Halberstadt l Der Wasserturm an der B 81 in Halberstadt steht zum Verkauf. Wieder. Vor zehn Jahren hatte Thomas Schwarz den markanten Turm am Ortseingang der Stadt aus Richtung Osten erworben. „Damit er nicht nicht weiter verfällt“, sagt Schwarz. Inzwischen hat er mehr als 30.000 Euro in die Sanierung gesteckt. Warum gibt er ihn dann ab?

„Ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder nach Nutzungskonzepten gesucht. Jetzt ist es Zeit für jemanden mit neuen Ideen“, sagt der Versicherungsfachmann. Des Öfteren hatten sich Interessenten bei ihm gemeldet, die den Turm sehen wollten, aber handfeste Ideen bot aus seiner Sicht niemand.

Kugel als Werbeträger

Er selbst, erzählt Schwarz, könnte sich vorstellen, dass ein Dienstleister den Turm für sich nutzt. Das Areal rund um den roten Backsteinbau sei groß genug, um einen Kundenparkplatz zu schaffen und im Erdgeschoss sei Platz für Büros. „Steuerkanzlei, Rechtsanwalt oder ein Architekt, der sich mit diesem Denkmal selbst ein Denkmal schafft, alles das hätte ich mir vorstellen können. Und wenn wir nicht schon ein eigenes Objekt besitzen würden als Agentur, wären wir mit Sicherheit umgezogen“, so Schwarz. Stattdessen nutzte er die große Kugel als Werbeträger.

Hoffnung auf neue Ideen

Die Idee einer besonderen Gaststätte oben im Turm hätte auch großen Charme, sagt Schwarz, „aber dann muss für einen zweiten Rettungsweg aus dem 34 Meter hohen Turm gesorgt werden“. Das könnte über Rutschen wie bei einem Flugzeug funktionieren, technisch sei das kein Problem, finanziell echt eine Herausforderung.

Auktion im September

Nun also die Hoffnung auf andere Ideen oder jemanden mit ernsten Absichten. Leicht sei ihm der Verkaufsentschluss nicht gefallen. Den Weg der Versteigerung habe er gewählt, weil das Auktionshaus in Berlin ein seriöses sei und bundesweit aktiv. „Viele verwechseln ja Versteigerung mit einer Zwangsversteigerung. Ich hatte schon Anrufe von Kollegen, die fragten, ob sie sich Sorgen machen müssten“, erzählt Thomas Schwarz und muss grinsen. Er konnte die Anrufer beruhigen, er muss das Bauwerk nicht „verramschen“. Das Mindestgebot liegt bei 19.000 Euro, Auktionstermin ist der 21. September.

Wer dann den Zuschlag erhält, sei völlig offen. „Ich habe ein bisschen ein schlechtes Gewissen“, sagt Schwarz, „weil ich nicht weiß, an wen der Turm geht. Ich hätte ihn lieber in städtischen Händen gesehen.“ Doch Bemühungen in diese Richtung scheiterten – sowohl bei der Nosa, der HaWoGe als auch bei den Stadtwerken.

Turm ist gesichert

Dass der Turm steht und gesichert ist, erfüllt ihn mit Stolz, Freunde und Partner hätten ihm dabei geholfen. Schwarz erinnert an die Reparatur der Umfahrungsleitern und die Restaurierung der Laterne, also der Glas-Stahl-Konstruktion oben auf der Kugel. „Als wir sie runtergenommen haben, wog sie knapp 600 Kilogramm. Nachdem die Firma Strüma in Wegeleben sie aufgearbeitet hatte, hingen 1,1 Tonnen am Kranhaken der Firma Schäfer“, berichtet der Turmliebhaber. Durch die Sanierung habe weiteres Eindringen von Wasser in die Kugel und das Mauerwerk verhindert werden können.

Dreckschaufeln am Anfang

„Los ging die Turmrettung ja mit der Entrümpelung“, erinnert Thomas Schwarz. Heiko Fehnle habe erstmal einen Kubikmeter Taubendreck aus dem Turm geschaufelt, entrümpelt, die im Mauerwerk wachsenden Birken beseitigt und die Fenster im Erdgeschoss zugemauert – Vandalenschutz. Jens Harder half bei Transportarbeiten, Christian Papendieck legte den Elektroanschluss und kümmerte sich um die Weihnachtsbeleuchtung am Turm. Steffen Schroth half mit einer Hebebühne, die nicht nur bis in 34 Meter hinaufreicht und einiges an Last tragen kann. „Dadurch konnten wir die Wartungsarbeiten am Turm erledigen.“

Auf eines hofft Schwarz: dass der Schriftzug „Halberstadt Tor zum Harz“ zur Straßenseite hin erhalten bleibt. Den hatte er anbringen lassen, damit nicht nur Bahnreisende begrüßt werden, die nach Halberstadt kommen.