Halberstadt l Die Luft ist mit Staub und Dreck angefüllt und nimmt einem den Atem. Handwerker tragen Atemschutzgeräte, um im Dachgeschoss der Kindertagesstätte "Regenbogen" im Weingarten in Halberstadt überhaupt arbeiten zu können. Alte Mauern werden eingerissen, vor allem aber müssen Unmengen von zerbröseltem Dämmstoff für die Entsorgung in Säcke verpackt werden. Jeder Handgriff wirbelt neue Staubwolken auf. Eine Etage darunter ist alles wie immer - Kinder spielen, singen und schreien. Die aufwendige Sanierung des Daches geschieht bei laufendem Kita-Betrieb.

"Die Baustelle ist mit einer Staubtür geschützt, sodass Kinder und Erzieherinnen im Erdgeschoss nichts abbekommen. Der Lärm ist leider nicht draußen zu halten", erklärt Jörg Wolansky, Baufachmann der Stadtverwaltung Halberstadt. Allerdings hätten sich im Vorfeld der Arbeiten die Eltern für einen Verbleib ihrer Kinder in der Einrichtung ausgesprochen.

Marder haben Dämmung zerstört

Marder haben die Dämmung des aus den 1970er Jahren stammenden Gebäudes total zerstört. "Auf das Material aus DDR-Zeiten haben die Tiere keinen Appetit gehabt", stellt Jörg Wolansky erstaunt fest. Aus hygienischen und auch technischen Gründen sei der Zustand in den Dachräumen nicht mehr haltbar gewesen. Zumal dort 18 der insgesamt 75 Mädchen und Jungen der Kindertagesstätte untergebracht sind, so Jörg Wolansky. Für die Dauer der Bauarbeiten, die mit drei Monaten veranschlagt sind, sind 13 Kinder in die städtische Kita "Sonnenschein" umgezogen.

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Bereits vor zwei Jahren sei die Sanierung der Kindertagesstätte in den städtischen Haushalt eingestellt worden. "2017, als wir noch annahmen einen Etat mit einer schwarzen Null zu haben, gab es schließlich grünes Licht für das Vorhaben. Jetzt konnten wir beginnen", informiert Jörg Wolansky. Etwa 220.000 Euro stellt die Kommune für die Arbeiten aus dem Etat zur Verfügung. Gefördert wird das Projekt bislang nicht.

Einbau zusätzlicher Fenster

"Die Marder konnten eindringen, weil es keine ­Holzschalung gab", berichtet die betreuende Architektin Ursel Hülsdell vom Büro Hülsdell & Hallegger aus Halberstadt. Die Tiere hätten sich durch die Isolierplane gefressen, die zwischen Dachziegel und Dachkonstruktion angebracht ist, und dann das Dämm-Material in kleinste Bestandteile zerlegt. "Damit war die Luftzirkulation im Dachgeschoss nicht mehr gewährleistet. Feuchtigkeit kann entstehen und das Holz angreifen." Um ein erneutes Eindringen der Marder zu verhindern, bekommt das Dach jetzt eine Holzschalung. Außerdem erhält die kleine Sporthalle, die es im Dachgeschoss gibt, zusätzliche Dachfenster. "Damit kommt mehr Licht in den Raum", sagt Ursel Hülsdell.

In diesem Jahr sei kein weiteres Sanierungsvorhaben in den 14 städtischen Kitas und drei Horten vorgesehen, in denen 1626 Mädchen und Jungen betreut werden, informiert Bonny Hupe, Sprecherin der Stadtverwaltung.

2018 keine weitere Kita-Sanierung geplant

Laut dem vor knapp einem Jahr vom Stadtrat beschlossenen Inte­grierten Stadtentwicklungskonzept ist die Sanierung der Kitas Waldblick I und II in den Jahren 2019/2020 geplant. Die Invest-Summe beläuft sich auf 1,75 Millionen Euro. Das Gros der Summe soll aus Fördermitteln generiert werden.