Halberstadt/Emersleben l Die Stadtverwaltung hatte fürs Ordnungsamt im vergangenen Sommer einen rein elektrisch betriebenen Dienst-Pkw angeschafft. In Emersleben stimmte der Ortschaftsrat einem Vorschlag zu, das neue Fahrzeug für den Gemeindearbeiter ebenfalls als reines E-Auto anzuschaffen.

Mit einer Reichweite von 80 Kilometern pro Batterieladung sei das eine leise und umweltfreundliche Variante, sagte Hagen Godisch. Er sitzt für die Emerslebener Wählergemeinschaft im Ortschaftsrat und ist zugleich als Gemeindearbeiter tätig. Seine Erfahrungen beim Probefahren bezeichnete er als gut. „Für den Winterdienst behalten wir den Traktor, dafür kann das geplante neue Fahrzeug nicht umgerüstet werden“, berichtete Godisch während der jüngsten Ortschaftsratssitzung.

Zahl an E-Autos steigt langsam

Die Emerslebener liegen damit im Trend, die Zahl der zugelassenen E-Fahrzeuge steigt. Mit Stand 1. Februar 2020 sind insgesamt 160 Elektrofahrzeuge, bei einem Gesamtbestand von 173.321 Fahrzeugen, zugelassen, war von der Landkreisverwaltung Harz zu erfahren. Am 1. Juli 2019 waren es 117 reine Elektrofahrzeuge. Daneben gibt es noch 924 zugelassene Hybrid-Fahrzeuge in verschiedenen Kombinationen: Benzin/Elektro, Diesel/Elektro oder auch Flüssiggas/Elektro.

„Ohne Ladesäulen keine E-Autos, ohne E-Autos keine Ladesäulen, das eine bedingt das andere“, sagte Rainer Gerloff. Der Chef der Halberstadtwerke nahm am Hauptbahnhof gemeinsam mit Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) eine der neuen öffentlichen Ladesäulen in Betrieb, drei weitere sind im Stadtgebiet ebenfalls am Netz. Unterhalb der Peters­treppe, an der Kühlinger Straße und in der Voigtei stehen die markanten Säulen, an denen jeweils zwei Fahrzeuge gleichzeitig Strom „tanken“ können.

Langfristig 30 Ladesäulen

Dazu kommen, so Henke, noch die halböffentlichen Ladestationen in Autohäusern und vor Hotels, die von den jeweiligen Kunden beziehungsweise Gästen genutzt werden können. „Das Landeskonzept zur Entwicklung dieser Infrastruktur sieht für Halberstadt langfristig rund 30 Ladestationen vor, wir sind also kurz davor, das erste Drittel dieses Ziels erreicht zu haben.“

Im Landkreis Harz gibt es laut Internetseite goingelectric.de derzeit 35 öffentliche und halböffentliche Ladestationen. So sind für Wernigerode acht Stationen ausgewiesen, für Blankenburg vier, für Quedlinburg fünf und für Thale drei. Aber auch diese Zahlen werden steigen, wenn mehr Menschen den steuerlichen Anreizen des Bundes folgend, mehr E-Autos kaufen. Die müssen alle tanken. Also laden.

Wissenschaftliche Unterstützung

Die Auswahl der Standorte für die vier neuen Ladesäulen in Halberstadt sei nicht dem Zufall überlassen worden, berichtete Rainer Gerloff. Die Stadtwerke hatten einen wissenschaftlichen Dienstleister beauftragt, die besten Standorte zu ermitteln. „Da waren 700 Kriterien zu untersuchen“, sagte Henke, der qua Amt auch Aufsichtsratsvorsitzender der Halberstadtwerke ist. Einige der Kriterien waren zum Beispiel der Verkehrsfluss, die Anzahl der Parkflächen bis hin zur Frage, ob es Cafés und Geschäfte in der Nähe gibt. „Das Laden dauert eine gewisse Zeit, nur ein paar Minuten zu parken, ist da nicht effektiv“, so der Oberbürgermeister.

Wie schnell das Laden geht, hänge vom Batterietyp ab, aber in zwei bis zweieinhalb Stunden sollte eine derzeit übliche Batterie eines E-Autos voll aufgeladen sein, ergänzte Rainer Gerloff. Sein Team hatte zur offiziellen Inbetriebnahme ein stadtwerkeeigenes, rein elektrisch angetriebenes Fahrzeug mitgebracht. Wie viele davon es im Fuhrpark gibt, verriet Gerloff nicht. „Wir lassen gerade wissenschaftlich untersuchen, für welche Einsätze reine E-Fahrzeuge sinnvoll sind, für welche Gasfahrzeuge und wofür es konventionelle Antriebe braucht.“

Alternative Brennstoffzelle

Gerloff sieht, wie Henke, die Zukunft der Mobilität in Deutschland nicht allein bei reiner E-Mobility mit Batterie-Antrieb. „Es wird einen Mix verschiedener Antriebsarten geben, schon allein, weil die Batterieherstellung in der Gesamtbilanz nicht gerade umweltfreundlich ist“, sagte Henke. Und auch Gerloff sieht zum Beispiel in der Brennstoffzellentechnik durchaus eine lukrative Alternative.

Doch die Technik ist noch nicht massenhaft verfügbar, anders als der Batterieantrieb. Damit das Laden unkompliziert vonstatten geht, haben die Stadtwerke sich einem deutschlandweiten Netzwerk angeschlossen. Man kann spontan laden, indem man den QR-Code auf sein Handy lädt, man kann mit jeder anderen Ladekarte Strom tanken und auch mit der ab März erhältlichen Ladekarte der Halberstadtwerke. „Die ist dann zugleich die Blaue Karte, damit man nicht zwei Karten im Portemonnaie haben muss“, sagte Unternehmenssprecher Sebastian Hübner mit einem Augenwzinkern.