Halberstadt l „Jetzt nicht.“ Diese zwei Worte muss Thomas Moritz innerhalb weniger Minuten sehr oft sagen. Der Ortsbeauftragte des Technischen Hilfwerks (THW) ist gefragt, immerzu klopft es an der Tür, stecken Männer und Frauen in blauen Uniformen den Kopf zur Tür herein. Doch sie müssen warten, jetzt nimmt sich Moritz Zeit für seine Gäste. Schließlich ist es genau das, worum es bei einer Verabredung geht – etwas Zeit zum ersten Kennenlernen. Das ist auch beim „Date mit einem blauen Engel“ so. Sandra Pampus muss schmunzeln über den Begriff, aber die Werbeoffensive will bei allem Ernst des Anliegens auch zeigen, dass man den Spaßfaktor beim THW nicht unterschätzen sollte, sagt die Öffentlichkeitsbeauftragte.

Selbst ein Bild machen

Zum ersten Date sind zwei Jugendliche in die Friedrich-List-Straße 16 gekommen. Jan Weber hat vom THW schon häufiger gehört. Im Kindergarten, als das THW dort zu Gast war, und in seiner Klasse, die auch die Tochter des Halberstädter THW-Chefs besucht. Als sein Vater ihm die Ankündigung in der Volksstimme zeigte, entschloss sich der 14-Jährige, sich nun endlich mal selbst ein Bild zu machen.

Thomas Moritz berichtet von der Arbeit der Jugendgruppe. 23 Mädchen und Jungen zwischen 11 und 17 Jahren sind dort aktiv, lernen spielerischer, was die Erwachsenen in der Grundausbildung vermittelt bekommen. Es gibt gemeinsame Ausflüge, meist ein Zeltlager im Sommer und auch gemeinsame Aktionen mit anderen Rettungsorganisationen wie der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft oder den Feuerwehren. Und einmal im Jahr wird auch außerhalb des THW-Geländes geputzt. Seit einigen Jahren macht die THW-Jugend beim Frühjahrsputz im Tiergarten mit.

Gemeinsamer Rundgang

Jan hört genau zu, noch weiß er nicht, ob er auch als Erwachsener als Helfer in Halberstadt sein wird, schließlich besucht er erst die 7. Klasse im Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Aber mitmachen bei den „blauen Engeln“, das will er schon, da ist er sich sicher.

Gemeinsam mit Phillipp Modrack, der etwas später eintrifft, erkundet er das Gelände, kann sich die Technik anschauen, übers Sprengen, das Bergen und riesige Wasserpumpen mehr erfahren. Bianca Puse, Chefin der Jugendtruppe, hat sich der beiden jungen Halberstädter angenommen, führt den elfjährigen Phillipp und Jan in aller Ruhe übers Gelände. Und lässt sie schon mal einen Helm Probe tragen. Die sind zwar noch etwas zu groß, aber grinsend machen die beiden Jungen mit.

Weitere Termine

Jürgen Ratzeburg schaut sich derweil ebenfalls um. Er will nicht aktiv als Helfer mitmachen, ist aber neugierig darauf, was sich hinter den drei Großbuchstaben verbirgt. Auch ihm wird geduldig Auskunft gegeben.

Während der Ausbildungstage, die an jedem dritten Sonnabend im Monat von 8 bis 18 Uhr stattfinden, bleibt für solche Gespräche mit Besuchern oft zu wenig Zeit, manchmal wird auch außerhalb geübt. Deshalb haben sich die Halberstädter zu den „Dates“ entschlossen. Am 21. April, 16. Juni, 18. August und 20. Oktober wollen sie gerne weitere Neugierige begrüßen, wiederum jeweils in der Zeit von 13 bis 14 Uhr. Auch wenn die Zahl der Helfer seit Jahren relativ stabil ist, neue Aktive seien immer willkommen.