Eigenheime

Brache in Halberstadt wird Wohngebiet

Seit 30 Jahren liegt das Areal des ehemaligen Kraftverkehrs in Halberstadt brach. Nun will ein Investor neue Eigenheime errichten.

Halberstadt l Im Dornröschenschlaf befand sich über Jahrzehnte das 39.000 Quadratmeter große ehemalige Betriebsgelände des VEB Kraftverkehr in Halberstadts Südstraße. Ein Investor will die alte Industriebrache für den Eigenheimbau erschließen. Mit dem dafür erforderlichen Bebauungsplan (B-Plan) beschäftigte sich nun der Stadtentwicklungsausschuss.

Baugrundstücke für die Verwirklichung des Traums von den eigenen vier Wänden sind in der Kreisstadt mittlerweile knapp. Das letzte städtische Baugebiet, das Sonntagsfeld zu Füßen der Spiegelsberge, ist mittlerweile voll ausgereizt. Jetzt aktiviert ein privater Investor einen alten Plan, auf dem verwaisten Kraftverkehr-Gelände ein neues Wohngebiet zu erschließen. „Aufgrund der hohen Pendlerrate der Arbeitnehmer in Sachsen-Anhalt und in der Kreisstadt, ist die nahe Lage zur B 81 eine bevorzugte Lage“, heißt es im Entwurf des B-Plans. Laut Planungsunterlagen sollen auf der 3,9 Hektar umfassenden Fläche etwa 53 Wohngrundstücke mit Größen von etwa 500 bis 800 Quadratmetern entstehen.

Aufgrund der Lage des Baugebietes und der dort im Umfeld vorhandenen Bebauung sollen die neuen Eigenheime in drei verschiedenen Höhen errichtet werden. Der Plan setzt im Norden des Areals in der ersten Reihe eine zwei- bis dreigeschossige Bebauung fest. „Aus städtebaulichen Gründen soll hier eine höhere Baumasse angestrebt werden, die sich am Bestand in der Südstraße orientiert und von der Einfamilienhausbebauung abhebt. Dabei ist durchaus auch eine aufgelockerte Stellung der Gebäude möglich“, heißt es im Planungspapier.

Im Süden des Baulandes soll als Übergang ebenfalls die erste Reihe zwingend als zweigeschossig ausgeführt werden. An der Ost- und Westgrenze soll hingegen wegen der nicht bebauten Nachbarflächen eine eingeschossige Bebauung erfolgen, die restliche im Inneren des Gebietes hingegen flexibel als ein- und zweigeschossige Gebäude.

Für kontroverse Diskussionen sorgte das Bauvorhaben „Südstraße-Musikerviertel“ schon einmal vor mittlerweile acht Jahren. Damals stritten die Halberstädter Stadträte angesichts sinkender Einwohnerzahlen über die Notwendigkeit des neuen Wohngebietes. Ein Abgeordneter wies damals daraufhin, dass in der Kernstadt nur noch 36 000 Menschen leben, Tendenz sinkend. Anderenorts werde in der Stadt abgerissen, weil so viel Leerstand herrsche, und an der Südstraße wolle man ohne Not neu bauen. Mit knapper Mehrheit segneten damals der Stadtentwicklungsausschuss und letztendlich der Stadtrat das Projekt ab.

Die Befürchtungen von damals, dass die Kreisstadt weiter schrumpfen würde, sind inzwischen bittere Realität. Mittlerweile sank die Einwohnerzahl der Kernstadt auf 33.483 (Stand 31.12.2020).

Der Investor – damals war das die Ostharzer Volksbank Quedlinburg, die später zur Harzer Volksbank fusionierte – legte sein Projekt lange Zeit auf Eis. Vor einigen Jahren informierte das Kreditinstitut auf Volksstimme-Nachfrage, dass die Pläne erst bei Bedarf aktiviert werden. Marktwirtschaft eben – die Nachfrage nach Baugrundstücken ist derzeit in der Kreisstadt ungebrochen groß und die Chance auf eine schnelle Vermarktung sehr gut. Immerhin würde es bereits 20 Reservierungen von potenziellen Baugrundstücken zwischen der Süd- und der Mozartstraße geben, heißt es in den Unterlagen, die dem Stadtentwicklungsausschuss vorliegen.

Die Harzer Volksbank habe sich mittlerweile vom Projekt verabschiedet und das Areal verkauft, informierte Sprecherin Stephanie Zutz.

Das Areal nutzte bis zur politischen Wende im Herbst 1989 der VEB Kraftverkehr. Danach erwarb es ein privater Investor. 1990 erfolgte eine geologische Untersuchung des Geländes und eine Gefährdungsabschätzung. Mitte der 1990er Jahre wurde das Gelände von den Altlasten befreit. 2009 entfernte man alle ober- und unterirdischen Bauwerke. Die Untere Bodenschutzbehörde des Landkreises Harz begleitete und dokumentierte diese Arbeiten, heißt es im Entwurf des B-Planes.

Die Brache gilt als Kampfmittelverdachtsfläche. Die Chance, immer noch Bomben und andere Munition aus dem Zweiten Weltkrieg zu finden, sei laut Unterlagen unwahrscheinlich. Um dieses Risiko jedoch völlig auszuschließen, werden Pläne der einst vorhandenen Gebäude mit der aktuellen Planung verglichen. Flächen, die durch den Rückbau nicht betroffen waren, und im B-Plan als öffentliche Fläche dargestellt sind, sollen im Auftrag des Investors durch eine autorisierte Firma geprüft werden. Die privaten Baugrundstücke müssen hingegen die Häuslebauer vor Baubeginn durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst prüfen lassen.

Der Stadtentwicklungsausschuss segnete den Entwurf- und Auslegungsbeschluss für die Wiederbebauung des ehemaligen Kraftverkehrsgeländes einstimmig ab.

Nur einen Steinwurf von der Südstraße entfernt will die Stadt Halberstadt ein weiteres eigenes Gebiet für den Eigenheimbau erschließen und vermarkten. Südlich der Beethovenstraße soll auf einer Brachfläche Platz für 15 bis 20 Einfamilienhäuser geschaffen werden. Dafür legte die Verwaltung dem Stadtentwicklungsausschuss den Aufstellungsbeschluss für einen B-Plan vor, den die Abgeordneten ebenfalls einstimmig beschlossen.

Den Bedarf an städtischen Baugrundstücken schätzt die Stadt in den kommenden fünf bis sieben Jahren auf 30 bis 40 ein.