Kreativpreis

Grüne Energie aus Windblumen

Von Mario Heinicke
Übergabe der Auszeichnung an zwei SailWindTec-Vertreter. Von links: Entwicklungsleiter Frank Gnisa, Minister Armin Willingmann und Geschäftsführer Mario Spiewack.
Übergabe der Auszeichnung an zwei SailWindTec-Vertreter. Von links: Entwicklungsleiter Frank Gnisa, Minister Armin Willingmann und Geschäftsführer Mario Spiewack. Foto: IMG

Osterwieck

Power-Flower-Windblumen aus Sachsen-Anhalt könnten künftig zum Beispiel in Vorgärten grüne Energie liefern. Noch ist das eine Vision, aber schon jetzt wurde diese Idee ausgezeichnet. An der Entwicklung beteiligt ist eine Firma aus Osterwieck.

Vertreter der SailWindTec GmbH mit Sitz in Osterwieck erhielten in dieser Woche in Magdeburg aus den Händen von Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) Urkunde und Preis für die „Vision des Jahres“ eines Landeswettbewerbs überreicht. Dabei handelt es sich um Kleinwind-Kraftanlagen, die das Unternehmen entwickelt. Windräder, die die Form von Blumen haben. Anlagen zwischen vier und zehn Meter hoch. Prototypen gibt es schon.

Zu den vier Partnern, die in der SailWindTec vereint sind, gehört mit Heiko Döppelheuer der Chef der Gleitlager und Metallverarbeitung Osterwieck. Auch sein Sohn Nick Döppelheuer arbeitet in dem Projekt mit. Kontakt zueinander hatten die vier Gesellschafter aus einem anderen Magdeburger Forschungsprojekt, einem Flusskraftwerk.

Kreativbranche mit Potenzial

Nun also Windkraft. Keine Riesentürme, wie sie nahezu überall in Sachsen-Anhalt zu sehen sind, sondern kleine, noch dazu bunte Stromerzeuger (meist) in Blumenform.

„Solche Visionen braucht unser Land“, sagte Minister Willingmann am Montag beim Besuch der Betriebsstätte in der Experimentellen Fabrik in Magdeburg, wo das Osterwiecker Unternehmen sein Projekt weiterentwickelt. „Die Windblume ist ein innovativer Ansatz, um klimafreundliche Stromerzeugung auf ästhetische Weise in unsere Innenstädte zu integrieren. Dieses Projekt macht einmal mehr deutlich, wie viel Potenzial in Sachsen-Anhalts Kreativbranche steckt.“

Um aus ihrer Vision eine nachgefragte wie bezahlbare Realität werden zu lassen, hat die SailWindTec noch weitere Partner ins Boot geholt. Kreative, Forscher und Praktiker. Die Europäische Union fördert das Projekt. Und erste Windräder laufen auch schon. Momentan auf einem Testgelände in Magdeburg sowie in Beelitz. Hier geht es vor allem um einen Dauertest, ob die Lager und anderen Bauteile halten, wie Nick Döppelheuer berichtete.

Es ist Neuland. Die Flügel der kleinen Windräder sind nicht wie bei den Riesen aus glasfaserverstärkten Verbundwerkstoffen, sondern aus textilen Kunstfasern gefertigt. Das macht sie – zusammen mit dem Aluminiumgerüst – leicht und lässt sie bei kleinster Brise drehen. Und sie sehen gut aus. Weil die Textilien bunt gefärbt werden können, bis hin zu Bedruckungen zu Werbezwecken.

Autarke Stromerzeugung möglich

Letztendlich, erklärte Nick Döppelheuer, gehe es um neue Möglichkeiten für autarke Energieerzeugung etwa in abgelegenen Regionen beziehungsweise um die Einspeisung des Stroms in einen Speicher. Wie es Haushalte beim Solarstrom bereits praktizieren können. Neben der künstlerisch anmutenden Form der Windflügel gibt es noch andere beachtenswerte Details, die sich von „normalen“ Windräder unterscheiden. Stürmt es, verstellen sich an den großen Anlagen die Rotorblätter. Bei den Windblumen soll das die textile Kunststofffaser regeln. Die Anlagen können in einem Fuß mobil aufgestellt werden. Und sie sollen nur wenig Geräusche erzeugen. Dazu wird noch am Generator geforscht, der mit weit geringeren Drehzahlen als bisher üblich den Strom erzeugen soll. Da die Windblumen nicht höher als zehn Meter sind, können sie ohne Baugenehmigung aufgestellt werden.

Beim Besuch des Ministers in der Magdeburger Werkstatt sprach Entwicklungsleiter Frank Gnisa deshalb eine Hoffnung an: „Die Power-Flower-Windblumen wirken auf den ersten Blick nicht wie eine klassische Windkraftanlage und können so nicht nur Energie, sondern auch mehr Akzeptanz für die Anlagen erzeugen.“

Derzeit arbeitet das Unternehmen an einem Hybridsystem, das Solar- und Speichertechnik integriert, um so die Energielieferung sicher zu stellen, auch wenn kein Wind weht. „Lehrmeisterin“ sei die Natur, die mit ähnlichen Formen auf Wind zum Schutz der sehr leichten Konstruktionen reagiert und so den Wind teilweise sogar für die Nutzung verstärkt, erklärte Gnisa.

50 Projekte für den Wettbewerb eingereicht

Bisher kostet das Forschungsprojekt Geld, so bald wie möglich soll damit aber Geld verdient werden. Und es soll Arbeit bringen, auch für die Osterwiecker Gleitlager und Metallverarbeitung, die jetzt schon mit Metallbau und Lagertechnik involviert ist. Die kreativen Formen der Erzeugnisse sollen dazu beitragen, „dass jemand bereit ist, sich die Windblumen in den Vorgarten zu stellen“, sagte Nick Döppelheuer. Dafür war die Auszeichnung als „Vision des Jahres“ ein großer Schritt, das Projekt bekannter zu machen. 2022 sollen sich die Windblumen auch auf der brandenburgischen Landesgartenschau in Beelitz drehen.

Insgesamt waren für diesen Landeswettbewerb, der alle zwei Jahre vom Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung ausgelobt wird, 50 Projekte eingereicht worden.

Auf einem Firmengrundstück in Beelitz sind Prototypen der bunten Windblumen für einen Dauertest aufgebaut worden.
Auf einem Firmengrundstück in Beelitz sind Prototypen der bunten Windblumen für einen Dauertest aufgebaut worden.
Foto: SailWindTec