Sparkasse

Der Bus bleibt weg

Die rollende Filiale der Harzsparkasse wird nicht mehr im Fallsteindorf Osterode halten. Die Einwohner sind enttäuscht.

Von Mario Heinicke

Osterwieck l Es geht vor allem ums Bargeld. Bis zum Jahresende konnten das die Osteröder Sparkassenkunden von dem Mobil, das einmal die Woche am Dorfgemeinschaftshaus hielt, beziehen. Jetzt müssen sie entweder zu den Haltepunkten des Mobils in Rhoden oder Veltheim fahren oder aber zur Geschäftsstelle nach Osterwieck.

Jutta Dewitz aus dem Fallsteindorf hatte 65 Unterschriften gesammelt für einen weiteren Halt in Osterode. Zumal das Fahrzeug sowie durch Osterode rollt, es also keinen Umweg hierher fahren müsste. Von Vorstand Wilfried Schlüter und dem zuständigen Marktbereich-Abteilungsleiter Claus-Peter Pinkernelle unterzeichnet, erhielt sie nun das Antwortschreiben der Harzsparkasse, dass an der Entscheidung nichts mehr geändert wird. „Eine erneute Einbindung von Osterode in den Routenplan ist nicht vorgesehen.“ Weil der Ort zu den Haltepunkten mit der geringsten Nutzung zähle. Das Kreditinstitut unterliege den Mechanismen der Finanzbranche und müsse als Wirtschaftsunternehmen agieren, erklärten die Banker. „Vor diesem Hintergrund müssen wir Entscheidungen treffen, wie und wo wir unseren Kunden unsere Dienstleistungen anbieten.“

Jutta Dewitz kritisiert die Argumentation. „Was ist das für ein Zeichen, wenn ein in der Region ansässiger Sparkassenvorstand sich weigert, einen ohnehin durchfahrenden Sparkassenbus in einem Ort halten zu lassen, nur weil er zu klein ist?“

Doch die Ortsgröße ist nicht der Maßstab. Der Sparkassenbus fährt von den 19 Ortschaften in der Einheitsgemeinde außerhalb Osterwiecks überhaupt nur noch fünf an: Dardesheim, Deersheim, Rhoden, Rohrsheim und Veltheim. Zum Jahreswechsel weggefallen ist einzig Osterode. Selbst in weit größeren Orten wie Hessen oder Zilly hält kein Sparkassenmobil. „Das liegt auch in der Historie“, sagte Claus-Peter Pinkernelle gegenüber der Volksstimme. In Zilly seien die Nutzer des Mobils deutlich rückläufig gewesen, und Hessen hatte eine Volksbank-Filiale im Ort.

Im Harzkreis, erläuterte Pinkernelle, habe die rollende Filiale 40 Stopps in 34 Orten. Woche für Woche sei der Bus 300 bis 350 Kilometer unterwegs und voll ausgelastet. Auch schon im Vorjahr. Mit der Schließung mehrerer Geschäftsstellen zum Jahreswechsel, darunter in Dardesheim, mussten die Touren neu zusammengestellt werden. Mehrere Orte fielen raus, teilweise wurden auch nur Standzeiten gekürzt. Einen dritten Sparkassenbus anzuschaffen, sei keine Lösung, sagte Pinkernelle. Denn insgesamt sei das Geschäft rückläufig.

Der Abteilungsleiter weiß dabei um die Probleme, die der Verlust des Busses für einzelne, vor allem ältere, unmobile Menschen bedeutet.

Für den Osterwiecker Stadtrat Jens Kiebjieß (Bündnisgrüne) ist das ein Fall, der weit über Osterode hinaus geht. „Es geht für alle kleinen Orte des Landkreises Harz um die Frage: Welche Konzepte haben Harzsparkasse und Landkreis, mit den Herausforderungen des demografischen Wandels umzugehen und was tun sie konkret, um das Leben einer älter werdenden Bevölkerung auch in den kleinen Orten zu sichern?“

Pinkernelle erläuterte, dass es keine andere Bank im Landkreis gebe, die so präsent sei wie die Harzsparkasse. Auch durch ihre über 60 Geldautomaten. Die Sparkasse sei zwar eine öffentlich-rechtliche Einrichtung, „wir unterliegen aber den gleichen Kriterien, haben die gleichen Auflagen wie jede andere Bank auch“, betonte er.

Jutta Dewitz hatte während ihrer Unterschriftenaktion ermittelt, dass fünf Osteröder Kunden die rollende Filiale wöchentlich und zwölf monatlich nutzen würden, wenn sie hier wieder hält. „Das ist keine nennenswerte Größe“, urteilte Pinkernelle. Auch einen Bedarfshalt bei der Fahrt durch Osterode lehnt er ab. „Diese Flexibilität in den eng gestrickten Plan zu bekommen, das wäre eine logistische Herausforderung“, sagte er. Pinkernelle räumte zugleich ein, dass es auch um einen möglichen Nachahmungseffekt gehe. Denn auch andere Orte, in den nicht mehr gehalten wird, liegen auf einer Route.

Jutta Dewitz hat unterdessen nach dem Erhalt des Schreibens nochmals an den Vorstand der Harzsparkasse zurückgeschrieben und diesen zu einem öffentlichen Kundengespräch nach Osterode eingeladen. „Wenn uns der Landkreis und seine Sparkasse in dieser Form aufgeben wollen, sollte uns das ins Gesicht gesagt werden. Gerade von einem kommunalen Unternehmen muss erwartet werden, dass es sich nicht wegduckt, sondern in seinem Aufgabenbereich selbst Konzepte entwickelt, wie die Menschen in Orten wie Osterode nicht abgehängt werden. Darüber sollten wir gemeinsam sprechen.“