Preisverleihung

Gefiederte Stars in Halberstadt

Die Jubiläumsausstellung „Moderne Vogelbilder“ (MoVo) ist in Halberstadt eröffnet worden. Die Vernissage war von amüsanten Redebeiträgen, angeregten Gesprächen und tropischer Hitze gekennzeichnet.

Von Renate Petrahn
Zu den vielen Hinguckern der Jubiläumsausstellung ?Moderne Vogelbilder? in Halberstadt gehören zweifellos die Arbeiten von Helene Rimbach aus Bad Liebenstein ? hier mit ihrem Werk ?Ozzy Osbourne mit Schleiereule?.
Zu den vielen Hinguckern der Jubiläumsausstellung ?Moderne Vogelbilder? in Halberstadt gehören zweifellos die Arbeiten von Helene Rimbach aus Bad Liebenstein ? hier mit ihrem Werk ?Ozzy Osbourne mit Schleiereule?. Foto: Renate Petrahn

Halberstadt - Auf dem Hof des Schraubeschen Anwesens, Voigtei 48, wurden am Sonnabend zehn Jahre dieser deutschlandweit einzigartigen Ausstellung festlich begangen und die MoVo 2021 eröffnet.

Und damit indirekt das Vermächtnis von Ferdinand Heine sen. gewürdigt, des Gründers des Museums Heineanum und Besitzer einer der bemerkenswertesten Vogelsammlungen des 19. Jahrhunderts, dem die Stadt bis heute eine weitere und besondere kulturelle Facette verdankt.

60 Menschen waren gekommen, unter ihnen Stadtratspräsident Volker Bürger (CDU), Mitglieder des Stadtparlaments, ehemalige Landtagsabgeordnete, die Museumsdirektorinnen Dr. Antje J. Gornig und Dr. Ute Pott, um diesen besonderen Moment mit den anwesenden Künstlern, den Organisatoren, Mitarbeitern und Freunden des Museum Heineanum zu teilen.

Zwei Preisvergaben statt einer

Vielleicht hätte der eine oder andere eine pompösere Jubiläumsveranstaltung erwartet. Aber dass die Veranstaltung überhaupt vor dem Hintergrund von wechselnden Inzidenzen und unterschiedlichen Corona-Regelungen in den Bundesländern stattfinden kann, ist ein Erfolg, der Respekt abverlangt. Und es ist von daher nicht zufällig, dass Rüdiger Becker, Direktor des Museums Heineanum, zuerst seiner Mannschaft dankte, die das scheinbar Unmögliche möglich gemacht hat.

Zusätzlich hob der Fakt, dass zwei Preise gleichzeitig verliehen wurden, die Veranstaltung von den üblichen Vernissagen ab. Alle, die bereits an früheren Eröffnungen teilgenommen hatten, wissen, dass die Organisatoren – das Museum Heineanum und der gemeinnützige Förderkreis für Vogelkunde und Naturschutz am Museum Heineanum ein Händchen für eine perfekte Inszenierung der Veranstaltung haben.

Mag sein, dass die Synthese zwischen Kunst und exakter Wissenschaft in der Vogelmalerei dabei hilfreich ist.

Tradition zwischen Kunst und Ornithologie

Denn ein bestimmtes Sujet in Szene setzen, lernt man von der Kunst, die Bestimmung des genauen Augenblicks in der Vogelkunde. Nach der Eröffnung durch Rüdiger Becker und dem launigem Grußwort des Oberbürgermeisters Daniel Szarata (CDU) näherte sich die Veranstaltung ihrem ersten Höhepunkt: Der Verleihung des Publikumspreises der MoVo 2019. Insgesamt hatten 895 Ausstellungsbesucher ihre Stimme abgegeben.

Ihn erhielt, wenn auch mit coronabedingter zeitlicher Verspätung, Ute Bartels, Wildlife-Malerin aus Magdeburg, für ihr Bild „Rückkehr“. In weniger außergewöhnlichen Zeiten erfolgte die Preisverleihung nach Ende der aktuellen Ausstellung.

Zwischengeschaltet zwischen dem ersten und dem zweiten Höhepunkt der Festveranstaltung war der Festvortrag von Klaus Nottmeyer, Leiter der Biologischen Station Ravensberg. Eingebettet in die Tradition der Vogelmalerei in Deutschland zwischen Kunst und Ornithologie sprach der Herforder Ornithologe rückblickend über Erfahrungen mit Ausstellungen von Vogelbildern und erwies sich quasi als Spiritus Rector der Halberstädter MoVo. In seiner Rede schlug er den Bogen zu Dr. Bernd Nicolai, dem vormaligen Direktor des Museum Heineanum.

Nicht nur 50 Graustufen

Unter seiner Leitung und in enger Kooperation mit dem Förderkreis am Heineanum wurde 2003 die Ausstellung Moderne Vogelbilder etabliert als zweijähriges Veranstaltungsformat im Rahmen der 136. Jahresversammlung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (D O-G), die in Halberstadt stattfand.

Musikalisch bereiteten Katja Hoder-Kranz (Gitarre) und Sebastian Kranz (Flöte) die mit Spannung erwartete Verleihung der „Silbernen Uhu“-Anstecknadel plus Urkunde vor. Aus der Hand von Frank-Ulrich Schmidt, Vorsitzender des Förderkreises am Heineanum e.V., nahm Carola Neumann aus Berlin–Mariendorf die Auszeichnung für ihr Bild „Morgendliches Bad“, eine Buntstiftzeichnung, 80 mal 60 Zentimeter , entgegen. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert.

In seiner Laudatio begründete der Fördervereinsvorsitzende das Urteil der Jury über die Arbeit, die sowohl unter künstlerischen wie technisch-handwerklichen Aspekten am meisten überzeugt hat.

Ergänzend wies er darauf hin, dass der Grünspecht bereits 2014 von besonderer Popularität gewesen sei, als er zum Vogel des Jahres gewählt wurde. Charakteristisch sei sein Gesang, der dem Lachen von Menschen ähnele.

Und ganz nebenbei merkte Frank-Ulrich Schmidt mit einem Lächeln an, dass es nicht nur 50 Graustufen (50 shades of grey), sondern auch eine Vielzahl von Grüntönen gäbe, die in der Darstellung des Grünspechts zu entdecken seien.

Grünspecht ist Liebe auf den ersten Blick

Für die Preisträgerin, die das erste Mal in Halberstadt war, kam die Auszeichnung ebenso unerwartet wie überraschend. Für sie sei der Grünspecht, neben Buntspechten, zu einem guten Bekannten, einem Freund des Hauses geworden, erzählte Carola Neumann. Es sei ein Leichtes gewesen, den Vogel beim Baden im heimischen Gartenteich zu beobachten, fuhr sie fort. Und natürlich habe er sie mit seinem farbenprächtigen Federkleid sofort begeistert, Liebe auf den ersten Blick eben.

Eine Passion, die andauern wird. Denn das Bild des Vogels wie das Porträt seiner Schöpferin werden den Flyer für die nächste MoVo-Ausstellung 2023 schmücken.

Tiere und Menschen

Zu den vielen Hinguckern unter den gezeigten 117 Bildern gehören zweifellos die Arbeiten von Helene Rimbach aus Bad Liebenstein. Sie ist seit 2015 bei der MoVo in Halberstadt dabei.

Die 19-jährige Architekturstudentin an der Bauhaus-Universität Weimar zeigt in ihren drei Bildern den Weg zu neuen Interpretationsmöglichkeiten in der Vogelmalerei.

Helene Rimbach: „Tiere und Menschen stehen schon immer im Zentrum meiner künstlerischen Arbeit.“ Logischer Reflex: ausgefallene Doppelporträts von Vögeln und Menschen, etwa ein Bengalgeier/Keith Richards, ein Kakadu/ Freddy Mercury und eine Schleiereule/Ozzy Osbourne.

Wie gewohnt wurde zur Ausstellung ein attraktiver Katalog herausgegeben, in dem nicht nur alle ausstellenden Künstler mit jeweils einem ihrer präsentierten Werke vertreten sind, sondern auch ihre künstlerischen Positionen im Originalton wiedergegeben werden.

Die Ausstellung Halberstadt 2021 – Moderne Vogelbilder läuft bis zum 10. Oktober. Die MoVo ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr im oberen Geschoss der Ausstellungsscheune am Schraube-Museum, Voigtei 48, geöffnet. Der Zugang zur Ausstellung ist barrierefrei.

Das Siegerbild der MoVo 2021 ?Morgendliches Bad? von Carola Neumann aus Berlin-Mariendorf.
Das Siegerbild der MoVo 2021 ?Morgendliches Bad? von Carola Neumann aus Berlin-Mariendorf.
Foto: Carola Neumann