Escaperoom

Darum verwandelt sich ein Schulhort in Halberstadt in eine Unterwasserwelt

Die Coronazeit haben Erzieher aus Halberstadt kreativ genutzt und einen Escaperoom - nicht nur für ihre Schüler - eingerichtet.

Von Sandra Reulecke
Sie sind die Ersten: Noch vor allen anderen Kindern der Spiegel-Schule dürfen die achtjährige Annalena (links) und die die neunjährige Sofie den neuen Escaperoom in ihrem Hort testen.
Sie sind die Ersten: Noch vor allen anderen Kindern der Spiegel-Schule dürfen die achtjährige Annalena (links) und die die neunjährige Sofie den neuen Escaperoom in ihrem Hort testen. Foto: Sandra Reulecke

Halberstadt - Sie haben gebastelt, gemalt und gewerkelt – aber wofür, dass wissen die Schüler der Halberstädter Spiegelschule noch nicht. Gleich wird das Geheimnis gelüftet. Die Aufregung und die Neugier der Mädchen und Jungen sind kaum zu übersehen – immerhin ist ihnen eine Überraschung angekündigt worden.

Diese befindet sich ganz oben im Schulgebäude, direkt unter dem Dach. Taschenlampen liegen bereit, Schreibutensilien, ein Diktiergerät und ein paar glitzernde Gegenstände. Worum es sich dabei nur handelt? Und was verbirgt sich hinter dem Band, das den Weg zu den weiteren Räumen versperrt?

Geschenk nach der Coronazeit

Bis sie die Antworten erfahren, müssen sich die Schüler noch einen Augenblick gedulden. Die Hortleiterin, Steffi Hoffmann, hält eine Ansprache. „Corona war keine leichte Zeit für euch – kein Hort, keine Schule. Viele Kinder waren ganz traurig“, sagt sie. „Deshalb wollen wir Erzieher euch ein Geschenk machen.“ Bei ihrer Frage, wer von den Kindern gern rätselt, schnellen beinahe alle Arme in die Höhe. Doch bei der, ob die Mädchen und Jungen denn auch wissen, was ein Escaperoom ist, erntet die Hortleiterin viele fragende Blicke.

Sofie kennt die Antwort schon. Die Viertklässlerin durfte den Escaperoom mit zwei Mitschülern testen. „Da drinnen ist es stockdunkel“, berichtet sie und gibt damit gleich die Erklärung, wozu die Taschenlampen gebraucht werden. Beängstigend sei es aber nicht. Im Gegenteil, sie wolle sich gerne noch einmal in das Abenteuer stürzen, berichtet sie voller Begeisterung.

Die Erklärung des Dudens für das Wort Escaperoom fällt da weitaus nüchterner aus: „als Freizeitangebot dienende, aus einem oder mehreren Räumen bestehende Anlage, die von einer darin eingeschlossenen Person[engruppe] erst durch das Lösen von Rätselaufgaben o. Ä. wieder verlassen werden kann“.

Schatzsuche mit Taucherhelm

Im Falle des Spiegel-Hortes ist die Suche nach einem kostbaren Schatz im Königreich der Prinzessin Moria Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Diesen hat ein böser Drachen gestohlen. Die Teams müssen – ausgestattet mit goldenen Helmen auf dem Kopf und silbernen Sauerstoffgeräten auf dem Rücken – in eine fantastische Unterwasserwelt eintauchen, um den Schatz zurückzuholen. Das gelingt ihnen, indem sie zwischen bunten Fischen und grinsenden Quallen die Umschläge suchen, in denen sich Aufgaben befinden. Die Kinder müssen Wissen beweisen, Geschick und logisches Denken – und das alles unter Zeitdruck.

Ausgedacht haben sich dieses Spiel die Hort-Erzieherinnen. In der Zeit von Lockdown und Kontaktbeschränkungen haben sie drei Monate lang Räume unter dem Dach in eine Unterwasserwelt verwandelt, berichtet Petra Kupczyk. „Viele Materialien konnten wir von zu Hause oder aus dem Hort nutzen. Wir mussten nur Farbe, Stoff, Netze und den Schatz kaufen.“Die Erzieherin verrät lachend: „Die Kinder haben die Dekoration mitgestaltet, ohne zu wissen, wofür.“

Einladung für Hortgruppen aus anderen Schulen

Perspektivisch sollen nicht nur die Mädchen und Jungen der Spiegel-Schule den Escaperoom erkunden. „Wir wollen Hortgruppen aus anderen Schulen in den Ferien anbieten, ihn zu nutzen“, kündigt Petra Kupczyk an. Etwas, das auch Halberstadts Oberbürgermeister Daniel Szarata (CDU) freut. Er hat es sich nicht nehmen lassen, selbst einen Blick in die Unterwasserwelt zu werfen. „Sehr mysteriös und sehr liebevoll gestaltet“, lautet sein Urteil.

Für die Zukunft, verspricht Erzieherin Petra Kupczyk , gebe es noch jede Menge anderer Ideen, in welche Welten die drei Räume für weitere Rätsel verwandelt werden könnten.

An der Dekoration für den Escaperoom haben die Schüler  mitgebastelt – ohne zu wissen, wofür die Fische und Muscheln gebraucht werden.
An der Dekoration für den Escaperoom haben die Schüler mitgebastelt – ohne zu wissen, wofür die Fische und Muscheln gebraucht werden.
Foto: Sandra Reulecke