Zilly l Karina Saalfeld denkt grundsätzlich positiv. Aus gutem Grund, weiß die neue Vereinsvorsitzende doch viele Zillyer hinter sich. 120 Mitglieder zählt der Badverein, der 2014 den Betrieb der Einrichtung aus der Not heraus übernommen hatte, weil die Stadt Osterwieck sie sonst geschlossen hätte. Vier Jahre konnte unter Vereinsregie gebadet werden, dann aber zog der damalige Vorstand die Reißleine – wegen teurer, aus seiner Sicht nicht zu bewältigender Auflagen an den Badbetrieb.

Nach einem Jahr Pause also übernahm im Frühjahr 2019 ein neuer Vorstand die Regie mit komplett neuen Akteuren. Vorsitzende Karina Saalfeld zog ein sehr positives Fazit jener Jubiläumssaison, in der das Freibad Zilly 50 Jahre alt wurde.

Hochgerechnet um die 5000 Besucher wurden gezählt. „Ganz genau haben wir es nicht ermittelt“, berichtete sie.

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Erstes Jahr ein Plus in der Kasse

Noch wichtiger für die Bewertung als die Besucherzahl ist die Vereinskasse. „Wir sind mit einem Plus aus dem Jahr gekommen.“

Das freilich ist ein Verdienst ganz vieler Mitstreiter und Unterstützer. „Es gab sehr viel ehrenamtliche Arbeit im Bad.“ Denn die Auflagen des Gesundheitsamtes, die schon seit einigen Jahren im Raum standen, blieben natürlich erhalten. Die Arbeiten konnten im Einvernehmen zeitlich gestreckt werden. „Wir haben viel miteinander gesprochen und dabei auch Verständnis für unsere Lage erfahren“, so Saalfeld.

Voriges Jahr konnte in Arbeitseinsätzen noch vor der Saison dafür gesorgt werden, dass auch das überlaufende Schwallwasser aus den Becken letztendlich dem Abwasser zugeführt wird.

Eine Riesenleistung, gefühlt mehrere hundert Meter Gräben wurden geschachtet und darin Rohre verlegt. Außerdem musste eine automatisch arbeitende Dosierungsanlage installiert werden, die den Chlor- und pH-Wert des Wassers überwacht und durch Zugabe von Chemie regelt.

Dieses Jahr muss es weitergehen, eine Filteranlage für das Wasser aus den Überlaufrinnen ist notwendig. Mit der Behörde konnte der Verein nach Auskunft von Karina Saalfeld Übereinkunft erzielen, dass bis zum Saisonbeginn die vorbereitenden Arbeiten an der Elektroinstallation laufen, die Anlage selbst aber erst danach eingebaut wird.

Schwierige Vorbereitungszeit

Allerdings ist nun das Corona-Virus da, was ein Arbeiten in größeren Gruppen nicht zulässt. Osterwiecks Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko) betonte gegenüber der Volksstimme, dass die Vereinsanlagen derzeit geschlossen sind, wie vom Land verfügt. Es sei aber nichts dagegen einzuwenden, wenn etwa ein Einzelner auf dem Freibadgelände das Gras mäht. Was die allererste Arbeit wäre, die jetzt vor dem Verein zur Saisonvorbereitung steht.

Noch vor drei Wochen und damit vor der Corona-Krise hatte der Verein das Ziel, die Saison in der zweiten Mai-Hälfte während der Pfingstferien zu öffnen. Doch das sieht Karina Saalfeld inzwischen als unrealistisch. Zumal niemand weiß, wie lange die Corona-Beschränkungen noch andauern werden.

Breite Unterstützung im Dorf

Aber nochmal zurück zur Jubiläumssaison. Die neue Vereinsführung konnte im Ergebnis eines Informationsbriefes an alle Haushalte rund 20 neue Vereinsmitglieder gewinnen. Darüber hinaus sind sehr viele Geldspenden eingegangen. Saalfeld bezifferte diese auf rund 4000 Euro.

Diese waren ein wesentlicher Baustein für die Badfinanzierung, die im Jahr bei insgesamt etwa 15 000 Euro liegen. Was aber auch nur deshalb unter dem früheren Aufwand der Kommune liegt, weil alles ehrenamtlich geleistet wird. Wie die Badaufsicht, für die voriges Jahr acht Rettungsschwimmer bereitstanden. Oder jene 20 Frauen, die sich abwechselnd um den Kiosk gekümmert haben. „Ohne Kiosk wäre das Bad nicht zu finanzieren“, hob die Vorsitzende die Bedeutung hervor.

„Eingekauft“ wird nur noch die Betreuung der technischen Anlagen durch die Fachleute der Lebensrettungsgesellschaft.

Der Verein wird sich in Kürze wieder mit einem Brief an die Bevölkerung wenden, um Unterstützung bitten und die anstehenden Aufgaben erläutern. „Die Filteranlage ist eine sehr kostspielige Sache.“ Hier müsse mit Augenmaß die richtige Größe eingebaut werden, um später die Folgekosten im Griff zu behalten. „Wir müssen ja finanziell alles allein unterhalten.“ Karina Saalfeld freut sich, dass Handwerker und ein Technikteam aus dem Ort bereitstehen, den Verein dabei fachlich zu beraten und auch selbst mit anzupacken.

Für besagte Filteranlage habe der Verein als Sachspende sogar schon die nötigen Filter erhalten, freut sie sich.

„In der Gemeinschaft können wir es weiter schaffen“, bleibt Karina Saalfeld also weiter positiv gestimmt.

„Ich bin froh, dass mein erstes Jahr in der Verantwortung so super gelaufen ist.“ Sie hofft, dass weiterhin alle zusammenhalten. Derzeit läuft übrigens die Eintragung als gemeinnütziger Verein, was dieser bisher nicht war.