lernen ist schon eine Herausforderung, das hat ein Weilchen gedauert.“

Seine Texte sitzen jetzt. Aber es ist nur eine Probe ohne Publikum. „Das wird nochmal etwas Anderes, wenn die vielen Leute hier sitzen. Das wird aufregend.“ Die Schwierigkeit des Stückes sieht Veit Rabe darin, dass man als Darsteller nicht groß improvisieren könne. Weil alles, jeder Gag aufs Stichwort sitzen muss.

Drehbuch

Das Drehbuch mutet etwas chaotisch an. Insgesamt drei Mal sehen beziehungsweise hören die Zuschauer das gleiche Stück – über die Dardesheimer Geschichte. Bei der Probe, bei der Uraufführung (als Slapstick-Höhepunkt) und nochmal bei einer zweiten Aufführung. Die allerdings etwas danebengeht. Natürlich gewollt. Zwischen den Szenen sorgt eine Frieda für Verwicklungen, denn sie will ihren 80. Geburtstag im „Adler“ feiern, in dem eben aber auch die Aufführungen stattfinden.

Die Rolle der Frieda spielt Ingeburg Stoyan, die sogar schon mal in einem Theaterstück mitgewirkt hat. „Als Zwölfjährige an der Dardesheimer Schule.“ Damals spielte sie das Räubermädchen in der „Schneekönigin“. 1956 müsste das gewesen sein, fügt sie hinzu. „Mein Text jetzt ist aber nicht so lang.“

Viel zu lernen

Andere hatten mehr zu lernen. Zum Beispiel Bianca Rabe. „Im Auto spreche ich den Text vor mir her“, verriet sie ihr Lern-Geheimnis. Eine andere Darstellerin hat sich ihre gesprochene Rolle aufs Handy geladen und verinnerlicht sich diese beim Spazierengehen. Das gesamte Drehbuch umfasst immerhin 38 eng beschriebene A 4-Seiten. Voraussichtlich 80 Minuten wird das Stück dauern.

Ganz in Familie sind Daniela, Andreas und Tochter Josephine Künne dabei. Letztere ist auch die Jüngste im Ensemble. Theatererfahrung? Früher war sie mal beim Krippenspiel dabei. „Eigentlich“, sagt die 20-Jährige, „wollte ich nur im Hintergrund mitmachen.“ Also im Kartenverkauf oder auf der Bühne höchstens als Leiche. Aber die Betonung des Stücktitels liegt nicht auf „Bomben“ sondern „Stimmung“. Eine Leiche war also nicht zu besetzen. Nun ist sie froh, auf der Bühne mitzuspielen.

„Es ist eine ganz neue, interessante Erfahrung. Wir haben hier schon so viel gelacht“, stellt Marco Karste fest. Für eine ungeplante Slapstick-Einlage sorgt er auf dieser Probe selbst, als er sich auf der Bühne, statt wie geplant auf den Stuhl, auf eine leichte Requisitenkiste setzt – und mit ihr einbricht. Könnte man doch noch einbauen ins Stück. „Aber ob das nochmal so authentisch rüberkommt?“ Marco Karste muss selbst lachen und ist auch sonst in seiner Rolle eine besondere Zielscheibe bei den Lachern. Der Tischlermeister baute in seiner Werkstatt übrigens die Kulisse mit den vielen Türen. Die Kulisse besteht aus fünf Einzelteilen, die während der Aufführung vom Ensemble selbst umgedreht werden, weil ja eine Szene hinter der Bühne spielt.

Grundlagen

Josephine Künne berichtet, wie Paul Beutel ganz zum Anfang der Proben den Darstellern Grundlagen vermittelte. Damit man zum Beispiel die notwendige Bühnenlautstärke erreicht. Wenngleich Mikrofone und Lautsprecher das Gesprochene auch in die hinteren Zuschauerreihen tragen. Es ist schon fast 22 Uhr. Der Regisseur ist mit dieser Probe nicht unzufrieden, hat für jeden aber noch Hinweise. Arbeit bleibt aber auch jetzt noch bis zur Premiere. Nächste Woche wird noch zweimal geprobt.

Zwei Aufführungen wird es geben, am Sonnabend und Sonntag, 15. und 16. Juni, jeweils ab 19 Uhr. Karten sind im Vorverkauf im Geschäft von Michael Voigt, Lange Straße 115, erhältlich. Für den 28. September ist noch eine dritte Vorstellung geplant, dann im Nachbarort Zilly während des Erntedankfestes. Soviel sei zum Abschluss noch verraten: Auch das 1075-jährige Zilly kommt bei „Bombenstimmung unterm Windrad“ vor.