Schülerwettbewerb

Halberstädter Junge vertritt Sachsen-Anhalt beim Wettbewerb der Bundesingenieurkammer

Die Aufregung steigt. Am Freitag wird Leon Rohde wissen, wie durchdacht seine Konstruktion ist. Der zehnjährige Halberstädter Schüler vertritt Sachsen-Anhalt beim Bundeswettbewerb Junior.ING.

Von Sabine Scholz
Der zehnjährige Leon Rohde von der Goethe-Grundschule aus Halberstadt hat den Landeswettbewerb der Ingenieurkammer Sachsen-Anhalt gewonnen und tritt am 18. Juni im Bundeswettbwerb der Altergruppe 1. bis 8. Klasse an.
Der zehnjährige Leon Rohde von der Goethe-Grundschule aus Halberstadt hat den Landeswettbewerb der Ingenieurkammer Sachsen-Anhalt gewonnen und tritt am 18. Juni im Bundeswettbwerb der Altergruppe 1. bis 8. Klasse an. Foto: Marcel Rohde

Halberstadt - Schuld ist der große Bruder. Als Tim vor fünf Jahren eine Sprungschanze bastelte, fing auch Leon Feuer. Dass es schwierig war, so ein komplexes Gebilde zu entwerfen und zu bauen, schreckte weder Tim noch Leon.

Damals noch mit Hilfsarbeiten betraut, wollte der jüngere wenig später eine eigene Arbeit einreichen beim großen Schülerwettbewerb der Ingenieurkammern. Und so kam es, dass die Brüder gemeinsam tüftelten.

Eine Brücke aus Papier

Ihren Enkeln hilfreich zur Seite stand von Anfang an Sabine Kraus. Als gelernte Möbeltischlerin konnte sie die Kinder auf die richtige Spur bringen. Was sowohl Tim als auch Leon sehr zu schätzen wussten. Denn wie soll man aus normalem Druckerpapier eine Brücke mit einer Spannweite von 60 Zentimetern bauen, die eine volle Literflasche Wasser trägt? „Wir haben es zuerst mit gefaltetem Papier versucht“, erinnert sich Tim. Aber die Konstruktion wurde nicht stabil genug. Der Opa hatte dann die zündende Idee, als er auf Schaschlikspieße verwies. Also wurden Hunderte Blätter Papier halbiert und jede Papierhälfte über den Holzspieß gerollt. So entstanden belastbare Bauelemente.

Die Brücke steht immer noch im Haus der Familie, ebenso wie die Achterbahnen, die beide Brüder ein Jahr später beim Schülerwettbewerb Junior.ING einreichten. An die Möglichkeit, sich zu bewerben erinnerte sie Ronald Arndt. Der Lehrer motivierte die Jungs, die zu diesem Zeitpunkt beide die Goethe-Grundschule besuchten, dranzubleiben an den Projekten.

Wasserdampf zum Biegen

Was sie mit Begeisterung taten. Und so wunderte es niemanden in der Familie, als ein Jahr später beide Brüder Wettbewerbsbeiträge bei der Ingenieurkammer Sachsen-Anhalt einreichten. Diesmal war das Thema „Achterbahn. Schwungvoll konstruiert“.

Beide Jungs waren mit ihren eingereichten Modellen erfolgreich, auch wenn es drei Versuche brauchte, bis eine Bauweise gefunden war, die nicht nur stabil, sondern so schwungvoll gebaut war, dass eine Murmel die komplette Achterbahn durchlief. Beide belegten vordere Plätze. Während sich Tim über Platz 3 freute, sicherte sich Leon mit seiner Achterbahn „Liebespfad“ Platz zwei. Der Name lässt ahnen, was Leon etwas verschämt zugibt – als er die Achterbahn baute, war er verliebt. „Aber jetzt nicht mehr“, fügt er sofort an.

Für die Achterbahn griffen beide Jungs auf Bewährtes zurück – gerollte Papierbögen für die tragende Konstruktion und gebogene schmale Holzleisten für die Führungsschienen. Sie rollten, klebten, bogen über Wasserdampf die Schienen und bastelten auch die Landschaft unterhalb der Achterbahn. Zahlreiche kopflose Streichhölzer später war alles fertig.

Leon hat sich nicht entmutigen lassen

Dass es eine Herausforderung ist, feste Konstruktionen zu bauen, hat Leon damals schon gelernt. Nur mit normalem Kleber arbeiten zu dürfen auch. Aber am Ende Platz zwei, das machte ihn stolz. Tim gönnte seinem Bruder die besser Platzierung, ebenso, wie er in diesem Jahr stolz auf Leon ist, dass dieser Platz eins im Landeswettbewerb belegte. Immerhin umfasst die Altersgruppe die Klassenstufen eins bis acht.

Ein Jahr später war Tim aufs Gymnasium gewechselt, wo die Teilnahme an diesem Schülerwettbewerb nicht so im Fokus ist. Aber Leon machte weiter und reichte wieder eine Konstruktion ein, diesmal war ein Aussichtsturm gefordert. Der hat sogar einen kleinen Aufzug in seinem Inneren, der sich über Kurbeln bewegen lässt. „Die Kabine ist eine Streichholzschachtel“, berichtet Leon, während er den Aufzug bewegt. Die Fernrohre oben sind auch Holz und Trinkhalm-Stücken gebaut, der Turmkörper eine große Papprolle. Dass es keinen Preis gab, entmutigte Leon nicht, in diesem Schuljahr bewarb er sich wieder.

Zeit im Lockdown genutzt

Aufgabe diesmal war es, das Dach einer Stadion-Zuschauertribüne zu entwerfen. Die stabile Dachkonstruktion muss dabei mindestens eine Last von 250 Gramm tragen. „Sie hält sogar das Doppelte aus“, berichtet Sabine Kraus, „ich habe zwei Stücken Butter draufgepackt.“

Nach dem Kauf der Grundplatte hieß es für Leon, die passende Form zu finden, sich mit Baumaterial einzudecken und auszuprobieren, wie die Spannkonstruktion Halt bekommt.

„Zeit dafür hatte ich“, sagt Leon. Die Schulaufgaben hatte er im zweiten Lockdown immer rasch fertig, sodass es ans Tüfteln gehen konnte. Denn neben der eigentlichen Dachkonstruktion brauchte es auch eine Tribüne, die das Dach überspannen sollte. Die Farbgebung war sofort klar, schließlich ist die ganze Familie Fan des 1. FCM. „Die Sitzflächen hab ich aus Zahnstochern gebaut“, sagt Leon. Zeigen kann er von seinem aktuellen Wettbewerbsbeitrag nur ein Foto. Die Arbeit ist in Berlin, dort wird am Freitag coronabedingt im Video-stream auf YouTube der Preisträger des Bundeswettbewerbs bekannt gegeben. Dass er daran teilnehmen kann, macht ihn schon stolz. Mit den ersten Platz im Landeswettbewerb war nicht nur eine Prämie von 250 Euro verbunden, sondern auch die Teilnahme am Bundesvergleich.

Leon bedauert, nicht in Berlin dabei sein zu können. „Aber wir fahren hin, sobald es geht“, verspricht Vater Marcel Rohde. „Denn die Siegerarbeiten aus den Bundesländern werden vom 1. Juli bis 31. Dezember im Deutschen Technikmuseum in Berlin ausgestellt.“