Halberstadt l Oberbürgermeister Harald Hausmann (parteilos), bis 2007 Vorgänger von Andreas Henke (Linke), sagte zu seiner Amtszeit den Schandflecken an der Halberstädter Ruinenmeile den Kampf an. Dazu zählte er auch das ehemalige Bahnhofshotel. 2012 wurde das einsturzgefährdete Gebäude endlich abgerissen.

„Fest steht, wir hinterlassen eine ebene Fläche“, sagte Stephan Weinrich von der gleichnamigen Wernigeröder Abbruchfirma damals und fügte hinzu: „Wird darauf Rasen gesät, können im nächsten Sommer hier Familien picknicken.“ Mit Blick zu den Schaulustigen auf den Balkonen in der angrenzenden Beckerstraße ergänzte er: „Na, ist der Schandfleck vor ihrer Nase erst mal weg, haben all diese Mieter einen eins-a-Ausblick.“

Areal bleibt Schandfleck

Doch das rund 500 Quadratmeter große Areal blieb ein Schandfleck. Denn schon bald wurde aus der Freifläche ein illegaler Müllabladeplatz. Wurde jedes Jahr zum Frühjahrsputz Ordnung geschaffen, dauerte es nicht lange, bis wieder alles beim Alten war. „Im vergangenen Jahr wurde ein Schild ,Müllabladen verboten‘ aufgestellt“, sagte Friederike Förster von der Ordnungsabteilung der Stadt. „Doch das verschwand ebenso schnell wie sich neuer Müll wieder anhäufte.“

Jede Menge Unrat

Die „Platzwächter“, die 2012 erstmals in Aktion traten und seitdem nicht nur anlässlich des alljährlichen Frühjahrsputzes zupacken, wenn es um eine saubere Stadt geht, hatten deshalb die Freifläche an der Bahnhofsstraße aufs Korn genommen. Sieben von ihnen trafen sich am Freitagabend zum Einsatz nach Feierabend. Ausgerüstet mit Handschuhen, Greifern, Eimern und Müllsäcken zogen sie über die ungepflegte Fläche und befreiten sie von alldem, was andere Mitbürger achtlos dort hingeworfen haben. Das waren nicht nur Fastfood-Verpackungen, Flaschen, Dosen und Papier, sondern auch prall gefüllte Müllsäcke, Textilien, Plastiktüten gefüllt mit verdorbenen Lebensmitteln und benutzten Windeln. Mit jeder Menge Unrat füllten die Frauen und Männer einen halben Container.

„Ich hatte nicht erwartet, dass es so viel wird“, stellte Bianca Groß, die damals die Platzwächter-Initiative ins Leben gerufen hat, erstaunt fest. Doch wie ihre Mitstreiter wird sie immer wieder eines Schlimmeren belehrt. „Es wird nicht weniger. Im Gegenteil. Und was die Leute sich trauen, mitten in der Stadt einfach fallen zu lassen oder bewusst sogar entsorgen.“ Dabei gebe es Müll- und Papiertonnen sowie Gelbe Säcke, die abgeholt werden, und einen Wertstoffhof, wo vieles kostenlos abgeliefert werden kann.

Dumme Sprüche und Drohungen

„Wir haben zu Hause, im Kindergarten und in der Schule gelernt, dass man nicht einfach alles in der Gegend rumwirft. Bei Wanderungen zum Beispiel wurde das Verpackungsmaterial wieder mitgenommen. Das wird auch heute noch so gehalten“, sagte Cornelia Schatter. „Früher gab es nicht so viel zum Wegwerfen“, stellte Axel Gebensleben fest. Und: „Heute ist es die Achtlosigkeit. Manche lassen zum Beispiel Zigarettenschachtel, Pappteller, Papiertaschentuch oder andere kleine Gegenstände fallen, wo sie gerade stehen.“ Und wenn man jemanden auf das falsche Verhalten aufmerksam macht, bekomme man Beschimpfungen und dumme Sprüche oder gar Drohungen zu hören.

Nichts desto trotz wolle man als „Platzwächter“ weiter alles für eine saubere Stadt tun. „Wir möchten keine mutwillige Zerstörung, keine Schmierereien und keine Vermüllung in Halberstadt“, begründet Bianca Groß das Engagement. Deshalb werde auch nicht auf den nächsten Frühjahrsputz gewartet. „Wenn die Entschlammung und Neubefüllung des Schwanenteiches abgeschlossen sind, werden wir dort noch mal aktiv werden. Auch im Bereich Holtemme gibt es einiges zu tun“, sagte sie und wies darauf hin, dass man gern Hinweise entgegennimmt, wo für Sauberkeit und Ordnung gesorgt werden muss.

Mitstreiter willkommen

Alle ärgern sich über Müll und Dreck. Und alle wissen auch, dass wo schon Müll he-rumliegt, sich schnell weiterer hinzugesellt. Deshalb werden „Problemplätze“ im Auge behalten. Unverbesserliche gibt es immer wieder. Aber auch Bürger, die in ihrem Engagement nicht nachlassen. Die Platzwächter freuen sich übrigens über jeden Mitstreiter, der sich für eine saubere Stadt einsetzt.

Der Halberstädter Frühjahrputz ist noch nicht beendet. Aufgrund des wechselhaften Wetters habe es Terminverschiebungen gegeben, so Friederike Förster. Sie rechnet damit, dass bis Mitte Mai Aktionen dazu beitragen werden, das Erscheinungsbild der Stadt zu verbessern.