Langenstein l Der denkmalgeschützte Schäferhof Langenstein gehört zu den Gästemagneten in der Harz-Region. Der Vierseitenhof aus dem Jahr 1823 ist nicht nur die älteste Hofanlage in Langenstein, sondern mit dem Landhotel samt Restaurant, Hofladen, der Festscheune und dem funktionstüchtigen Backofen der Mittelpunkt des Dorfes. Dunkle Wolken zogen Mitte vergangenen Jahres jedoch über dem Hotel auf. Der Grund: Weichen sind falsch gestellt worden, der Betrieb geriet ins Taumeln und lag plötzlich am ­Boden. Aus dem Merino-Verein heraus kam die Rettung. Ihm gehört das Ensemble sowie der Grund und Boden, das Hotel nicht.

13 Langensteiner Familien, die Mitglied im Merino-Verein sind, haben die Initiative ergriffen, um das Hotel in eine neue Zukunft zu führen. Sie haben die Schäferhof Langenstein GmbH ins Leben gerufen und das Hotel in Eigenregie übernommen. „Ein verwaistes Haus an dieser exponierten Stelle, das möglicher­weise verfällt, oder in das ein Reifenhandel einzieht, eine grauenvolle Vorstellung. Bis es soweit kommt, wollten wir nicht warten“, sagt Gesellschafterin Anja Wiese. „Ziel war und ist es, den Dorfmittelpunkt Schäferhof, diese wunderschöne Anlage mitten in Langenstein, komplett zu erhalten“, ergänzt ­Cordula von Rhade, Vorstandsmitglied des Merino-Vereins. Das Personal habe tapfer gekämpft und die Zähne zusammengebissen. Das sei ebenfalls Ansporn gewesen, das Haus und die zwölf Arbeitsplätze zu erhalten. Dann habe man innerhalb von zwei Wochen über hopp oder topp des Hauses entscheiden müssen, so Anja Wiese.

Ländlicher Charme

„Vordergründig geht es uns nicht darum, mit dem Hotel reich zu werden. Wir wollen den Hof für die Langensteiner erhalten“, betonen die Gesellschafter. Dazu gehört, den Investitions­stau im Haus abzubauen. Und das kostet Geld. „Das funktioniert nicht von heute auf morgen. Wir haben damit schon begonnen“, sagt Cordula von Rhade. Dazu gehört, dass die Räume ein neues Farbkonzept erhalten, das Identität schafft. Ländlicher Charme soll sich in den 21 Doppel- und Familien­zimmern des Hauses mit insgesamt 42 Betten wiederfinden. Aber auch die reiche Geschichte Langensteins und die einzigartige Natur mit Ausflugszielen wie den Hoppelberg, die Altenburg und die Höhlenwohnungen. Die Gästezimmer bekommen entsprechende Namen. So gibt es unter anderem ein Branconi-Zimmer, benannt nach der Freifrau, die das Langen­steiner Schloss erbauen ließ und im die 18. Jahrhundert als schönste Frau Deutschlands galt. Natürlich gibt es ein Goethe-Zimmer, schließlich war dieser mit der Branconi befreundet. Zum Konzept gehören jedoch weit mehr als nur neue Namenschilder. „Die Zimmer werden entsprechend mit Bildern gestaltet, die Gäste erhalten Informationen zu den Persönlichkeiten und den Orten und damit etwas Unverwechselbares.

In den zurückliegenden ­Monaten sind wichtige Weichen für die Zukunft des Landhotels gestellt worden. Mit Andreas Werner hat es einen neuen Leiter bekommen. Der 36-Jährige ist ausgebildeter Koch und Betriebswirt für Hotel- und Gaststättenbetrieb. „Wir wollen uns breit am Markt aufstellen und eine Erfolgsgeschichte ­schreiben“, betont Andreas Werner. Im schönen Langenstein mit der tollen Natur und zahlreichen interessanten Ausflugszielen gibt es für Gäste aus nah und fern viel zu entdecken. Halberstadt, Quedlinburg und Wernigerode sowie der Harz liegen direkt vor der Haustür“, so der Hotelleiter. „Bisher hat das Hotel schon viele Menschen aus allen möglichen Gegenden Deutschlands angezogen. Praktisch vom Treckerfahrer bis zum Aufsichtsrat. Das soll so bleiben.“

Neue Köpfe führen Landhotel

Um das kulinarische Wohl der Hotel- und Restaurant-Gäste kümmert sich mit dem 41-jährigen Lars Ackermann ebenfalls ein Neuer. „Ich möchte regionale Produkte in der Küche verarbeiten und die Gerichte zu normalen Preisen anbieten“, hat sich der neue Küchen­chef vorgenommen. Seine Küche bezeichnet er als „gehoben gut bürgerlich“.

Ein erster Erfolg für die neuen Eigentümer und die Beschäftigten ist die Auszeichnung des Landhotels Schäferhof als Drei-Sterne-Hotel durch den Hotel- und Gaststättenverband Dehoga.

In den zurückliegenden 20 Jahren ist viel Geld und ehrenamtliches Engagement in den Erhalt und die Sanierung des Schäferhof-Ensemble geflossen, um den sich die Mitglieder des Merino Vereins verdient gemacht haben. Das Gebäude, in dem der Hofladen sein Domizil hat, ist aufwändig instandgesetzt und ein ehemaliger Schafstall zur Festscheune umgebaut worden. Das heutige Landhotel war vor etwa 18 Jahren noch eine heruntergekommene Stallruine, aus deren Resten das schmucke und gastliche Haus entstand.