Halberstadt l Konzentriert schieben fünf Männer eine raumhohe Holzwand ein paar Millimeter weiter, dann erst lässt der Kranführer die Wand ganz nach unten. Die genaue Position ist getroffen, die Holzkonstruktion kann vom Haken. Wenig später schwebt die nächste Holzrahmenbauwand von oben herab. „Heute Nachmittag ist dann auch der Dachstuhl drauf“, sagt Torsten Müller. Um sechs Uhr am Morgen ist der Zimmerei-Chef mit sieben Mitarbeitern von Neudorf, einem Ortsteil Harzgerodes, nach Halberstadt gefahren, um hier eine am Montag begonnene Arbeit fortzusetzen. Die Männer verpassen dem CIR eine zusätzliche Etage.

Wieder hören lernen in Halberstadt

Die drei Buchstaben CIR stehen für Cochlear-Implant-Rehabilitationszentrum, das in Halberstadt seit 1993 Anlaufpunkt in Sachsen-Anhalt für hörgeschädigte Menschen ist, die mit einer Innenohrprothese (Cochlea-Implantat) operativ versorgt wurden. Zunächst im Räumen des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte untergebracht, war rasch klar, es muss ein eigenes Gebäude her. Und so wurde 1997/1998 neben dem Diakonissen-Mutterhaus Cecilienstift gebaut. Der Zweigeschosser bot zehn Therapieplätze und Unterkünfte für die Rehabilitanden.

Deren Zahl ist den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. „Wir haben versucht, aus dem vorhandenem Platz das Bestmögliche zu machen“, sagt Holger Thiele, Vorstand des Cecilienstifts. Aber bei manchmal 22 bis 23 Rehabilitanden in einer Woche reichen auch die durchs Zusammenrücken geschaffen 14 Therapieplätze längst nicht mehr aus. Also reifte der Plan baulicher Veränderungen. Weil ein kompletter Neubau reizvoll war, aber viel zu teuer geworden wäre, sollte das Dachgeschoss ausgebaut werden. Doch das war zu niedrig für die geplante Nutzung. Deshalb wird auf dem CIR-Gebäude eine dritte Etage errichtet.

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Neue Etage für Cecilienstift

580 Quadratmeter Außenwände und 970 Quadratmeter Innenwände sind in der Harzgeröder Zimmerei von Torsten Müller vorgefertigt worden, ebenso ein neuer Dachstuhl für das asymmetrisch t-förmige Haus. Alles in allem, schätzt Torsten Müller, ist seine Firma anderthalb Monate mit dem Auftrag fürs Cecilienstift beschäftigt. Die kürzeste Zeit ist die vor Ort in Halberstadt.

„Wir haben mit unserem Planungsbüro die sinnvollste Lösung gesucht, Und es war schnell klar, dass möglichst viel vorgefertigt werden sollte, damit wir nur kurze Zeit ohne Dach sind und auch die Beeinträchtigungen hier auf dem Gelände möglichst minimiert werden“, sagt Holger Thiele. Und ergänzt, dass man eigentlich schon im Mai beginnen wollte. Doch die Baufirmen haben alle volle Auftragsbücher, also fiel der eigentliche Baustart in den August.

20 Therapieplätze in Halberstadt

Das Dach soll aber vor Beginn der schlechten Witterung wieder geschlossen sein, sodass der Innenausbau unbehelligt von Wind und Regen vonstatten geht. Mit der Fertigstellung des rund eine Million Euro kostenden Bauvorhabens rechnet Thiele im kommenden Frühjahr. Dann gibt es im CIR Halberstadt 20 Therapieplätze für Menschen, die ein CI tragen. Neben Kindern sind dass inzwischen vor allem Erwachsene.

Thiele ist dankbar, dass sowohl die 14 festangestellen Mitarbeiter und vier Honorarkräfte die Bauphase so gut es geht zu überbrücken versuchen. So musste in einige andere Häuser des Cecilienstifts ausgewichen werden, „aber alle tragen es mit“, sagt Thiele, „auch die Rehabilitanden haben Verständnis.“

Wenn die komplett aus eigener Kraft finanzierte Erweiterung der Therapieplätze – in den Kostenbeiträgen der Kassen sind kleine Investi­tionspauschalen enthalten, die das Vorhaben langfristig refinanzieren – sollen noch sechs neue Wohneinheiten für die Rehabilitanden entstehen, im Haus Wernigeröder Straße 4. „Das“, sagt Thiele, „ ist der zweite Bauabschnitt.“