Kita

Halberstadt saniert Kita für 1,6 Millionen Euro

Von Sabine Scholz
Planerin Beatrice Fischer-Liebzeit, Architektin Uschi Hülsdell, die Kita- und Krippenleiterinnen Doreen Otto und Cynthia Urban, Staatssekretär Klaus Klang (CDU), Hochbau-Abteilungsleiter Jörg Wolansky, Kita-Abteilungsleiter Thomas Fahldieck und Oberbürgermeister Daniel Szarata (CDU, von links) vor der sanierten Kita „Waldblick". Foto: Sabine Scholz

Halberstadt

Fußbodenheizung. Klingt ein bisschen nach Luxus. Den hätte Cynthia Urban gern auch in den Gruppenräumen. Bewegen sich ihre Schützlinge doch zumeist auf dem Boden. 90 Kinder betreut sie im Normalfall mit ihrem Team in der Krippe „Waldblick I“. Aber ihr Wunsch wird so schnell ebenso wenig umsetzbar sein, wie der nach einer Renovierung der Räume.

Diesen Wunsch hegt auch Urbans Kollegin Doreen Otto, die die im selben Gebäude beheimatete Kita „Waldblick II“ leitet. Den Kindergartenbereich besuchen normalerweise 125 Mädchen und Jungen, jetzt im Notbetrieb sind es 53. Die Kinder fanden es durchaus spannend, wenn die Bauleute anrückten, die Bohrer im Mauerwerk rumorten und jeden Tag etwas Neues zu entdecken war, berichtet Otto.

Bauen bei laufendem Kita-Betrieb

Wenn es auch für die Krippenkinder und deren Eltern etwas schwieriger auszuhalten war, über das Ergebnis der Bauarbeiten sind alle froh: Kinder, Eltern, Erzieherteams und die, die verantwortlich sind für die gut 1,6 Millionen teuren Bauarbeiten.

„Es hat super geklappt in der Zusammenarbeit mit den Kindern und Erziehern, auch die Firmen waren voll des Lobes“, sagt Beatrice Fischer-Liebzeit vom Planungsbüro Herbst. Sie war für organisatorische Fragen des Projektes zuständig, Architektin Uschi Hülsdell für die Objektplanung. Beide wissen, dass Sanierung im laufenden Betrieb einer Einrichtung nicht immer einfach ist.

Normalerweise, sagt Jörg Wolansky, Abteilungsleiter Hochbau in der Stadtverwaltung, kann Bauen im „bewohnten Zustand“ Kosten- und Zeitrahmen sprengen. Beim „Waldblick“ nicht. „Wir wussten ja, wie viel Geld wir zur Verfügung haben und haben dann rückwärts gerechnet“, sagt Uschi Hülsdell. „Es sind sogar fünf Euro übrig“, verrät Beatrice Fischer-Liebzeit, als die Besuchergruppe im Turnraum steht. Der liegt im Keller und besitzt als einziger Raum eine Fußbodenheizung. Die Decke ist neu verkleidet, Prallschutz und Schalldämpfung in einem, die Lampen sind ebenfalls prallschutzgerecht.

Geld aus Europa

Oberbürgermeister Daniel Szarata (CDU) lässt sich wie sein Parteifreund Klaus Klang die Besonderheiten erklären. Klang ist Staatssekretär im Finanzministerium und hatte am 7. Juli 2018 den Fördergeldbescheid des Landes an die Stadt Halberstadt überreicht. An den Tag erinnert sich Klang gut. War dieser Tag nicht nur sehr heiß, sondern auch sein Geburtstag.

1.035.864 Euro, so viel steuert das Land bei. „Wobei die Mittel aus dem Förderprogramm Stark III kommen und zu einem größeren Teil aus dem EFRE-Programm der Europäischen Union“, sagt Klang. „Gerade heutzutage, wo oft gefragt wird, was wir denn davon haben, dass wir in der Europäischen Union sind, freut es mich, dass hier sichtbar wird, wie sehr uns die EU hilft.“

Das Geld ist nicht nur in die Fußbodenheizung des Turnraums geflossen. Alle Fenster und Außentüren sind neu, die komplette Fassade ist ebenso gedämmt wie die Kellerdecke. Das sind Hunderte Quadratmeter Fläche, ist das 1974 errichtete Gebäude doch komplett unterkellert. Gedacht waren die Räume damals auch als Schutzbunker für die Nachbarschaft. „Wir haben beim Bauen abgedeckte Latrinen gefunden“, berichtet Uschi Hülsdell beim Rundgang durch das energetisch sanierte Gebäude. Neue Dächer gehören dazu, auf denen Photovoltaik-Anlagen Strom für den Eigenbedarf der Kindertagesstätten, für die zudem die bisherige Beleuchtung auf LED-Technik umgerüstet wurde. Das spart Energie.

Holzpeletts sorgen für Wärme

Kohlendioxid einsparen soll die neue Heizung. Zwei große Behälter fassen die zwölf Tonnen Holzpellets, die über ein Schneckengetriebe in den Brenner befördert werden. Es ist die erste Holzpelletheizung in einem öffentlichen Gebäude der Stadt, sagt Jörg Wolansky. In den nächsten drei Jahren werde sorgfältig alles dokumentiert, um die tatsächliche CO2-Einsparung zu ermitteln. Das sei schließlich wesentliches Ziel der Sanierung, zu der auch der Einbau einer behindertengerechten Toilette gehört. Die war Grundvoraussetzung, um überhaupt in das Förderprogramm Stark III aufgenommen zu werden. „Das hat die Stadt allein bezahlt“, so Wolansky. Insgesamt liegt der Eigenanteil der Stadt bei 608.023 Euro für die Ende 2019 begonnenen und im März 2021 fristgerecht beendeten Bauarbeiten.

Für die Termintreue zollte Klaus Klang allen Akteuren ebenso Respekt wie für die Einhaltung des Kostenrahmens. Das Finanzministerium ist für den Hochbau von Landesobjekten zuständig, von daher wisse er, dass so etwas „die ganz große Ausnahme“ sei.

Die Heizung sorgt für 4000 Liter Heißwasser, das permanent bei 60 Grad Celsius, in den Tanks und Leitungen zirkuliert, um Legionellenbefall zu verhindern. Dabei kommt das warme Wasser aus den Mischbatterien mit Verbrühschutz gar nicht in Kontakt mit dem heißen Wasser aus den Heiztanks, ein Wärmetauscher im Keller sorgt für den Temperaturaustausch der zwei getrennten Wasserkreisläufe.

Über den Heizkesseln wurde eine Brandschutzdämmung aufgesprüht, ein mineralisches Gemisch, dass 90 Minuten Feuer standhält. Fast nicht sichtbar, so wie vieles von den Bauarbeiten an der Kindertagesstätte mit Biber, Igel und Waschbär auf der Fassade.

Architektin Uschi Hülsdell (rechts) berichtet beim Rundgang von den Besonderheiten im Turnraum der Kita „Waldblick".
Foto: Sabine Scholz
Hausmeister Jens Neumann erläutert Staatssekretär Klaus Klang den Wärmetauscher für die Erwärmung des Trinkwassers.
Foto: Sabine Scholz