Halberstadt l Kein Bock mehr auf Land und deshalb jetzt die große Stadt? Angelika Zädow lacht, nein, das sei nicht der Grund für ihren Weggang aus dem Kirchenkreis Halberstadt. „Ich werde es sicher vermissen, ich komme ja vom Land, habe mit Meckenheim in der Voreifel eine Gemeinde mit vielen kleinen Ortschaften betreut“, sagt die scheidende Superintendentin. Und fügt an: „Kleine Orte gibt es rund um Potsdam ja auch.“ Dass es die 53-Jährige in die brandenburgische Hauptstadt zieht, sei ihrer Neugierde geschuldet, ihrem Drang, neue Herausforderungen zu suchen. „Stadtkirche ist neu für mich und in Potsdam ist ein Schwerpunkt die Umweltarbeit. Das hatte ich noch nie als Themenfeld, darauf freue ich mich.“ Die Arbeit mit Geflüchteten, die in Halberstadt schon wesentlich war, wird sie in Potsdam ebenso wahrnehmen können und hochkarätige Kirchenmusik gibt es auch an der Havel.

Sie geht mit Freude auf das Neue, aber auch mit Wehmut wegen dem, was sie hinter sich lassen wird. „Wo ich bin, bin ich gerne“, sagt Angelika Zädow, aber ein Wechsel sei gerade in Funktionen wie der der Superintendentin immer gut. Jeder Wechsel bringe neue Impulse, neue Schwerpunkte. „Ich bin nur eine Nase, die passt nicht allen und nicht für alle. Was ist mit denen, für die man eben nicht gut ist?“ Angelika Zädow ist da durchaus uneitel, der von Kirchenseite gern gesehene Wechsel alle zehn Jahre helfe eben auch, dass für jeden Mitarbeitertyp mal der richtige Chef dabei ist.

Entscheidungen dauern lange

Ihre Entscheidung, ihren auf zehn Jahre ausgelegten Vertrag nicht zu erfüllen, sondern schon nach achteinhalb Jahren zu gehen, sei dem Umstand geschuldet, dass Entscheidungen in Kirchenkreisen normalerweise sehr lange brauchen. „Deshalb habe ich mit meinen Mann schon vor gut anderthalb Jahren überlegt, ob wir nochmal was Neues wagen wollen und mich dann beworben. Dass ich die Stelle bekomme, war ja nicht gesagt. Im Gegenteil, ich war überrascht, dass das alles nun so schnell ging.“

Die Vakanz, die ihr Weggang ab September reißt, werden ihre beiden Stellvertreter Christoph Carsten und Sebastian Beutel füllen. „Bewerbungsverfahren dauern etwas. Da ist die Ausschreibung, dann werden Bewerber zur Probepredigt eingeladen, dann reifen die Entscheidungen für einen der Bewerber. Ich denke, dass im Frühjahr sicher ein neuer Superintendent für den Kirchenkreis gewählt werden kann.“

Mit nach Potsdam nimmt Angelika Zädow nicht nur ein paar handfeste Erinnungsstücke, sondern vor allem viele tolle Erfahrungen. Da war der neue Dachreiter auf dem Dom, das Jubiläum in Quedlinburg, der Bläsertag in Osterwieck, der neue Kirchturm für Eilenstedt, das Erlebnis, für eine Turmbesteigung in Deesdorf Ölzeug anziehen zu müssen, weil es dort so viele Tauben gibt. Auch der Sachsen-Anhalt-Tag in Wernigerode ist einer der Höhepunkte ihrer Amtszeit, an die sie sich gern erinnert. „Aber es gibt auch Dinge, die nicht gelungen sind“, wie sie zugibt. So ist es nicht gelungen, in Anlehnung an die gemischtkonfessionelle Tradition im Dom einen ökumenischen Friedenspreis auszuloben, es gelang nicht, die Sekundarschule in Hedersleben in christlicher Trägerschaft zu halten und auch der Verlust des Kirchenmusikalischen Seminars sei trotz allen Engagements nicht zu verhindern gewesen. Und dann wird der pragmatische, optimistische Blick, der Angelika Zädow ausmacht, spürbar. Man habe bei manchen Dingen aus der Not eine Tugend gemacht, neue Konzepte entwickelt – manche passen auf die Alltagsanforderungen sogar besser. Auch wenn Verwaltung zentraler gefasst werden muss, um kostengünstiger zu arbeiten, ist es wichtig, Angebote vor Ort zu haben, die die Menschen auch erreichen, sagt Zädow.

Alle Einrichtungen besucht

Solche Angebote halte zum Beispiel das Diakonische Werk vor, sie hat alle Einrichtungen besucht, schätzt, was die Miitarbeiter dort leisten. Überhaupt, die Wegbegleiter, die Mitarbeiter schätzt sie sehr. Kaum eine Erinnerung, in der sie nicht von den Akteuren schwärmt, von dem Engagement und dem Selbstverständnis, mit denen sich Menschen für ihre Gemeinde, ihre Kirche, ihre Arbeit einbringen. „Egal ob haupt- oder ehrenamtlich, jeder hat tolle Fähigkeiten. Das ist etwas sehr Wertvolles. Wenn alle zusammenstehen, kann sich Neues entwickeln, das macht ungeheuer Spaß“, sagt sie.

Offen zu sein für das, was sie umgibt, ist wichtig für die Pfarrerin, die viele Jahre in der Notfallseelsorge tätig war und wohl auch deshalb nach dem Zugunglück bei Hordorf den Medienrummel gut ausblenden und sich auf das Wesentliche konzentrieren konnte – dass den Opfern und Hinterbliebenen geholfen wird.

Der ökumenische Abschiedsgottesdienst für Angelika Zädow findet am morgigen Freitag, dem 24. August, um 17 Uhr im Dom zu Halbestadt statt. Hierzu und zum anschließenden Empfang im Kreuzgang des Domes sind alle willkommen, die der scheidenden Superintendentin Adieu sagen wollen.