Ein Stern für Theos Korn

Fallstein Destillerie gewinnt in der Kategorie Brände den Wettbewerb „Kulinarisches Sachsen-Anhalt“

Die Fallstein Destillerie in Rohrsheim hat 2021 den vierten „Kulinarischen Stern“ gewonnen. Das Siegerprodukt Theos Korn verbindet Familiengeschichte und Tradition.

Von Vera Heinrich
Aus dem romanischen Gewölbekeller hat Familie Demmel einen  Whiskykeller gemacht.  Unter dem Gästehaus lagern die Eichenfässer der Fallstein Destillerie, wo auch Theos Korn im Fass gereift ist.
Aus dem romanischen Gewölbekeller hat Familie Demmel einen Whiskykeller gemacht. Unter dem Gästehaus lagern die Eichenfässer der Fallstein Destillerie, wo auch Theos Korn im Fass gereift ist. Foto: Vera Heinrich

Rohrsheim - Theo hat im Juni gleich doppelten Grund zum Feiern: Pünktlich zu seinem zwölften Geburtstag bekam sein gleichnamiger Korn der Fallstein Destillerie den „Kulinarischen Stern 2021“ verliehen. Wobei dem Enkel von Seniorchef Hans-Günter Demmel und Seniorchefin Christa Demmel eine Ehre zuteil wurde, die schon Tradition im Familienunternehmen hat.

Christa Demmel erklärt: „Unsere Destillate sind nach unseren Familienmitgliedern benannt. Angefangen bei meinem Urgroßvater und Gründervater Carl Polland bis zu den jüngsten Sprösslingen Luca, Theo und Tom.“

Als die Brennerei 2009 mit der Produktion von Edelobstbränden auf dem alten Pollandshof in Rohrsheim begann, fanden sich zunächst Zeichnungen der verwendeten Obstsorte auf dem Flaschenetikett. Diese stammen aus der Feder der Schwiegermutter von Inhaber und Sohn Thomas Demmel. „Meine Mitmutter hat wirklich Talent“, findet Christa Demmel. „Als wir 2013 unseren ersten Whisky hergestellt haben, brauchten wir jedoch ein anderes Motiv als bei den Obstbränden.“ Dabei sei Familie Demmel etwas aufgefallen, erzählt sie: „Auf Whiskyflaschen sind immer alte Männer abgebildet.“ Schon war die Idee geboren, Urgroßvater Carl Polland auf der Flasche des eigenen Whiskys zu zeigen. Vor zwei Jahren wurde Carls Single Malt Whisky bereits mit dem „Kulinarischen Stern“ geehrt.

Destillate tragen Namen von Familienmitgliedern

Auf den preisgekrönten Whisky folgten Tommys Dry Gin, Lucas Vodka und Theos Korn. „Unsere Enkel finden das richtig gut“, sagt die 76-Jährige, die den Grundstein für die Rohrsheimer Erfolgsgeschichte legte. 1945 von der russischen Besatzungsmacht enteignet, hat die Urenkelin mit ihrer Familie den Pollandshof in Rohrsheim und ein weiteres Grundstück in Vogelsdorf in den Jahren 1992 und 2002 zurück erworben. Die Manufaktur im denkmalgeschützten Vierseitenhof hat mit Fruchtaufstrichen, Fruchtlikören und Ölen 2006 und 2007 ihre Produktion aufgenommen, erzählt sie. Die Destille wurde 2009 eingerichtet.

„Dabei hatten wir eigentlich gar nicht vor, Spirituosen herzustellen“, gibt Hans-Günter Demmel zu. Allerdings habe ihn das Angebot im Handel nicht überzeugen können, sodass die Familie kurzerhand beschlossen hatte, selbst etwas zu produzieren. Die Früchte und das Getreide zur Verarbeitung werden dafür im eigenen ökologischen Landwirtschaftsbetrieb erzeugt, berichtet der studierte Landwirt.

Genau das habe auch die Jury des Wettbewerbs „Kulinarisches Sachsen-Anhalt“ überzeugt, wie das Landesportal bekanntgibt. So lautet das finale Bewertungsurteil: „Von der Aussaat des Bio-Getreides auf den eigenen Feldern bis zur Lagerung im Eichenfass des Whiskykellers wird in dieser Manufaktur kein Herstellungsschritt aus der Hand gegeben.“

Produktion aus einer Hand

Der 81-jährige Destillerie-Chef Demmel weiß dabei ganz genau, woran er einen guten Alkohol erkennt: „Bevor Sie überhaupt trinken, nehmen Sie das Aroma zunächst nur mit der Nase wahr.“ Dabei sei es wichtig, so Demmel, dass das Getränk Zimmertemperatur habe. „Danach nehmen Sie erst einen Schluck, den Sie auf der Zunge vier bis fünf Mal hin- und herbewegen. Erst wenn Sie das Gefühl haben, dass die Flüssigkeit langsam dick wird, schlucken Sie hinunter“, empfiehlt er. Wenn dabei Mund und Nase den gleichen Geschmack wahrnehmen, handelt sich laut dem Seniorchef um hochwertige Qualität.

Dass er auf Qualität besonderen Wert legt, zeigt sich auch bei der Auswahl seiner Vertriebsstellen. „Ich möchte meine Produkte nur an Läden verkaufen, die die Qualität hochhalten“, sagt er. Die Produkte der Fallstein Destillerie werden in Hotels, Restaurants, aber auch in Klosterläden und Touristinformationen sowie im Internet angeboten. „Aufgrund der Pandemie konnten wir natürlich nicht so viel verkaufen wie sonst“, bedauert er, der selbst im Pollandshof ein Gästehaus betreibt. Doch Hans-Günter Demmel schaut nach vorn und hat schon ein weiteres Vorhaben in Angriff genommen: „Wir haben angefangen, Schafe zu züchten.“ Zum Familienbetrieb gehören bereits eigene Gänse. „Wir stellen auch selbst Gänseschmalz her“, sagt der Vogelsdorfer.

Nachdem sein Familienunternehmen mit Theos Korn bereits den vierten „Kulinarischen Stern“ gewonnen hat, bleibt gespannt abzuwarten, mit welcher Überraschung die Fallstein Destillerie als nächstes von sich reden macht.