Halberstadt/Blankenburg l Andreas Ebert ist Unternehmer mit Verantwortung. Nicht nur kurzfristig und nur für die rund 140 Mitarbeiter seines Bauunternehmens. Nein, der 58 Jahre alte Geschäftsführer des Blankenburger Bauunternehmens Stratie lässt im Gespräch langfristige Verantwortung für die Gesellschaft erkennen. Die demografische Entwicklung und der drohende Nachwuchsmangel seien schließlich Themen, die Stratie und die Gesellschaft gleichermaßen bewegten, erinnert Ebert.

Sofort klar, wie man helfen kann

Vor diesem Hintergrund zögert Andreas Ebert Ende vorigen Jahres nicht lange, um als Unternehmer den ankommenden Flüchtlingen in der Zentralen Anlaufstelle (Zast) in Halberstadt die Hand zu reichen. „Wir haben damals dort gearbeitet und gesehen, wie die Flüchtlinge leben. Leben müssen.“

Ebert muss nicht lange darüber nachdenken, wie man helfen könnte: Jobs, eine Ausbildung und die deutsche Sprache sind wichtig, um die Menschen rasch zu integrieren. Er muss in Unternehmerkreisen auch nicht lange suchen, um Partner zu finden. „Zwei Firmen in Thale und Wernigerode waren sofort bereit, uns zu unterstützen“, erinnert er sich.

Gedacht, gesagt, getan – Unternehmer wie Andreas Ebert sind pragmatisch unterwegs. Hier die Realität, dort das Ziel, dazwischen der Weg, den es zu nehmen gilt. Ebert hat ein Ziel vor Augen und den nötigen direkten Draht. „Seit einigen Jahren habe ich einen jungen Syrer in meiner Firma. Er hat damals in der Zast geholfen und konnte den Kontakt zu syrischen Flüchtlingen mit persönlichem Bezug zum Bau herstellen“, berichtet Ebert. „Wenig später hatten wir eine Liste mit Namen und Handy-Nummern.“

Belegschaft wollte unterstützen

Sein Plan: „Als Stratie holen wir sechs willige Syrer aus der Zast, besorgen ihnen eine Wohnung und nehmen sie an die Hand.“ Die Bereitschaft zu helfen, sei groß gewesen im Unternehmen. „Kollegen wollten sich einbringen – mit Kleidungsspenden, Mobiliar und Wohnungsausstattung sowie mit praktischer Hilfe im Alltag.“ Ganz ähnlich sei die Bereitschaft in den beiden anderen Firmen gewesen.

Zusammen mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) wurde das Projekt vorangetrieben und die Sache mit der damals von vielen Politikern geforderten Willkommenskultur wörtlich genommen. „Wir hätten den jungen Syrern ein sechsmonatiges Praktikum geboten, ihnen als Firma ein Taschengeld gezahlt. Allein ein rascher Deutschkurs wäre nötig gewesen“, sagt Ebert.

Schwerfällige Bürokratie

Er und die anderen Unternehmer haben freilich nicht mit der schwerfälligen deutschen Bürokratie gerechnet. Weil Ende 2015 noch keine Flüchtlinge dauerhaft dem Harz zugewiesen sind – die ersten werden erst im Februar 2016 kommen – kann die Kommunale Beschäftigungsagentur (KoBa) im Harz schlichtweg noch keine Flüchtlinge vermitteln. „Wir haben damals mit sehr vielen Leuten zusammengesessen und beraten, wie wir eine Lösung hinbekommen können. Aber es hat sich kein Rad gedreht“, so der Stratie-Chef rückblickend und voller Ernüchterung.

Zu schnell fürs System

Eine bittere Erfahrung, die auch Katrin Löhr, Sprecherin des KoBa-Jobcenters im Harz, bestätigt: „Es ist leider die Realität. Herr Ebert war damals einfach zu schnell für unser System, wir hatten noch keine Flüchtlinge, die wir hätten vermitteln können.“ Der Landkreis Harz habe erstmals Mitte Februar 2016 Flüchtlinge langfristig zugewiesen bekommen. „Und erst wenn deren Aufenthaltsstatus klar ist, können sie überhaupt in Jobs oder Ausbildungen vermittelt werden“, erklärt Katrin Löhr. Hinzu kämen die Integrationskurse, um die Menschen für das Leben in Deutschland fit zu machen.

Bittere Ernüchterung

An diesem Punkt wollte sich Stratie-Chef Ebert damals einbringen. Er hatte gehofft, den arbeits- und ausbildungswilligen Syrern rasch Perspektiven geben zu können. Das aber hätte ein besonders beschleunigtes Asyl- und Integrationsverfahren vorausgesetzt, praktisch an der Warteschlange vorbei. Aber denkste: So pragmatisch Ebert die Sache anging, so schwerfällig war die deutsche Bürokratie.

Mittlerweile hat Ebert den Vorstoß, von dem er sich auch Nachahmer erhofft hatte, zu den Akten gelegt: „Es wäre ein Gewinn für alle gewesen, ist aber an der deutschen Unfähigkeit und Bürokratie gescheitert. Das System gibt lieber Geld aus fürs Nichtstun.“