Schierke l Der Winter bleibt hart und gibt sich zumindest in höheren Lagen längst noch nicht geschlagen. Im Gegenteil: Rund um Schierke konnten die „heißen“ Tage der vergangenen Woche der weißen Pracht nicht viel anhaben, obendrein sind spätestens ab Sonntag neue Schneefälle in Sicht. Um so ärgerlicher für viele Langlauffans, dass die Verantwortlichen des Nationalparks seit gut einer Woche faktisch keine Loipen mehr spuren.

Ein Fakt, der unter anderem Simon Schulz aus Wernigerode verärgert. Es sei mittlerweile nicht nur durchgesickert, dass die Pistenfahrzeuge zwar die Wege walzen, aber keine Loipen mehr ziehen, sondern auch die Gründe dafür: „In Absprache mit Landkreisen und Gemeinden soll die Attraktivität der Harzregion für Touristen eingedämmt werden“, berichtet Schulz.

Keine weiteren Besucher

Was inhaltlich korrekt ist, wie Sabine Bauling, Vize-Chefin im Nationalpark Harz, bestätigt: Die Entscheidung, seit gut einer Woche im Bereich des Nationalparks grundsätzlich keine Loipen mehr zu spuren, resultiere aus Verabredungen des Runden Tisches mit Kreisverwaltung, Kommunen sowie Polizei im Kreis Goslar. „Der Gedanke war, nicht weitere Besucherströme anzuziehen“, so Sabine Bauling. Die Nationalparkverwaltung, deren Mitarbeiter die Spurgeräte fahren, setze diese Vorgabe um. Notgedrungen, wie die Vize-Chefin durchblicken lässt. „Es ist ein zweischneidiges Schwert – einerseits wollen und sollen die Leute raus an die frische Luft, andererseits sollen große Menschenaufläufe wegen der Pandemie vermieden werden.“

Gar nichts zu machen, sei daher keine Option gewesen, so Sabine Bauling. Aktuell würden die Wege im Nationalpark gewalzt und so begehbar gehalten. Zudem werde Schneebruch entfernt. In der Endkonsequenz sei das ein Kompromiss, wie so vieles in Zeiten der Pandemie. „Wir sind bei einer Kurskorrektur so jederzeit in der Lage, kurzfristig wieder zu spuren.“ Wobei letzteres für einige wenige und speziell ausgewählte Strecken im Nationalpark für Trainingszwecke durchaus passiere.

Keine Rücksprache

Derweil hängt wegen der Loipenprobleme sogar der Haussegen zwischen den Kreisverwaltungen Goslar und Harz aktuell ein wenig schief. Der Harzer Landrat Thomas Balcerowski (CDU) ist zumindest ziemlich sauer auf seinen Goslarer Amtskollegen Thomas Brych (SPD).

Die Entscheidungen am dortigen Runden Tisch contra Loipenspuren seien mal eben und ohne jede Rücksprache mit ihm via Harzer Tourismusverband auch auf den Ostharz übertragen und öffentlich kommuniziert worden. „Und darüber bin ich schon ziemlich verärgert, das ist ein unfreundlicher Akt“, so Balcerowski gegenüber der Volksstimme. Wenn die Westharzer im Bereich Torfhaus ein Verkehrsproblem hätten – wie insbesondere zum Jahresanfang – habe das nichts mit der Pandemie zu tun. „Außerdem sprechen die Westharzer mit Sicherheit nicht für den Ostharz.“

Sturzgefahr

Gleichwohl dürfte sich in den nächsten Tagen trotz Neuschnees an der Situation kaum etwas ändern. Und dadurch, so Loipenfan Simon Schulz, würden 90 Prozent der Langläufer ausgebremst, die erfahrungsgemäß in klassischer Technik agieren und Loipen benötigen. „Die Wanderer und Rodelfreunde hingegen werden weiterhin nicht behindert, welche allerdings den Löwenanteil der Naturfreunde stellen“, so der Wernigeröder, der seinen Unmut zusammen mit Christian und Mirko Lehmann sowie Michael Rohr zu Papier gebracht hat.

Letztlich seien sich Wanderer und Langläufer nicht ins Gehege gekommen. Allerdings unterlägen klassische Skiläufer ohne Loipe einer erhöhten Sturzgefahr, weil die Ski schneller seitlich wegzurutschen drohten. „Unser Wunsch ist daher klar: Präparierung der Wege für Wanderer und Skiläufer“, so Simon Schulz und dessen drei Sportfreunde.