Shitstorm

Harz-Landrat poltert auf Facebook gegen Grüne

Mit einem Post bei Facebook hat Landrat Thomas Balcerowski eine heftige Diskussion angestoßen. Der Christdemokrat unterstellt den Grünen Inkompetenz und bezeichnet sie als „Gift für den Harz“.

Von Dennis Lotzmann

Harzkreis. Landrat Thomas Balcerowski ist als Pragmatiker und als Mann klarer Worte bekannt. Nun fand der Christdemokrat klare Worte in Richtung der Bündnisgrünen: In einem Post auf seinem Facebook-Account unterstellte er ihnen „Inkompetenz“ sowie „ideologische Scheuklappen“ und sprach ihnen die parlamentarischen Mitwirkungsrechte ab. Die Nachricht endet – samt Tippfehler – mit den Worten „Grüne sind Gilft für den Harz“.

Die Nachricht habe er am Montagmorgen, 12. April, als Reaktion auf ein Interview mit der grünen Spitzenpolitikerin Cornelia Lüddemann geschrieben und versandt, so Balcerowski auf Anfrage. Lüddemann hatte sich in dem Interview gegen Öffnungsmodelle für gastronomische Außenbereiche im Harz sowie zwei Hotels der Kempski-Gruppe im Südharz ausgesprochen und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) als „Geisterfahrer“ bezeichnet.

„Darauf habe ich reagiert und dazu stehe ich“, so Balcerowski am Freitag zur Volksstimme. Für ihn stelle sich schlichtweg die Frage, woher Cornelia Lüddemann die Kompetenz nehme, sich derart zu äußern, wenn zugleich Fachleute aus der Medizin und auch Aerosolforscher bei Einhaltung aller Hygieneregeln die Risiken gering einstuften und pro derartige Modellprojekte argumentierten, so der CDU-Politiker. Lüddemann ist nach Recherchen der Volksstimme ausgebildete Bibliotheksfacharbeiterin und diplomierte Erziehungswissenschaftlerin.

Balcerowski verteidigt seine Watsche gegen Grüne

„Außerdem darf ich als Landrat auch eine Meinung haben – das ist so und die vertrete ich auch, selbst wenn ich damit manchem auf die Füße trete“, so der 49-Jährige, der mit gewisser Selbstkritik hinzufügte, dass er im Fach Diplomatie „vielleicht nicht die besten Noten habe“. Zudem sei aus seiner Sicht auch Lüddemanns Wortwahl vom „Geisterfahrer eine Beleidigung“.

Dass er nicht Lüddemann direkt, sondern die Grünen pauschal attackiert hat, geht für Balcerowski in Ordnung, weil für ihn nicht nur Lüddemann inkompetent sei. „Wir haben eine Umweltministerin, die nichts gegen den Borkenkäferbefall im Nationalpark macht und zulässt, dass auch Wirtschaftswälder befallen werden – ist das kompetent? Wir hatten im Harz einen Busfahrplan, der auf maßgeblichen Druck der Grünen auf den Weg gebracht wurde und komplett an den Bedürfnissen der Bürger vorbeigegangen ist. Und auch Frau Lüddemann hat sich bislang nach meinen Erkenntnissen noch nicht mit Details unseres gastromischen Öffnungsprojektes beschäftigt“, zählt der Landrat auf.

Seine Formulierung im Facebook-Post resultiere letztlich aus der Summe der Erfahrungen, die er als Harzer Politiker gemacht habe. Balcerowski war vor seinem Wechsel an die Spitze des Landratsamtes viele Jahre CDU-Fraktionschef im Kreistag und Bürgermeister in Thale.

Harzer Grüne schlagen zurück

Seine Nachricht ist bei Facebook auf ein breites Echo gestoßen. Er kann zahlreiche Zustimmung verbuchen, aber auch Kritik. Die bündnisgrüne Landesvorsitzende und Kreistagsabgeordnete Susann Sziborra-Seidlitz, die als Krankenschwester arbeitet, macht beispielsweise ihren Wunsch deutlich: Politiker, die sich eher um die Situation in den Kliniken kümmern und dort sehen lassen, statt beim Kaffeetrinken. Sie wünsche sich einen Landrat, der nicht nur dann auf Wissenschaftler höre, wenn es ihm in den Kram passe. Und der im Ansinnen, das Beste für Menschen und Land zu erreichen, sachlich und fair bleibe. Selbst bei unterschiedlichen Ansichten seien „polemisch-wütende Ausfälle“ Gift fürs Land.

Ganz ähnlich die Position des bündnisgrünen Peter Osten aus Wernigerode. Auch er zeigt sich über Balcerowskis Wortwahl verärgert. „Und ich kenne viele altgestandene Grüne, die sind einfach entsetzt“, so der pensionierte Verwaltungsrichter.

Und wie bewertet der 75-Jährige Lüddemanns „Geisterfahrer“? „Ich hätte diesen Begriff nicht benutzt – ich bin aber auch älter und weiser.“ Insgesamt, so Peter Osten, würde er sich wünschen, wenn die gesamte Diskussion wieder auf eine sachliche Basis gebracht würde.