Halberstadt l Jedes Mal, wenn man seine Arbeiten betrachtet, wirken sie anders. Ein neues Detail wird sichtbar, die Farben verändern sich. Je nachdem, welches Licht auf sie trifft, durch sie hindurchgeht, sie zum Leuchten bringt. Hans-Georg Losert aus Halberstadt ist Glasgestalter.

Einer, der sich einen Namen gemacht hat. „Es gibt kaum einen sakralen Bau in der Region, der von ihm noch keine liebevolle Schönheitskur erhalten hat“, sagte Antje Gornig, Chefin des Städtischen Museums Halberstadt, zur Eröffnung der neuen Losert-Ausstellung „GlasLichtKunst“ im Schraube-Museum.

Wunsch

Jene Schau hatte sich der Künstler selbst gewünscht. Zum einen aus Anlass seines 80. Geburtstags. „Ich wollte zeigen, dass man auch mit 80 als Künstler noch etwas schaffen kann“, erläutert er. Zum anderen will er mit der Exposition einen Schlusspunkt setzen. „Die Aktion zur Sicherung von Kirchenfenstern in der Region ist weitgehend abgeschlossen“, berichtet der Jubilar. Die kunstvollen historischen Fenster wurden zum Schutz vor Witterung und UV-Licht mit einer Sicherheitsglasung versehen. Denn, so erläutert der Fachmann, ausgerechnet die Lichtstrahlung der Sonne, die die farbigen Scheiben erst so richtig zum Leuchten bringt, sei das, was sie gefährdet.

Bilder

Diese Sicherungen sind nur ein Aspekt seiner Arbeit. Losert gibt verblassten und kaputten Fenstern ihre alte Schönheit zurück, schöpft nach seinen Ideen eigene Kreationen aus dem zerbrechlichen Werkstoff, teilt sein Wissen mit denen, die in seine Fußstapfen treten wollen.

Vierte Generation

Dazu zählt auch Sohn Birk, der nunmehr in vierter Generation das Handwerk fortführt. Mit ihm arbeitet er eng zusammen, die Schau haben sie gemeinsam vorbereitet. Kommt es da nicht auch mal zu künstlerischen Differenzen? „Oh ja, natürlich“, gesteht Losert senior lachend. Immerhin seien die beiden freischaffende Künstler, zwei Einzelkämpfer, die sich ein Atelier teilen.

Den Familienbetrieb zu übernehmen, sei für ihn keine Last gewesen. „Ich bin da reingewachsen“, betont der Vater. Einen anderen Berufswunsch habe er nie gehabt. Seine Arbeit bot ihm die Möglichkeit, viel zu reisen. Sie sei vielfältig, man muss die Technik und das Material beherrschen können, kann kreativ sein.

Ehrung

Als Würdigung seines Lebenswerkes wurde Hans-Georg Losert während der Ausstellungseröffnung geehrt. Ihm wurde die Medaille „Für Verdienste um das Gemeinwohl“ der Stadt Halberstadt verliehen. „Damit habe ich nicht gerechnet. Bis zum Schluss haben alle dichtgehalten“, berichtet der Glaskünstler gerührt.

Als Anlass, sich zur Ruhe zu setzten, nimmt er die Ehrung nicht. „Ich habe noch viele schöne Aufträge, auf die ich mich freue“, betont er.