Wegeleben l Die Erinnerungsstücke liegen auf dem Tisch, eine Urkunde, die Sitzordnung des Abends, ein Zeitungsartikel und Fotos. „Das war keine Auszeichnung, eher eine Würdigung des Ehrenamtes“, sagt Rosemarie Zimmer, nachdem sie sich an den Tisch gesetzt hat. Scheinbar ungläubig versucht sie für sich selbst Erklärungen zu finden, warum sie bei der Veranstaltung „Politik sagt danke“ in Magdeburg anlässlich des internationalen Tags des Ehrenamtes ebenfalls gewürdigt wurde. „Da waren so viele Leute, die unglaublich viel geleistet haben und alles ehrenamtlich.“ Ja, sie habe auch das eine oder andere gemacht, aber an ihrem Tisch saß ein Pärchen, dass quer durch das Land fährt und Obdachlosen und Bedürftigen die Haare schneidet, berichtet die 73-Jährige. Dagegen sei das, was sie getan habe, doch nicht erwähnenswert.

Das sehen vermutlich einige Menschen anders. Sonst ist es nicht zu erklären, dass Gabriele Brakebusch (CDU), die Präsidentin des Landtages, Rosemarie Zimmer für die Teilnahme an der Veranstaltung vorgeschlagen hat. „Die Einladung kam ungefähr eine Woche vor der Veranstaltung, bis dahin wusste ich nichts davon“, sagt Zimmer. Landtagspräsidentin Brakebusch habe Zimmers Ehemann telefonisch informiert und darum gebeten, den Termin freizuhalten. „Er hat nichts gesagt, die Einladung war dann eine große Überraschung für mich.“

Sichtlich gerührt berichtet sie über den Abend in der Magdeburger Staatskanzlei, in der der Empfang für die Ehrenamtler stattgefunden hat. So sei ihr Tischnachbar der Schauspieler Thomas Rühmann gewesen. Der gebürtige Osterburger ist vor allem bekannt als Hauptdarsteller der Fernsehserie „In aller Freundschaft“ und engagiert sich für die Kinderkrebsforschung. „Das war toll, sich mal mit so verschiedenen Leuten auszutauschen und zu hören, wo sie sich privat und ehrenamtlich engagieren“, berichtet Zimmer.

Ehrenamtlich ins Gefängnis

Die gebürtige Wegeleberin selbst ist seit mindestens zwei Jahrzehnten ehrenamtlich in Halberstadt und in ihrer Geburtsstadt aktiv. „Nachdem wir unsere Gaststätte am Breiten Weg geschlossen hatten, habe ich zuerst in den Neinstedter Einrichtungen geholfen“, erzählt die Stadträtin. Sie habe sich immer für Menschen eingesetzt. Nachdem sie bei der Seniorenbetreuung in der Liebfrauengemeinde gearbeitet hatte, half sie in der Halberstädter Justizvollzugsanstalt. „Da war ich dann bis das Gefängnis geschlossen wurde“, erinnert sich die 73-Jährige. Sie sei bei allem dabei gewesen, wenn es um die direkte Betreuung ging. „Es ging immer darum, den Insassen eine gewisse Ablenkung vom Knastalltag zu verschaffen“, so Zimmer. Sie habe mit den Insassen gekocht, habe dem Pfarrer bei der Vorbereitung und während des Gottesdienstes geholfen und auch die Häftlinge unterstützt, wenn sie konnte. „Mit einer ehemaligen Insassin habe ich noch heute Kontakt“, berichtet Zimmer. Das sei für sie auch das Schönste am Ehrenamt, die Freude und Dankbarkeit der Leute.

Nach der Schließung der Haftanstalt engagierte sich Zimmer noch im Sternenhaus, bevor sich ihre Aktivitäten dann mehr auf Wegeleben konzentrierten. Zu der Zeit waren ihr sie und ihr Ehemann schon lange von Halberstadt nach Wegeleben umgezogen. „Wir haben etwa 30 Jahre in Halberstadt gewohnt“, so Zimmer.

Im Jahr 2003 wurde ihr Mann Hans-JürgenZimmer (CDU) Bürgermeister von Wegeleben. Bei dieser Arbeit wurde Rosemarie Zimmer zu einer unentbehrlichen Unterstützung für ihn. Sie übernimmt seit Langem viele Kleinigkeiten für ihren Mann. So beschafft sie Blumensträuße und Präsentkörbe für die Jubilare und kümmert sich um die Begrüßung der Neubürger von Wegeleben.

Spenden für Jugendclub

Des Weiteren unterstützt sie die Jugendbetreuerin. „Die Jugendbetreuung im Ort wird so gut angenommen, da bringe ich auch immer wieder Sachen hin“, berichtet Zimmer. Spenden sammelt sie von überall ein. Wann immer ihr Sachen angeboten werden, die nur im Entferntesten für die sozialen Einrichtungen von Nutzen sein können, setze sie sich ins Auto und hole die Spenden ab, so Rosemarie Zimmer.

Eine Aktion nimmt aber auch bei ihr einen besonderen Platz ein. „Das es in Halberstadt einen Augenarzt gibt, geht auf mein Zutun zurück“, sagt die Wegeleberin. Sie habe so lange an verschiedenen Stellen angerufen und auf das Fehlen eines Augenarztes hingewiesen, bis sich um das Problem gekümmert wurde.

Einen Grund, warum sie sich so lange für verschiedene Institutionen und Menschen einsetze, könne sie nicht genau nennen, sagt sie. „Vermutlich, weil ich so ein Familienmensch bin und es unglaublich gerne sehe, wenn alle zufrieden sind.“