Halberstadt l Schreck zu früher Stunde: Als ein Autofahrer am Mittwoch im Morgengrauen über die Magdeburger Straße in Halberstadt Richtung Landeshauptstadt rollte, registrierte der junge Mann am Steuer des Kleinbusses Rauch, der aus einem Haus drang. Die Konstellation konnte dabei besser kaum sein: Am Lenkrad des rot lackierten Mannschafts-Transportwagens saß ein Mitstreiter der Feuerwehr Heimburg, der gerade unterwegs war zu einem Lehrgang an der Feuerwehrschule in Heyrothsberge. Er stoppte sofort und wusste obendrein besser als jeder andere Zeuge, was zu tun war.

In Windeseile wurden um 5.42 Uhr Notrufmeldungen an Leitstelle und Polizei abgesetzt. Schon Minuten später bogen die ersten Retter von der nahegelegenen Wache der Feuerwehr um die Ecke und begannen mit der Brandbekämpfung und der Rettung von insgesamt sechs Personen.

Ungewissheit

Zu diesem Zeitpunkt, so Einsatzleiter Thomas Dittmer,  stand das Wohnzimmer der Erdgeschosswohnung bereits lichterloh in Flammen. „Unsere Kameraden haben sich mit Vollschutz in diese Wohnung vorgearbeitet." Das Problem dabei: Niemand habe zu diesem Zeitpunkt gewusst, ob sich die Mieterin – nach Informationen der Volksstimme eine 29-Jährige – in ihrer Wohnung aufhält. Diese Befürchtung habe sich wenig später als unbegründet erwiesen. Die Frau, so Polizeisprecherin Nadine Sünnemann, soll sich eher selten darin aufhalten.

Parallel zu den Löscharbeiten lief die Rettung der anwesenden Mieter des Hauses an. „Die Bewohner konnten das Haus aufgrund der extremen Rauchentwicklung nicht über das Treppenhaus verlassen, sondern mussten über die Drehleiter aus ihren Wohnungen gerettet werden." Insgesamt seien sechs Nachbarn, darunter zwei Kinder im Alter von drei und neun Jahren, über die Leitern gerettet worden, berichtet die Polizeisprecherin.

Keine Verletzten

Die Betroffenen, die trotz der schwierigen Rettung allesamt unverletzt blieben, wurden zunächst im Mannschaftswagen des Heimburger Feuerwehrmanns untergebracht und betreut. Die Leitstelle hatte nach dem Eingang des Notrufs und aufgrund der Tatsache, dass es sich um ein Mehrfamilienhaus handelte, nicht nur die hauptberufliche Wachbereitschaft alarmiert, sondern darüber hinaus auch freiwillige Kräfte aus Halberstadt, Ströbeck und Athenstedt. Zudem wurden die Kameraden der Atemschutzgeräte-Truppe aus Langenstein gerufen. Ferner waren nach Thomas‘ Dittmers Worten zwei Rettungswagen, kurzzeitig ein Notarztfahrzeug und die Polizei vor Ort.

Die stark befahrene Magdeburger Straße/B 81 war im Zuge der Lösch- und Rettungsarbeiten zunächst bis etwa 7.30 Uhr voll gesperrt. Anschließend wurde der Verkehr bis etwa 8 Uhr stadtauswärts einspurig an der Einsatzstelle vorbeigeleitet.

Haus derzeit unbewohnbar

Laut Polizei ist das Haus aktuell unbewohnbar. Nach Einschätzung von Feuerwehr-Einsatzleiter Dittmer können die beiden vermieteten Wohnungen, die vom Feuer nicht direkt betroffen waren, nach entsprechender Lüftung wieder genutzt werden. Die Mieter sollen dem Vernehmen nach zunächst aber anderweitig untergekommen sein. Die betroffene Erdgeschosswohnung ist unbewohnbar. Den Gesamtschaden am Haus beziffern Polizei und Feuerwehr übereinstimmend auf mehr als 100 000 Euro.

Die Ermittlungen zur Brandursache laufen. Die Polizei hat nach Angaben von Sprecherin Sünnemann ein Ermittlungsverfahren wegen schwerer Brandstiftung aufgenommen. Unstrittig sei, dass das Feuer im Wohnzimmer der Erdgeschosswohnung ausgebrochen ist. Weitere Details seien noch unklar. Der Brandermittler könne aufgrund der extrem starken Rauchentwicklung erst am Donnerstag vor Ort auf Spurensuche gehen, so die Reviersprecherin.

Nach Recherchen der Volksstimme soll die betreffende Wohnung vergleichsweise zugemüllt gewesen sein. Zudem soll die Wohnungstür beim Eintreffen der ersten Rettungskräfte aufgebrochen gewesen sein. Die Polizeisprecherin wollte dazu keine Angaben machen.