Halberstadt l Dicht beieinander saßen sie an langen Tischreihen in der geschmückten Fahrzeughalle des Halberstädter THW-Ortsverbandes, dessen eigene Helfer und die Abordnungen aus Ortsverbänden Sachsen-Anhalts sowie die Gäste aus Politik, verschiedener Hilfsorganisationen und Feuerwehren. Sie wren erschienen zur Verabschiedung des bisherigen Ortsbeauftragten Thomas Moritz und der Berufung seines Nachfolgers Rüdiger Zimmermann.

In einer Zeit, die für die Menschen im Osten Deutschlands von Veränderung, Um- und Aufbruch geprägt war, formierte sich 1990 eine kleine Gruppe in Halberstadt, um die Bildung einer Ortsgruppe des THW vorzubereiten, erinnerte Dirk Ulrich, stellvertretender Landesbeauftragter des Landesverbandes Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt. Im Ergebnis wurde am Vormittag des 29. Juni 1991 im damaligen Klubhaus der Werktätigen der erste Ortsverband in den neuen Bundesländern gegründet.

Dem Vater gefolgt

Thomas Moritz folgte seinem Vater Hans-Werner, der zu den Gründungsvätern zählte. Im Ortsverband war er zunächst in der Jugendabteilung aktiv, engagierte und qualifizierte sich und wurde 2002 zum Ortschef gewählt. Er habe ihn als einen zielstrebigen Leiter wahrgenommen, der Verantwortung übernahm, hohe Ansprüche an sich und andere stellte, das Vertrauen der Helferinnen und Helfer des Ortsverbandes besaß und maßgeblichen Anteil an dessen vorbildlicher Entwicklung hatte, betonte Dirk Ulrich. „Er identifizierte sich mit dem THW und hat sich in hohem Maße, mit Nachdruck und Hartnäckigkeit für die Belange seiner Truppe eingesetzt“, brachte der Redner es auf den Punkt.

Hohe Wertschätzung

Über den Ortsverein hinaus genieße der 45-Jährige hohe Wertschätzung und Anerkennung. „Wir brauchen Menschen wie dich, die sich leidenschaftlich für das THW engagieren“, schloss der stellvertretende Landesbeauftragte seine Laudatio und betonte, „es ist ja kein Abschied. Ich hoffe sehr, dass du dem Ortsverband gewogen und erhalten bleibst.“ Das werde er, entgegnete Thomas Moritz. „Ich werde weiter im THW mitwirken und gute Verbindung zu meinem Nachfolger halten“, versicherte er. „Was wir erreicht haben, funktioniert nur im Team. Ich war immer stolz auf euch alle und sage heute Dank an alle, die eine Zeit meines Lebens waren und sind.“ Dass die Jugend und auch die erfahrenen Helfer seinen Nachfolger Rüdiger Zimmermann, der sein großes Vertrauen genießt, genauso unterstützen wie ihn, davon geht Moritz aus.

Rüdiger Zimmermann war bislang als Schirrmeister für die Vorhaltung, Verwaltung und Erhaltung der Geräte- und Fahrzeugausstattung des Ortsverbandes mitverantwortlich, erinnerte Ina Annette Lehmann, Leiterin der Regionalstelle Magdeburg. Mit einem Robur LO habe er damals begonnen, zuletzt trug er Verantwortung für modernste Technik, über die das THW verfügt. Jetzt übernehme er bewusst größere Verantwortung, ganz im Wissen, welch Stellenwert hohe Einsatzbereitschaft und eine gute Ausbildung haben.

Nach der offiziellen Amtseinführung mit Übergabe der Berufungsurkunde nahm Rüdiger Zimmermann aus den Händen von Thomas Moritz den Staffelstab in Empfang.

Bisher drei Ortsbeauftragte

Drei Ortsbeauftragte zähle man in den vergangenen 28 Jahren, von denen Thomas Moritz mit 16 Jahren das Amt am längsten inne hatte.

„Als ich gefragt wurde, ob ich die Leitung übernehmen würde, dachte ich zunächst, was soll das mit 60 plus. Es gibt doch genügend junge Kameraden“, berichtete der neue Ortsbeauftragte. Dann sei er zu der Überzeugung gelangt, dass der Nachwuchs für ein solches verantwortungsvolles Amt langfristig vorbereitet werden müsse. Und so habe er nach Einberufung des Familienrates und Gedankenaustausch mit Kameraden seine Bereitschaft erklärt, sich zur Wahl zu stellen.

Ergebnis hat überrascht

Im November fand eine Vorschlagswahl zur Neubesetzung des Postens statt. Drei Kandidaten standen auf der Liste. Von 18 stimmberechtigten Führungskräften in dem Gremium vereinte Zimmermann zehn Stimmen auf sich. Dieses Ergebnis habe ihn überrascht, aber auch bestärkt darin, dass die Erfahrungen der Älteren und die Weitergabe deren Wissens an die Jüngeren wichtig ist. „Ich habe eine gesunde Ehrfurcht vor den Aufgaben des Ortsbeauftragten“, gestand Zimmermann. „Ich will jeden einbeziehen, fordern und fördern. Ich weiß, dass ihr alle hochmotiviert seid, engagiert arbeitet und auf euch jederzeit Verlass ist“, wandte er sich an seine Mitstreiter, „mit einem solch starken Team sind wir 365 Tage im Jahr einsatzbereit.“

„Ich war beruflich auch über Jahre sehr angespannt. Darum kann ich die Entscheidung von Thomas nachvollziehen“, sagte Zimmermann am Rande der Veranstaltung, „nun bin ich beruflich etwas zurückgetreten und habe dadurch mehr Zeit.“ Die fünfjährige Amtsperiode sei eine große Herausforderung: „Denn das bedeutet mehr Verantwortung als bisher und ein noch intensiveres Mitgestalten als in den vergangenen 27 Jahren. Ich sehe meine Aufgabe auch darin, junge Leute vorzubereiten, damit diese eines Tages das Erbe antreten können.“ Die Basis, auf die er aufbauen kann, sei gut.