Halberstadt l Eine Überraschung ist es, die Dr. Christian Philipsen, Generaldirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, im Gespräch mit der Volksstimme bekannt gab: Die Kulturstiftung des Landes wird die beschädigte Domina der Stadt als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen. „Aufgrund der besonderen Bedeutung dieser Glocke ist es ist schwer vorstellbar, sie einzuschmelzen“, sagte Philipsen.

Aufgrund terminlicher Überschneidungen konnte die Kulturstiftung des Landes keinen Vertreter zum Pressegespräch entsenden, bei dem sie Idee der Glocken-Präsentation über der Gussgrube auf dem Domplatz vorgestellt wurde. Die Berichterstattung habe alle Entscheidungsträger der Stiftung noch einmal bewogen, eine bereits diskutierte Idee in die Tat umzusetzen. „Die Planung finde ich sehr gelungen, die Idee ist schön, die Glocke auf dem Platz zu zeigen. Ihr Guss hat vor 20 Jahren viel zur Mobilisierung der Menschen in Halberstadt beigetragen, deswegen ist es wichtig, die Glocke zu erhalten. Dazu wollen wir gern unseren Beitrag leisten.“

Mehrkosten

Das soll in Form der Dauerleihgabe erfolgen. Damit entstünden der Stiftung zwar Mehrkosten von 80 000 Euro für den Guss einer neuen Domina, weil Materialwert der kaputten Glocke etwa so hoch ist, aber man schätze die Bedeutung der öffentlich gegossenen Glocke als wichtiger ein Und: „Wenn man zum Spenden aufruft, sollte man das nicht, um ein Einschmelzen zu finanzieren, sondern für einen Neuguss.“ Den plane die Stiftung innerhalb der nächsten zwei Jahre. „Spätestens Ende 2020 wollen wir das Domgeläut wieder komplett haben“, betonte Christian Philipsen. Ein bisschen hänge der Zeitplan von den Kapazitäten der Firma ab, in der so eine große Glocke gegossen werden könne.

Die Ankündigung der Kulturstiftung löste bei den Initiatoren der Glockenpräsentation große Freude aus. So sagte Peter Pinkernelle, Vorsitzender des Fördervereins Dom und Domschatz: „Das sind ja tolle Nachrichten. Ein super Start ins Wochenende!“

Und Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke), der in München während der Thüga-Sitzung von der Redaktion von dieser großzügigen Geste der Stiftung erfuhr, sagte: „Ich bin, wie meine Mitstreiter im Projekt sicher auch, äußerst freudig überrascht! Das ist natürlich eine großartige Geste der Stiftung und Ausdruck größter Wertschätzung für unsere Stadt, für das Engagement all jener, die den Guss der Domina 1999 möglich gemacht haben, allen voran mein unvergessener Amtsvorgänger Dr. Harald Hausmann und natürlich alle Unterstützer, insbesondere die breite Zahl an Menschen unserer Stadt! Mit der tollen Unterstützung der Kulturstiftung des Landes rückt unser Projekt in greifbare Nähe einer Realisierung. Nun hoffe ich, das dieser kräftige Schub hilft, zügig das Geld für die planerische und bauliche Umsetzung aus Spenden zu generieren.“

Denn die Glockengussgrube wieder zu öffnen, die Stützkonstruktion zu errichten und die Grube zu sichern, wird geschätzt rund 40 000 Euro kosten. Aber diese Summe, da waren sich alle Beteiligten, zu denen auch das Kuratorium Stadtkultur gehört, einig, sollte bis Weihnachten zusammenkommen können.