Langenstein l Das Telefon von Familie Schwalbe bleibt selten ruhig. Immer wieder gibt es Anfragen, wann und wie Besichtigungen der Wohnhöhlen möglich sind. Auch an den Wochenenden sind Doris und Siegfried Schwalbe sowie Helmut Scholle und weitere Aktive im Einsatz. „Auch im vorigen Jahr hatten wir wieder über 10.000 Besucher allein bei den Führungen“, berichtete Siegfried Schwalbe beim Treffen im Langensteiner Sportlerheim.

Hier hatten sich zahlreiche Familienangehörige und Langensteiner versammelt, um ihrem Siegfried zum 80. Geburtstag zu gratulieren. Sie alle hoffen, dass seine Schaffenskraft nicht so schnell nachlässt. Mit einigen Gästen ging er einst zur Schule, auch mit dem Schützenverein, den Kegelfreunden, früheren Lehrerkollegen und bisherigen Bürgermeistern traf er gern wieder zusammen.

Vor Bombenangriff zu Großeltern

1940 in Halberstadt geboren, zog er als Viereinhalbjähriger vor dem Bombenangriff ins Großelternhaus nach Langenstein. Drei Schulgebäude lernte er hier kennen, dann ging es an das Käthe-Kollwitz-Gymnasium und schließlich zu einer Berufsausbildung bei der HO in Halberstadt. Anschließend folgte der Entschluss zur Lehrerausbildung in Staßfurt, wo er seine Doris kennenlernte.

Beide heirateten kurz vor dem Abschluss des Studiums und konnten so in Langenstein und Halberstadt einen Arbeitsplatz bekommen. Siegfried Schwalbe absolvierte noch ein Fernstudium, um Mathematik lehren zu dürfen. Bis in die 1990er Jahre übten beide gern ihren Beruf aus.

Bürgermeister im "schönsten Dorf"

Von 1997 bis 2004 konnte sich der Parteilose auf die Funktion als ehrenamtlicher Bürgermeister in Langenstein konzentrieren. Vieles gab es nach der politischen Wende neu zu regeln. Das mehrfach ausgezeichnete „schönste Dorf“ wurde ein beliebter Standort für den Eigenheimbau.

Seit 20 Jahren offiziell im Ruhestand, ist selbiger jedoch bei Familie Schwalbe noch lange nicht eingekehrt. Seit 1990 wurden die Höhlenwohnungen wieder hergerichtet und der Verein gegründet, der mit viel Engagement arbeitet. Da das Ehepaar nahe der Anlage auf dem Schäferberg wohnt, wird hier oft geklingelt.

Erinnerungen wachhalten

Beiden Langensteinern liegt auch das Wachhalten der Erinnerung an die früheren Zwangsarbeiter im Konzentrationslager Zwieberge am Herzen. Bereits zu DDR-Zeiten versuchten sie Kontakt zu einstigen Häftlingen aufzunehmen. Nach 1990 entstanden bei den Besuchen zahlreiche enge, freundschaftliche Kontakte.

Zur 850-Jahr-Feier von Langenstein gab es für die Schwalbes noch einmal richtig viel zu tun. Bei dem Ortschronisten hatte sich im Hause schon viel Material angesammelt, doch nun sollte alles in einem über 250 Seiten starken Buch zusammengefasst werden. Auch Vortragsveranstaltungen wurden zum Jubiläum organisiert. Bei fast allen örtlichen Höhepunkten ist Siegfried Schwalbe mit dem Fotoapparat dabei.

Grünkohltouren

Nicht nur Langensteiner, sondern ebenso Gäste aus Halberstadt und Umgebung kommen gern zu den jährlichen Grünkohltouren. Auch die jüngste, 16. Auflage, lockte trotz regnerischem Wetter wieder viele Wanderfreunde zur Exkursion. Zum runden Geburtstag wurden zahlreiche Anekdoten aus früherer Zeit ausgetauscht.

Dabei betonte der Jubilar, weiter für den Wohnhöhlenverein und die Arbeit an der Ortschronik aktiv zu bleiben.