Landtagswahl

Christian Hecht von der AfD ist in Halberstädter Heimat angekommen

Bei der Landtagswahl kämpfen am 6. Juni im Wahlkreis 14 (Halberstadt) neun Direktkandidaten um die Gunst der Wähler. Die Volksstimme stellt Kandidaten und ihre Ziele vor – heute: Christian Hecht (AfD).

Von Jörg Endries
Christian Hecht vor dem Spiegelsbergenbahnhof Halberstadt - seinem Zuhause.
Christian Hecht vor dem Spiegelsbergenbahnhof Halberstadt - seinem Zuhause. Foto: Jörg Endries

Halberstadt - Stolz ist Christian Hecht auf sein Zuhause in der Harz-Kreisstadt Halberstadt. Er wohnt in einem ehemaligen Bahnhof seiner Geburtsstadt. Ein Gebäude, das wie kein anderes für Abschied und Ankunft steht. Es ist symbolisch für das Leben des Rechtsanwalts und Lokalpolitikers.

Christian Hecht zog es nämlich erst einmal in die weite Welt hinaus. „Doch die Liebe zu Halberstadt war einfach zu groß und ich kam gern zurück in die Heimat“, erinnert sich der 50-Jährige.

Seit 2007 lebt der selbstständige Rechtsanwalt wieder in Halberstadt. Er suchte ein eigenes Zuhause und fand es im ehemaligen Spiegelsbergenbahnhof. Das stark sanierungsbedürftige Gebäude, das schon lange nicht mehr als Bahnhof diente, stand damals zur Versteigerung. Er angelte sich das eindrucksvolle Haus, sanierte es und rettete den einstigen Bahnhof damit vor dem weiteren Verfall. Christian Hecht überließ dabei nicht alles den Profis. Er legte selbst Hand mit an. Darauf ist der Halberstädter bis heute stolz.

Kanzlei und Zuhause unter einem Dach

„Unter anderem habe ich die komplette Fassade des Gebäudes selbst gestrichen.“ Das Engagement wurde im Fassadenverschönerungswettbewerb der Stadt Halberstadt mit einem zweiten Platz belohnt. Der Spiegelsbergenbahnhof ist nicht nur sein Zuhause, dort führt er seine Kanzlei für allgemeines Zivilrecht. Gesellschaftlich engagiert sich Christian Hecht seit 16 Jahren im Rotary Club Halberstadt.

Seit 2016 ist der Halberstädter AfD-Mitglied. Heute ist er Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes. Mit der Kommunalwahl im Frühjahr 2019 zog Hecht in den Stadtrat Halberstadt und den Kreistag Harz ein und wurde von den Fraktionen zu deren Vorsitzenden gewählt.

Jetzt zieht es Christian Hecht noch weiter nach oben, in die Landespolitik. Seine Partei hat ihn zur Landtagswahl auf den Listenplatz 15 nominiert. Holt er im heimatlichen Wahlkreis nicht das Direktmandat, würden seine Chancen auf einen Sitz im Landesparlament folglich direkt von einem guten Ergebnis seiner Partei bei der Wahl am 6. Juni abhängen.

Mandate im Halberstädter Stadtrat und Harz-Kreistag behalten

Christian Hecht zeigt sich, was seine Chancen angeht, sehr optimistisch: „Bei einem erneuten starken Ergebnis zur Landtagswahl dürfte es mit dem Einzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt klappen.“ Wenn nicht, sei es keine Katastrophe für ihn, unterstreicht er. Der Politik bliebe er auf jeden Fall erhalten. Seine Mandate als Stadtrat in Halberstadt und als Abgeordneter im Kreistag Harz würde er bei einem erfolgreichen Einzug in den Landtag Sachsen-Anhalt nicht aufgeben, betont er.

„Wir haben uns als AfD sowohl im Stadtrat Halberstadt als auch im Kreistag Harz mit unserem Engagement für die Bürger mittlerweile eine respektable Position erarbeitet. Und das trotz Diffamierung und Verteufelungen meiner Partei“, betont Hecht.

Im Fall seiner erfolgreichen Wahl in den Landtag würde er daher nur die jeweiligen Fraktionsvorsitze in den Kommunalparlamenten aufgeben, wolle sich aber weiterhin aktiv in die Kommunalpolitik vor Ort einbringen, betont er. Das habe einen konkreten Hintergrund.

AfD hat 140 Mitglieder im Landkreis Harz

„Bei der letzten Kommunalwahl war die AfD-Mitgliederzahl im Landkreis Harz noch zu gering, um alle gewonnenen Mandate zu besetzen. Die Partei war noch sehr jung. Das hat sich geändert. Mittlerweile zählen wir etwa 140 Mitglieder im Harzkreis und wachsen stetig weiter. Zur nächsten Kommunalwahl sind wir so stark, um dem Wählerauftrag und allen gewonnenen Mandaten in den Parlamenten zu entsprechen.“ Schaffe er es in den Landtag, wolle er sich auf diese Arbeit fokussieren.

Seine Familie sei begeistert von seiner Kandidatur für den Landtag und unterstütze ihn dabei. Doch warum will der Kommunalpolitiker überhaupt in die Landespolitik?

„Die Erfahrungen, die ich im Stadtrat und dem Kreistag bislang gesammelt habe, sind wichtig. Doch im politischen Tagesgeschäft stößt man dort sehr schnell an die Grenzen des Machbaren. Im Landtag kann man noch mehr für die Bürger umsetzen. Dafür will ich mich voll und ganz einsetzen“, so Christian Hecht.

Hecht stellt sich gegen Corona-Politik der Regierung

Der Halberstädter ist dabei auf Parteilinie. Vor allem was die Coronapolitik in Deutschland und in Sachsen-Anhalt angeht, stehe er zu 100-Prozent zu den Aussagen auf den AfD-Wahlplakaten, die provozieren und die Pandemie-Politik als „Irrsinn“ bezeichnen.

Christian Hecht wurde am 19. Februar 1971 in Halberstadt geboren, ist verheiratet und seit Februar glücklicher Vater einer kleinen Tochter.

Mit dem Fall der Mauer im Herbst 1989 im Ergebnis der friedlichen Revolution in der damaligen DDR hielt den Halberstädter jedoch erst einmal nichts mehr in seiner Geburtsstadt. Nach Schule und Abitur verließ Hecht Halberstadt, um von 1990 bis 1995 Rechtswissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen und später Kunstgeschichte in Leipzig zu studieren. 1995 bis 1997 folgte das Referendariat am Landgericht Leipzig. 1995 legte Christian Hecht das erste und 1997 das zweite Staatsexamen ab.

Praktika in Washington und Kapstadt

Dazwischen absolvierte er unter anderem Auslandspratika am International Law Institute in Washington D.C. und in der Kanzlei Silberbauers Attorneys im südafrikanischen Kapstadt. 1998 folgte die Anwaltszulassung, seitdem berät der Halberstädter private und geschäftliche Mandanten. Von 2001 bis 2004 absolvierte er noch am kunsthistorischen Institut der Universität Leipzig ein Studium der Kunstgeschichte.

Hecht will in Rechts- und Innenausschuss

Schafft Christian Hecht am 6. Juni den Sprung ins Landesparlament, hat er bereits jetzt klare Vorstellungen über seine künftige Arbeit im Landtag. „Ich möchte meine Fraktion im Rechts- und Innenausschuss vertreten. Dafür bin ich als Volljurist qualifiziert und darauf freue ich mich.“ Allerdings sei er aber nicht allein darauf fixiert. „Ich setzte mich gern dort ein, wo mich meine Fraktion braucht.“

Dem Halberstädter ist wichtig, dass das Land mit der Wahl am 6. Juni eine starke Opposition bekommt. Auf der Regierungsbank sieht er die AfD noch nicht. Obwohl Hecht in Sachsen-Anhalt eine starke konservative Mehrheit ausmacht. Das sei nach seiner Meinung die CDU und die AfD. „Aber die politischen Eliten wollen das Bündnis nicht. Obwohl sich einige CDU-Politiker für eine Zusammenarbeit mit der AfD offen ausgesprochen haben. Die wurden und werden sofort abgestraft“, so Christian Hecht. Das bedauere er.

Ziel sind wieder 24 Prozent bei Landtagswahl

Weitere Aufgabenfelder im Landtag seien derzeit nur schwer abzuschätzen. „Die Welt rotiert so stark und so schnell, so dass man sich jetzt noch nicht mit absoluter Gewissheit festlegen kann, was in vier oder sechs Wochen ansteht“, sagt Hecht. Er sei sich jedoch sicher, dass seine Partei das starke Ergebnis der Landtagswahl von 2016 mit gut 24 Prozent erneut erreichen könne. Hecht wirbt offen um die mit der derzeitigen Coronapolitik von Bund und Ländern Unzufriedenen.

„2016 war es vor allem die Flüchtlingspolitik der Regierung, die uns damals viele Wähler brachte. Heute müssen wir den Protestwählern gegen die Coronamaßnahmen ein Gehör auf der politischen Bühne verschaffen“, benennt der Rechtsanwalt sein Ziel. Daher sei nach seiner Meinung eines der wichtigsten Wahlplakate im Kampf um die Gunst der Wähler das mit der Forderung „den Corona-Irrsinn zu beenden“. Viele Leute hätten mittlerweile Angst, ihre Meinung zur Politik zu äußern. „Das gab es seit der politischen Wende 1989 nicht mehr. Dafür sind wir damals nicht auf die Straße gegangen“, so Christian Hecht.