Halberstadt l 1995 zog das Historische Archiv der Stadt in den neuen Anbau des Gleimhauses ein. Trotzdem suchten am Sonnabend einige Neugierige die Einrichtung am alten Standort im Petershof. „Das ist ein Grund mehr, auf uns aufmerksam zu machen“, meint Archivleiterin Franziska Schumacher, die mit ihrem Kollegen Robert Pilz am Archivtag über 90 Besucher durch die Räume führte und ihnen Dokumente und Archivalien-Gattungen (Akten, Karten, Pläne, Zeitungen, Fotos) präsentierte.

Projekte, die nie realisiert wurden

Im Magazin gab es eine kleine Auswahl einzigartiger Schriftdokumente zu sehen. Darunter befanden sich unter anderem eine der ältesten Urkunden aus dem Jahr 1367, eine typische Akte aus dem Magistratsbestand aus dem 19. Jahrhundert und Halberstädter Notgeld aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Die Besucher staunten über die Pläne für eine Huybahn, die die Stadt mit den Dörfern verbinden sollte und eine Hafenanlage an der Holtemme – zwei Projekte, die nie realisiert wurden.

Im Magazin und in der ergänzenden Ausstellung erfuhren die Besucher viel über das Sammeln, Bewahren und Zugänglich machen des Archivgutes. Sie bekamen einen Einblick in den Arbeitsalltag der Mitarbeiter beim Umgang mit dem Archivmaterial, der Behandlung, Sicherung und fachgerechten Lagerung in Mappen, Kartonagen und Regalen bei konstantem Klima in den Räumen. In Halberstadt lagern immerhin rund 1000 laufende Meter. Archivalien, darunter viele Akten, rund 1000 Urkunden, 5900 Karten, Pläne und Risse, 25 000 Fotos sowie eine umfangreiche Zeitungssammlung und eine 10 000-bändige Archivbibliothek. Als ein Teil des Kulturgutes haben diese Schätze große Bedeutung für die Erforschung der Vergangenheit und für das Verständnis der Gegenwart.

Bilder

Viele Ahnenforscher nutzen Fundus

Nicht nur Halberstädter nutzen die Möglichkeit, im Historischen Archiv Einsicht in Unterlagen zu nehmen oder sich Informationen zukommen zu lassen, weiß Franziska Schumacher. Sie spricht von einer großen Anzahl Personen, die sich unter anderem mit Stadtgeschichte oder Ahnenforschung beschäftigen und sich aus diesen Gründen in jedem Jahr per Post, Mail oder Telefon melden. In den meisten Fällen könne geholfen werden.

Digitalisierung vereinfacht Recherche

Als sehr hilfreich bei den Nachforschungen erweise sich die inzwischen umfangreiche Digitalisierung historischer Dokumente und Akten. Dadurch würden nicht nur die Originale geschützt – dank moderner Technik sei der Zugriff auf Informationen schneller möglich. Zum Beispiel könnten Zeitungen, Urkunden und Adressbücher am PC-Arbeitsplatz angeschaut und bei Bedarf Seiten ausgedruckt werden.

Wer Nachforschungen betreiben möchte, sollte sich an die Mitarbeiter wenden, einen Benutzungsantrag ausfüllen, in dem er unter anderem das Thema benennt. Anschließend bekommt er die entsprechenden Auskünfte und bei Bedarf einen Nutzungstermin am begehrten PC-Arbeitsplatz.

Rotary-Club übergibt Material

Wie neue Dokumente aus Privathand in die Sammlung gelangen, konnten Besucher am Archivtag selbst erleben. Am Vormittag übergab der erste Präsident des Halberstädter Rotary-Clubs die Gründungsdokumente des Clubs aus der Zeit zwischen 1989 und den 1990er Jahren in städtische Obhut. Joachim Schiemann verwies auf unzählige Schreibmaschinenseiten und handgeschriebene Karten und Briefe, die mit der vom Rotary-Club Wolfsburg initiierten Gründung eines Pendants in der Partnerstadt Halberstadt verbunden sind.

Museumsdirektorin Antje Gornig bezeichnete das Material als einen großen Schatz und die Übergabe als besonderen Vertrauensbeweis in die Facharbeit des städtischen Archivs.