Halberstadt l Die Schrebergärtner in der Kleingartenanlage Am Goldbach im Süden Halberstadts fühlen sich auf ihren grünen Parzellen wohl. Ein Investor wollte die Idylle zu Füßen der Spiegelsberge zerstören. Nach Auskunft der Stadtverwaltung Halberstadt sollte die Gartenanlage kurzerhand in ein Einfamilienhaus-Baugebiet umgewandelt werden.

Mit der Problematik beschäftigten sich in der vergangenen Woche die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses. Im Oktober 2018 sei bei der Stadtverwaltung ein Antrag auf Herstellung des Baurechts eingegangen, bestätigte Siegrun Ruprecht vom Bereich Stadtplanung. Das sei ein übliches Verfahren, wenn, wie in diesem Fall, die Stadt Halberstadt nicht Eigentümerin des potenziellen Baulandes ist. Es befinde sich in Privatbesitz.

Investor überrascht Kleingärtner

Hannelore Grope, die Vorsitzende der Kleingartenanlage Am Goldbach, ist daraufhin aus allen Wolken gefallen. „Wir sind nicht darüber informiert, dass ein Investor vorhat, den Grund und Boden unserer Kleingartenanlage zu kaufen und uns damit praktisch vor die Tür ­setzen will“, berichtet sie. Nach ihren Angaben würden die Pachtverträge zur Nutzung der Schollen nicht auslaufen. Für sie sei es ein absolutes Rätsel, dass da jemand beabsichtigt, ihr Gartenland zu kaufen, um Einfamilienhäuser zu errichten, und die, die es ­direkt betrifft, davon nichts wüssten.

Bangen und Hoffen im Harz

Harsleben/Derenburg/Wernigerode (dt) l Am Tag nach der Hochwasser-Situation bleibt die Lage in Harsleben bei Halberstadt weiter kritisch. Währenddessen beginnen vierlerorts im Harz, zum Beispiel in Derenburg und Wernigerode, die Aufräumarbeiten nach der Katastrophe.

  • In Harsleben sind beim Hochwasser des Goldbaches Schlauchboote im Einsatz. Foto: Dennis Lotzmann

    In Harsleben sind beim Hochwasser des Goldbaches Schlauchboote im Einsatz. Foto: Dennis Lotzmann

  • Den Einwohnern von Harsleben steht das Wasser bis zur Hüfte. Foto: Dennis Lotzmann

    Den Einwohnern von Harsleben steht das Wasser bis zur Hüfte. Foto: Dennis Lotzmann

  • Der Goldbach überflutet am Donnerstag ganze Grundstücke in Harsleben bei Halberstadt. Foto: Dennis Lotzmann

    Der Goldbach überflutet am Donnerstag ganze Grundstücke in Harsleben bei Halberstadt. F...

  • Einsatzbesprechung in Harsleben mit Gemeindechefin Christel Bischoff (Mitte) und Feuerwehrleuten. Foto: Dennis Lotzmann

    Einsatzbesprechung in Harsleben mit Gemeindechefin Christel Bischoff (Mitte) und Feuerwehrleuten....

  • Dieser Junge beteiligt sich bei den Aufräumarbeiten in Derenburg. Foto: Matthias Strauß

    Dieser Junge beteiligt sich bei den Aufräumarbeiten in Derenburg. Foto: Matthias Strauß

  • Nach dem Dauerregen und dem folgenden Hochwasser im Harz sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange - so wie in Derenburg. Foto: Matthias Strauß

    Nach dem Dauerregen und dem folgenden Hochwasser im Harz sind die Aufräumarbeiten in vollem ...

  • Erst befüllen und dann wieder entladen: Helfer und THW holen den Sand aus den Säcken. Foto: Matthias Strauß

    Erst befüllen und dann wieder entladen: Helfer und THW holen den Sand aus den Säcken. F...

  • In Harsleben musste am Donnerstag noch geschippt werden. Foto: Dennis Lotzmann

    In Harsleben musste am Donnerstag noch geschippt werden. Foto: Dennis Lotzmann

  • Helfer reichen am Donnerstag in Langenstein (Sachsen-Anhalt)  mithilfe einer Menschenkette Sandsäcke weiter. In dem Ort droht ein Hang abzurutschen. Die Sandsäcke sollen den Hang beschweren und stabilisieren. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

    Helfer reichen am Donnerstag in Langenstein (Sachsen-Anhalt) mithilfe einer Menschenkette Sands&...

  • Etwas hilflos aber mit viel Zusammenhalt kämpfen die Menschen am Donnerstag gemeinsam gegen das Hochwasser in Harsleben. Foto: Dennis Lotzmann

    Etwas hilflos aber mit viel Zusammenhalt kämpfen die Menschen am Donnerstag gemeinsam gegen ...

  • Die Wassermassen drückten durch den Hang an der Dorfstraße. Mit Sandsäcken haben Feuerwehrleute und Helfer den Hang und die dortigen Wohnhäuser gesichert. Es besteht die Gefahr, dass der Hang abrutscht. Foto: Jörg Endries

    Die Wassermassen drückten durch den Hang an der Dorfstraße. Mit Sandsäcken haben F...

  • Mensch und Tier mussten am Donnerstag in Harsleben in Sicherheit gebracht werden. Foto: Dennis Lotzmann

    Mensch und Tier mussten am Donnerstag in Harsleben in Sicherheit gebracht werden. Foto: Dennis Lo...

  • Helfer vom THW bringen Sandsäcke zu den Häusern, um das Wasser vorm in die Häuser laufen zu stützen. Foto: Regine Glaß

    Helfer vom THW bringen Sandsäcke zu den Häusern, um das Wasser vorm in die Häuser ...

  • Mitarbeiter der Feuerwehr stellt Straßenschild wieder auf. Foto: Regine Glaß

    Mitarbeiter der Feuerwehr stellt Straßenschild wieder auf. Foto: Regine Glaß

  • Helfer schleppen Sandsäcke durch die Innenstadt. Foto: Regine Glaß

    Helfer schleppen Sandsäcke durch die Innenstadt. Foto: Regine Glaß

  • Nach dem Hochwasser in Wernigerode: Wassermassen haben in der Holtemme ein Wehr samt Fischtreppe weggerissen, auf der Straße Insel klafft ein riesiges Loch, die Stützmauer hat sich gesenkt. Foto: Regina Urbat

    Nach dem Hochwasser in Wernigerode: Wassermassen haben in der Holtemme ein Wehr samt Fischtreppe ...

  • Hubschraubereinsatz der Bundeswehr laden BigBags in Silstedt ab um einen Deich zu stabilisieren. Foto: Matthias Bein

    Hubschraubereinsatz der Bundeswehr laden BigBags in Silstedt ab um einen Deich zu stabilisieren. ...

  • Aufräumen nach der Flut in Wernigerode. Foto: Uta Müller

    Aufräumen nach der Flut in Wernigerode. Foto: Uta Müller

  • Gemeinsames Aufräumen nach der der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

    Gemeinsames Aufräumen nach der der Flut in Wernigerode: Foto: Uta Müller

  • In Harsleben steht nach dem Hochwasser des Goldbaches immer noch Wasser in den Straßen. Foto: Matthias Strauß

    In Harsleben steht nach dem Hochwasser des Goldbaches immer noch Wasser in den Straßen. Foto...

„Zumal unsere Anlage gut ausgelastet ist.“ Der Vorstand des Kleingartenvereins müsse sich zwar mit dem Problem verwaister Gärten beschäftigen. Die Zahl der ungenutzen Parzellen sei aber mit eine Quote von unter zehn Prozent im Vergleich zu anderen Gartenanlagen nicht dramatisch. Nach Information von Hannelore Grope gibt es in der 1912 gegründeten Kleingartenanlage insgesamt 56 Parzellen, von denen nur fünf nicht belegt sind.

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Siegrun Ruprecht klärt auf, warum die Stadt die Kleingärtner nicht über die Absicht des Investors unterrichtet habe. „Wir wollten nicht unnötig für Unruhe sorgen. Zumal die Stadtverwaltung Halberstadt dem Ansinnen des Investor die Zustimmung versagen wollte – also für das Projekt kein Baurecht erteilen will.“ Dazu lag dem Stadtentwicklungsausschuss in der vergangenen Woche ein entsprechender Beschluss vor.

Gärten am Goldbach standen 2017 unter Wasser

Danach spielen mehrere Faktoren eine Rolle, warum die Stadt dem Projekt nicht ihren Segen erteilt. Zum einen sei die Tatsache nicht zu vernachlässigen, dass das Gebiet zu einem Drittel der Fläche im hochwassergefährdeten Bereich des Goldbachs liegt. Dramatische Bilder lieferte zuletzt das Hochwasser im Sommer 2017. Viele Gartenparzellen standen damals unter Wasser, der Schaden war immens.

Außerdem würde das Vorhaben das integrierte Stadtentwicklungskonzept ­torpedieren. Das lege nämlich fest, die Innenstadt-Entwicklung zu stärken und die ­Ortsteile zu erhalten. Das Wachsen der Kreisstadt an den Rändern und darüber hinaus wird hingegen seit vielen Jahren nicht mehr unterstützt. Ein neues Wohngebiet auf dem Areal der Kleingartenanlage würde sich nicht in den Bebauungszusammenhang der Stadt einfügen. „Es entstünde eine Splittersiedlung mit den negativen Begleiterscheinungen einer ineffektiven Infrastruktur“, argumentiert die Verwaltung.

Unter Schutz des Bundeskleingartengesetzes

Das nächst gelegene Wohngebiet würde sich erst etwa 360 Meter entfernt befinden, zum nur 80 Meter entfernten Wohngebiet Sonntagsfeld würde es baulich keine Verbindung geben und der Goldbach eine natürliche Abgrenzung ziehen. Nicht zu vernachlässigen sei ferner, dass die Anlage in einem als Erholungsgebiet geeigneten Bereich der Stadt liegt und daher den hohen Schutz des Bundeskleingartengesetzes genießt.

Der Stadtentwicklungsausschuss folgte dieser Argumentation und sprach sich einstimmig gegen das Projekt aus. Der Beschluss gilt und muss nicht vom Stadtrat bestätigt werden. Hannelore Grope begrüßt diese Entscheidung.